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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Frauke Sonntag, 12. Juli 2009
Zentrales Thema sind zwölf junge Erwachsene, die telepathische Fähigkeiten besitzen und anscheinend vor sechs Jahren derart Mist gebaut haben, das sich die Welt grundlegend geändert hat.
Das London, das sie bewohnen, ist überflutet und bildet nun den Rahmen für eine postapokalyptische Welt, als deren Beschützer sich unsere Protagonisten sehen - denn niemand weiß, dass sie die Katastrophe zu verantworten haben.
Der Teaser-Text fasst das Szenario so zusammen: "23 years ago, twelve strange children were born in England at exactly the same moment. Six years ago, the world ended. This is the story of what happened next."
Die ersten 24 Episoden, also 144 Seiten, bilden den ersten Band, welcher auch gedruckt über Avatar Press sowohl als Soft- als auch als Hardcover erhältlich ist (der zweite Band ist bereits ebenfalls erhältlich).
Ellis lässt sich Zeit mit der Einführung der Figuren und der Geschichte selber. Nach und nach lernen wir die einzelnen Mitglieder der Gruppe kennen, die dankenswerterweise nicht eindimensional präsentiert werden, sondern des öfteren Haken schlagen und eine unerwartete Seite an ihnen zeigen dürfen. So ergeben sich nicht die typischen Stereotypen (der Intellektuelle, der Sportliche, das Dickerchen, die Sanfte, ...), auch wenn manche Figuren wie zum Beispiel das Großmaul KK oder der frustrierte und damit potenziell gefährliche Luke ganz gut in Schubladen passen - zumindest momentan. Im ersten Band werden übrigens noch nicht alle Hauptfiguren vorgestellt - wer den Nerv hatte mitzuzählen, der freut sich noch auf zwei neue Gesichter.
Mit den telepathischen Fähigkeiten kommt auch eine Art eingebaute Walkie-Talkie-Funktion, so dass sich die Protagonisten, egal wo sie gerade sind, miteinander verständigen können. Eine wirkungsvolle Methode, diese Gedanken abzuschirmen, hat Karl gefunden, der sich einfach eine Kappe aus Aluminium gebastelt hat, was eine Remineszenz an die Tin-Foil-Hat-Theorie ist.
Handlungspotenzial bieten der abtrünnige Mark, der marodierend durch's Hinterland zieht und Menschen so manipuliert, dass sie sich zu den FreakAngels aufmachen, um sie zu erledigen. So geschehen mit Alice, dessen Brüder durch Marks Hand gestorben sind und die sich dafür jetzt rächen will. Auf recht rabiate Art kann sie vom Gegenteil überzeugt werden. Über sie als Vehikel vermittelt Autor Ellis uns Neueinsteigern seine erschaffene Welt nach der Flut.
Eine zweite Gefahr droht durch die Menschen des New Cross Camps, über die man noch nicht viel erfährt. Eins ist klar - Gutes führen sie nicht im Schilde. Am Ende des ersten Bandes von FreakAngels greifen sie die Stadt und deren Bewohner mit Waffen an. Aber auch hier kann Ellis wieder mit ein paar Überraschungen punkten, was die Geschichte trotz des zum Teil langsamen Flusses bis jetzt angenehm unvorhersagbar macht. Offen bleibt bislang auch, was genau überhaupt zu der Katastrophe geführt hat. Und über die Vergangenheit und den Grund für das Anderssein gab es bisher noch nicht mal Andeutungen.
Wie man im entsprechenden Wikipedia-Artikel nachlesen kann, hat sich Ellis für diese Serie übrigens von John Wyndhams Buch The Midwich Cuckoos (verfilmt als Village of the Damned) inspirieren lassen.
Die Warnung auf der Website, dass FreakAngels nur für eine erwachsene Leserschaft gedacht ist, ist berechtigt. Neben der hohen Quote von Schimpfwörtern, deren Einsatz sich mir außer zum Selbstzweck nicht immer erschließt, gibt es im hinteren Teil des ersten Bandes einige deutliche Gewaltszenen. Leider ist es aber wie bei vielen Comics, die für den US-Markt produziert sind, wieder so, dass "recommended for mature audiences" um Gottes willen nicht heißt, dass irgendwas Logisches gezeigt wird, was unbedeckte menschliche Körper angeht. Denn obwohl das Thema Sex gerne und ausführlich in FreakAngels diskutiert wird, werden natürlich alle kritischen Körperstellen züchtig bedeckt. Und selbst eine Protagonistin, die offensichtlich den ganzen Tag nichts anderes macht, als sich im Bett mit einem Dutzend anderer Damen- und Herrschaften zu vergnügen, hat auf jedem Bild Unterwäsche an. Also wie immer: blutige Gewalt ja, harmlose nackte Körper nein.
