JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Daniel Wüllner Montag, 30. August 2010


Die Jungfrau im Freudenhaus"Rühr mich nicht an" bellt es immer wieder aus der Kehle der unschuldigen Blanche, während sie mit der Reitpeitsche auf ihre Verehrer einprügelt. Mit diesem Mantra als Titel, Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An, legen Hubert und das Künstler-Duo Kerascoët die ersten beiden (in sich abgeschlossenen) Bände eines erotischen Krimis vor, der gleichzeitig ein Sittenpanorama der wilden Dreißiger in Paris zeichnet.

Die züchtige Blanche verliert durch ein Gewaltverbrechen ihre Schwester Agathe und dringt in eine Welt voller Intrigen und schmutziger Fantasien ein, um den Mord aufzuklären. Vielleicht nicht ganz so bemüht postfeministisch wie Tardis Heldin Adèle Blanc-Sec, widersteht die Protagonistin ihren Freiern und behält auch in prekären Lagen immer ihre Würde: "Ich erlaube Ihnen nicht, mich anzufassen."

Die Avancen der geifernden Männer und die konstante Ablehnung wirken dabei nie redundant. Noch bevor es zum eigentlichen Akt kommen kann, nutzen die Künstler die ganze Palette von Gestik und Mimik, um die Situationen zu deeskalieren, ohne ihnen dabei ihre Spannung zu nehmen. Allein Blanches Augen werden zu neugierigen Scheinwerfern, mit denen sie auch die Entdeckungslust einer Miss Marple bei Weitem übertrifft.

Ein erotischer KrimiDie Marschroute für diesen erotischen Krimi verhält sich genrekonform. Das ausgeklügelte Spiel aus Verdächtigungen und Anschuldigungen wird ausschließlich von den gewitzten Dialogen getragen, die gerade genug Informationen bieten, um den Leser bei der Stange zu halten. Nur für die Einleitung und den Epilog bedient sich Hubert kurzer, erläuternder Captions, die aber stets, wie es sich für einen guten Krimi gehört, nur die eingeschränkte Sicht von Blanche widerspiegeln.

Eine schnelle Abfolge von relativ kleinen Panels kommt dem Genre Krimi entgegen. Die Handlung wird zügig vorangetrieben und wird immer wieder dann verlangsamt, wenn sie sich zu überschlagen droht. Die Geschwindigkeitswechsel der Erzählung werden durch den Kontrast von dunklen, abgründigen Nacht- und Kellerszenen und hellerleuchteten Zimmern des Nobelbordells Pampadour verstärkt.

Rasche PanelabfolgeSzenarist Hubert, der auch für die kontrastreiche Kolorierung verantwortlich ist, und das Künstlerduo Kerascoët (Jenseits mit Fabien Vehlmann) beweisen, dass die Form des französischen Albums mit seinem starren 48-Seiten-Format noch lange nicht ausgeschöpft ist. In der deutschen Veröffentlichung musste das Hardcover einem Softcover weichen, was der Publikation aber keinen Abbruch tut. Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-an bietet den perfekten Rahmen für eine Geschichte voller Spannung und Erotik.


Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An
Reprodukt, Juni 2010
Text: Hubert
Zeichnungen:
Kerascoët
Übersetzung: Kai Wilksen
48 Seiten, farbig, Softcover,  je 12,00 Euro

Gut!

