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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Dienstag, 17. März 2009
Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
Thematisiert wird Chester Browns Jugendzeit in einem
kanadischen Vorort, eine Zeit der Orientierung und Zurückgezogenheit. Brown
berichtet unaufgeregt vom zunehmenden sexuellen Interesse der
Schulkameradinnen, ähnlich sachlich schildert er den fast emotionslosen Umgang
mit seiner schwer erkrankten Mutter. Und schließlich macht er in Fuck seine
komplizierte Persönlichkeit zum Gegenstand, die ihn in der Familie und im
Freundeskreis zum Außenseiter machte. Immer wieder wird auch das Verweigern von
Gefühlen als prägendes Motiv für Browns Entwicklung in der Pubertät herangezogen.
Es entsteht ein befremdliches Bild des jungen Künstlers, dem eine verbale
Liebesbekundung gleichermaßen schwer fällt wie das Aussprechen von
Schimpfwörtern. Auf über 180 Seiten geht der Comic viel weiter als die meisten
anderen autobiografischen Geschichten rund um das Erwachsenwerden. Fuck
entblößt das Innenleben des Autors aufs Schmerzhafteste, indem es die die
Distanz der Hauptfigur, Chester Brown selbst, perfekt in einer bemerkenswerten
Bildabfolge einfängt.
In ständig wechselnder Seitenaufteilung sind die Panels
in mal größerer, mal geringerer Anzahl angeordnet und richten sich demnach
nicht nach einer äußeren Struktur, sondern passen sich vorwiegend der durch die
Charaktere transportierten Stimmung an. Mit der großzügigen Nutzung
unvorhersehbarer Arrangements schafft es Chester Brown auch endgültig, seine
Jugendjahre für den Leser plastisch zu gestalten. Und das auf eine so
schonungslose Art und Weise, wie sie der Eigenwilligkeit des Künstlers gerecht
zu werden scheint.
Fuck
Reprodukt, Januar 2009
Text und Zeichnungen: Chester Brown
192 Seiten, schwarzweiß, 16,00€
ISBN 978-3-938511-96-1
Abbildungen aus der dt. Ausgabe: © Reprodukt















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Ein knallgrünes Monster mit knubbligen Hörnchen auf dem Kopf und einem großen Löffel in der Hand. So putzig sieht die neue Jazam!-Ausgabe aus, doch sollte man sich nicht von Daniela Uhligs süßem Cover in die Irre führen lassen. Der vierte Band der Künstlergemeinschaft Jazam! lädt diesmal in die Welt der Monster ein und droht dabei aus allen Nähten zu platzen. Die 354 Seiten sind randvoll mit Monstern, die sich in Klos verstecken, durch U-Bahn-Schächte kriechen, unter Betten hausen, in Schränken wohnen, im Tiefgrass lauern, in Bussen reisen, auf Friedhöfen wiedererweckt werden und solche die einfach mal die in der Hölle einen Spazierengehen machen. Das sind sehr viele Monster, das ist unbestritten, doch wie kann eine solch monströse Reizüberflutung überhaupt vom Leser verarbeitet werden?
- 22.10.2009
Riad ist acht Jahre alt, lebt in Syrien und möchte gerne ein cimmerischer Krieger sein, so wie Conan der Barbar. Beim gemeinsamen Pinkeln stellt er fest, dass sein Pimmel anders aussieht als die seiner Cousins. Denn, so wird es ihm erklärt: "Du hast nicht wie wir das Rad der Schmerzen ertragen." Dies soll sich aber bald ändern, denn Riads Vater eröffnet ihm, dass auch er bald beschnitten werden soll. Was so eine Beschneidung genau ist, was dabei passiert und welchen Zweck sie erfüllen soll, erfährt Riad allerdings nicht. Er muss es sich also selbst zusammenreimen.
Der kleine Joachim führt mit seinen Eltern ein Leben voller Idylle.
Die kleine Familie lebt in einem kleinen Häuschen, umgeben von Natur. Die
Geschichte von Drei Schatten spielt in einer nicht näher definierten Welt,
die an Märchen und Volkssagen erinnert. Ihr Ausgangspunkt ist das
Eindringen von drei dunklen Gestalten in das Familienidyll. Joachim
entdeckt eines Tages drei Reiter schemenhaft am Horizont, die langsam
näher kommen und ihm Angst machen. Am ersten Tag verschwinden sie bald
wieder, kehren aber regelmäßig zurück. Schon bald wird klar: Die drei sind
gekommen, um Joachim zu holen.
- 13.09.2008
26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits
etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore,
bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes
Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch
nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel
Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit
Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.
- 09.09.2010
Autor und Zeichner Jeff Lemire entführt uns im ersten Band seiner Trilogie in die tiefste Provinz Kanadas, genauer gesagt nach Essex County. Dort lebt der zehnjährige Waisenjunge Lester nach dem Tod seiner Mutter auf der Farm seines Onkels. Doch die Beziehung zwischen den beiden verläuft nicht gerade optimal. Lester, der stets in Superheldenmontur mit Cape und Maske unterwegs ist, flüchtet sich in Fantasien, um so die Einsamkeit und das Unverständnis des noch fremden Onkels hinter sich zu lassen.
- 18.10.2010