Die Website selber ist gut und angenehm einfach gestaltet, in einem dazugehörigen Forum lockt die direkte Diskussion. Die Folgen können nacheinander gelesen oder auch direkt angewählt werden, was bei aktuell 61 Folgen sehr praktisch ist. Ab und zu gibt es eine Unterbrechung der Comicseiten im wöchentlichen Rhythmus, in der Warren Ellis ein wenig erzählt.
Ein interessantes Experiment also, das hervorragend zu der gerade aktuellen Debatte "Machen kostenlose Webcomics den Markt kaputt?" passt. Dass dies nicht so sein muss, zeigt das Beispiel FreakAngels (Aussage Avatar Press zum Start der ersten Printausgabe: "All versions of the HC are available to order direct. All the copies sent to comic stores are selling blindingly fast, so they may not be available for long.") Nicht nur der Comic im Print, sondern auch Merchandise-Produkte tragen ihren Anteil zur Finanzierung bei.
Avatar Press-Gründer William Christensen zu dem Thema "FreakAngels als frei zugänglicher Webcomic": "There are some obvious benefits, like reaching a wider audience, and getting instant feedback. It also gives Warren a chance to play with a weekly format-which is a pace he's said he'd like to explore. And the opportunity for a community to form around the work is one of the key things that is happening here."
Abgesehen vom albernen Titel "FreakAngels" ist die Serie nach meinem Geschmack. Etwas behäbig, aber gleichzeitig spannend und nachvollziehbar genug, so dass ich mich gleich daran mache, den nächsten Band online zu lesen. Und ich schließe nicht aus, mir die Comics zu kaufen, um sie in der Hand zu haben. Dazu werde ich jetzt aber erstmal schauen, wie es weitergeht. Leider gibt es keine Extras im Print, dies halte ich als zusätzlichen Kaufanreiz generell für sinnvoll (wie es z.B. Nina Ruzicka bei Der Tod und das Mädchen erfolgreich durchführt).
FreakAngels 1 (US)
Avatar Press, November 2008
Text: Warren Ellis
Zeichnungen: Paul Duffield
kostenlos auf der Website freakangels.com zu lesen, hier startet der Comic
gedruckt: 144 Seiten, farbig, Hard- und Softcover; SC: 19,99 USD, HC: 27,99 USD

Softcover:
Hardcover:
Bilder aus FreakAngels © Warren Ellis und Paul Duffield
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Lange musste man hierzulande auf die Veröffentlichung der
US-Kultreihe The Goon
warten, nun liegt der erste Sammelband der
bereits fünffach
mit dem Eisner Award ausgezeichneten Serie auf Deutsch und in
gewohnter Cross Cult-Aufmachung im A5-Hardcover vor.
DOPPELREZENSION
Graphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint
ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics
für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht
gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics
Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der
Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen
Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien
und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der
gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash.
- 14.02.2010
Gerade erst startete der dritte
Predator-Streifen in den deutschen Kinos, schon gibt es bereits
die "offizielle
Vorgeschichte" exklusiv in Comicform. Eine in den letzten Monaten und
Jahren
bei US-Verlagen beliebte Praxis, wie auch ein Rückblick auf die die
ebenfalls
hierzulande veröffentlichten Comicprologe zu den Filmen Star Trek,
28 Days Later oder The Hills Have Eyes beweist.
Im Gegensatz zu den aufgezählten
Beispielen versucht der zweigeteilte Predators-Prolog nicht,
krampfhaft die
filmische Kontinuität mit wichtigen Fakten zu erweitern oder
auszuschmücken.
- 02.08.2010
Kakerlaken sind eklig. Aber auch interessant. Das
Cover von Exterminators ist jedenfalls ein Blickfang. Zu sehen ist eine
Kakerlake in voller Pracht, wie sie Beine und Fühler ausstreckt. Sowas
möchte niemand in seiner Küche haben. Zum Glück gibt es die tapfere
Truppe von "Bug-Bee-Gone". Die Kammerjäger ziehen jeden Tag aufs Neue
aus, um die Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Denn das Chaos
ist auf dem Vormarsch. Und es ist hungrig.
- 27.06.2008