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(Ausstellung)
von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 10. Januar 2013
Der französische Zeichner, Autor und Kolorist in Personalunion, Patrick Prugne, konnte in den letzten Jahren die deutsche Leserschaft schon mit mehreren Alben für sich gewinnen: sowohl Canoe Bay als auch Die Herberge am Ende der Welt (sowie das etwas ältere Fol) wussten die geneigten Betrachter mit ihren Aquarellbildern zu fesseln. Prugnes Sujets waren den breit angelegten Panels, die man für Aquarelle benötigt, damit diese Technik gut wirken kann, auf gelungene Art und Weise angepasst. Canoe Bay spielte in den frühen Siedlungszeiten der USA, also vor der Epoche, die gemeinhin als Western gilt, und Die Herberge am Ende der Welt spielte an einer Küste und wusste mit beeindruckenden Meereseindrücken zu punkten. Man konnte also gespannt sein, wohin Prugne seine Leser diesmal mitnimmt.
Bereits die Ankündigung weckt sowohl Enttäuschung als auch Freude. Denn ebenso wie Canoe Bay spielt Frenchman in den frühen Jahren der USA. Für Fans des ersteren ist das erfreulich, denn sie wissen, was sie erwarten können, aber man kann auch enttäuscht sein, da Frenchman wie eine Kopie daherkommt und sich auf altvertrautem Grund bewegt. Als ob Prugne seinen Erfolg mit einem artverwandten Band sicherstellen wollte. Dass er diese Zeit liebt, wie man anhand des umfangreichen Bonusmaterials mit den detaillierten Studien erkennen kann, ist dabei ein Pluspunkt. Aber leider ist die Story nicht sonderlich überzeugend.
1803 trat Napoleon Bonaparte den Staat Louisiana für sechzehn Millionen Dollar an die USA ab. Ein Konflikt zwischen den Amerikanern und den französischstämmigen Siedlern war vorprogrammiert. Die Handlung des Bandes setzt 1804 ein, als die französische Armee unter per Losentscheid Soldaten rekrutiert. Der junge Alban hat Glück und muss nicht dienen, aber dafür sein Freund, der auch der Verlobte von Albans Schwester ist. Da dieser aber adlig ist, kauft ihn sein Vater frei und denunziert Alban als vermeintlichen Deserteur. Alban wird in den Dienst gepresst, während Louis de Mauge zurückgeschickt wird. Doch Louis ahnt nichts von den Hintergründen. Alban gerät schnell in Schwierigkeiten und flieht mit einem Trapper in die unbekannte Wildnis, verfolgt von Kopfgeldjägern. Louis schließt sich einer Gruppe Banditen an, um Alban möglichst sicher heimbringen zu können, aus Ehrempfinden und weil er es Albans Schwester versprochen hat. In der Wildnis entscheidet sich das Schicksal aller Personen.
Was erhebliches dramatisches Potential in sich birgt und schon fast nach Klassikern wie James Fenimore Cooper (Lederstrumpf) und Alexandre Dumas klingt, wird aber allzu schnell merkwürdig ausgebremst. Zu stark und zu schnell verschleppt Prugne die Story und verliert sich ebenso wie seine Protagonisten in die Weiten des Westens. Das liegt vor allem an seinem hervorragenden Stil der Aquarellmalerei. Wie schon in Canoe Bay schwelgt Prugne und mit ihm auch der Leser in den beeindruckenden Panoramapanels. Sie kommen gut zur Geltung und die Technik korreliert hervorragend mit den Naturansichten. In dieser Hinsicht ist Frenchman ein sehr schöner Band.
Aber leider kann er inhaltlich nicht mit seinen Vorgängern mithalten. Zum einen ist er zwar ein typischer Frühwestern, der die kärgliche Besiedlung, den Rassismus und die Staatenformung mit einer Huldigung an die ungezähmte Natur verbindet, aber zu sehr in den Genrekonventionen verhaftet bleibt, um dem ganzen etwas Neues abgewinnen zu können. Zum anderen liegt der Schwerpunkt zu sehr auf der Optik, die alles beherrscht. Das ist für einen Comic prinzipiell nicht schlecht, aber die Dramaturgie sollte nicht vernachlässigt werden. Man bekommt den Eindruck, dass sich Prugne ab der Hälfte des Bandes nicht mehr für die eigene Geschichte interessierte. Dazu gehört, dass die Figuren zu blass bleiben, um wirklich Identifikationspotential besitzen zu können. Diese Eindimensionalität ist enttäuschend. Und ähnlich wie die Figuren verliert sich die Story in den Weiten Amerikas. Das Ende hängt dann zu sehr in der Luft und der spannende historische Hintergrund kommt ebenso zu kurz wie der Rassismus und die Feindschaft zwischen Amerikanern und Franzosen. Da wäre insgesamt mehr drin gewesen. Und dass Prugne das kann, hat er schon bewiesen. Schade.
Wertung: ![]()
Kurzkritik: Figuren und Story verlieren sich allzu bald in den Weiten Amerikas, da das Hauptaugenmerk irgendwann nur noch auf der hervorragenden Optik liegt.
Frenchman
Splitter Verlag, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Patrick Prugne
Übersetzung: Tanja Krämling
104 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-499-4
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen



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