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von Benjamin Vogt Mittwoch, 08. Dezember 2010

Da hab ich mich gerade noch in der Rezension zu Ehapas Missi Dominici an der klischeehaften Verwendung von Kindern zur Erfüllung alter Prophezeiungen und zur Rettung des Landes gestört, da setzt uns das Kreativteam Christophe Bec und Iko in ihrer neuen Serie Finsternis mit dem kleinen Ioen gleich das nächste Messias-Kind vor. Trotzdem sollte man hier ein Auge zudrücken, denn ansonsten ist der erste der erste Band der Reihe wirklich beeindruckend.

Christophe Bec, produktiver Autor von Serien wie Carthago, Heiligtum oder Prometheus (alle ebenfalls bei Splitter erschienen) entwarf für Finsternis eine klassisches Fantasyszenario: Ein Feuerhagel prasselte eines Tages nieder und ließ aus dem heißen Lavaboden gigantische Drachenwesen gebären. Diese bedrohen hundert Jahre später das Reich von König Kirgräd und er beschließt, die Drachen auszurotten, bevor diese ihm zuvor kommen. Hoffnung erhält Kirgräd trotz einiger Fehlschläge durch die uralte Prophezeiung, laut derer seinem Volk im jeden Jahrhundert ein auserwählter Krieger zur Seite steht.

Parallel entpuppt sich in einem fernen Dorf ein kleiner blonde Junge, Ioen, als sensationeller Speerwerfer und als unempfindlich gegen Feuer. Wer eins und eins zusammenzählt, der könnte natürlich mutmaßen, dass Ioen sich in den weiteren Bänden als perfekte Waffe gegen die Drachen empfiehlt. Aber ist er wirklich der Auserwählte? Und wieso besitzt er übernatürliche Kräfte?

Das (Fantasy-) Rad wird in Finsternis zwar nicht gerade neu erfunden, aber das Genre wird wirklich grafisch und dramaturgisch grandios bedient. Die ausdrucksstarken Bilder von Iko, dessen erste Serie dies ist, sind sehr detailliert und schmücken die Fantasywelt weitschweifend aus. Zudem ist der Comic trotz des Titels gar nicht so finster umgesetzt, oder zumindest in weiten Teilen nicht. Vielmehr passt sich der Zeichner dem jeweiligen Szenario farblich an und zieht den Leser mit Burgen, Eislandschaften oder Lavahöhlen sofort in den Bann. Mit seinem einprägsamen Stil schafft es Iko auch spielend, die Spannung der Handlung einzufangen, etwa, wenn die riesigen Drachen die Menschenarmee angreifen.

Freilich weckt das in Finsternis ausgebreitete Königreich Assoziationen an Der Herr der Ringe und die Bruthöhle (?) der Drachen erinnert an das Design von Gigers Aliens (was sich zuerst wie eine seltsame Kombination anhören mag), aber das macht das erste Album der Serie nicht minder faszinierend.

 

Ein außerordentlicher Fantasycomic, der sich deutlich von anderen Genrevertretern absetzt

Wertung: 7 von 10 Punkten

 

Finsternis 1: Ioen
Splitter Verlag, November 2010

Text: Christophe Bec
Zeichnungen: Iko
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-200-6

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Abbildungen der dt. Ausgabe: © Splitter Verlag



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