Ein frivol anrüchiges und spannendes Sittenbild vom Paris 30er Jahre, das sich nicht zieren muss und ruhig angerührt werden kann

Band 1: Die Jungfrau im Freudenhaus
ISBN: 978-3-941099-43-2
Leseprobe 

Jetzt bei Comic Combo 
anschauen und bestellen! Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Band 2: Blut an den Händen
ISBN:
978-3-941099-44-9
Leseprobe

Jetzt bei Comic Combo 
anschauen und bestellen! Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Kerascoët, Reprodukt



Trackback(0)
Kommentare (2)Add Comment
0
...
geschrieben von Michael, am 01. September 2010 um 12.17 Uhr
Schöne und treffende Rezi. Einzig die Formulierung: "dass die Form des französischen Albums mit seinem starren 48-Seiten-Format..." finde ich fragwürdig, wenn nicht gar überflüssig.
Zum einen: Was ist der Unterschied zum US-Heft mit seinen "starren" 22-Seiten-Format? Und zum anderen gibt es reichlich französische Alben (und Graphic Novels) die völlig andere Seitenzahlen haben - man schaue nur mal ins Programm von Splitter & Konsorten.
daniel
...
geschrieben von daniel, am 01. September 2010 um 17.32 Uhr
Lieber Michael,

erst einmal vielen Dank für das Lob. Natürlich hast du Recht, wenn du schreibst, dass es sowohl andere starre Formate wie das amerikanische comic book gibt. Wenn ich einen US-Heft entdecke, dass die Form so ausnutzt und darüber hinausgeht, werde ich das wohl auch schreiben.

Ein Blick zu unseren französischen Nachbarn zeigt auch die komplette Bandbreite an verschiedensten Comicformaten. Aber ich ging in meiner Rezension davon aus, dass sich franco-belgische Comicschaffende, wie die Künstler der L'Association (Trondheim, David B. und Co.), vom klassischen (dieser Begriff hat wohl gefehlt) Album abgewandt haben, um neue Formate auszuprobieren. Aus diesem Grund wollte ich mit dem letzten Satz ausdrücken, dass wir die Renaissance einer bestimmten Form erleben, wie auch schön an den Alben von Manu Larcenet zu sehen.

Liebe Grüße,
Daniel

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Auto-Bio
    teaser_autobio.jpgCyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko. Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als Öko gestoßen ist. - 27.07.2009
  • Der Geschmack von Chlor
     26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore, bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück. - 09.09.2010
  • Unterwegs mit Samuel
     Nimm Alles an / Bleib in Bewegung / Keine Angst / Keine Erwartungen / Bleib rein / Pass auf dich auf.
    Mit dieser kryptischen Botschaft entlässt Tommi Musturi seine Leser aus seinem ansonsten völlig stummen Werk. Es sind Sätze die irgendwie hypnotisch wirken, nicht nur wegen der quietschbunten Farbkombination (die hier möglichst originalgetreu wiedergegeben wurde), sondern auch aufgrund des vorangehenden Inhalts von Unterwegs mit Samuel. - 12.04.2010
  • Maria und ich

     Ich muss zugeben, dass mich beim Schreiben dieser Zeilen das schlechte Gewissen plagt. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass negative Kritik an einem sehr persönlichen Buch, welches von einem Familienmitglied des Autors handelt, zu üben, bei mir irgendwie Unbehagen auslöst. In Maria und ich beschreibt Miguel Gallardo in Worten und Bildern die Verbindung zu seiner autistischen Tochter Maria. Vom Gefühl her steht Gallardos Werk damit in einer Reihe mit vergleichbaren Comics wie Die Heilige Krankhei“ (David B. erzählt von der Epilepsie seines Bruders) oder Mutter hat Krebs von Brian Fies, in denen Künstler ebenfalls die Krankheit eines geliebten Menschen thematisieren.

    - 19.06.2010
  • Smoke City 2

    Auch im zweiten, abschließenden Band bleibt Smoke City eine klassische Heist-Story. Der Coup, eine wertvolle Mumie aus einem Museum zu rauben, war im ersten Band zwar geglückt, jedoch sorgte aber der Verrat eines Bandenmitglieds dafür, dass die Gang gefasst wurde. Doch die Polizei ist viel mehr an deren Auftraggeber interessiert und bietet den Gangstern einen Deal an. Der Gegner aber ist nicht zu unterschätzen und die gestohlene Mumie spielt dabei eine wesentliche Rolle.

     

    - 08.12.2011