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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Samstag, 22. November 2008
In einer düsteren Zukunftsgesellschaft lebt und arbeitet der
exzentrische Sir Crumpett's in seiner großen Kathedrale. Es ist die vielleicht
letzte Bastion eines kunstfertigen Handwerks, das die ungezügelte und brutale
Welt außerhalb der Kathedrale auch Jahrhunderte nach dem Gelobten Jahr
überdauert. Denn Crumpett's ist ein Automatenbauer, das heißt er fertigt märchenhafte
Wesen - halb Puppe, halb Roboter - an und erweckt sie zum Leben. Seit 60 Jahren
treibt ihn das Bestreben an, der Welt jenen verlorengegangenen, reinen Zustand
der Magie wiederzugeben, den er in den möglichen Feenaugen seiner Automaten vermutet.
Aber auch sein neuester Versuch, die Erschaffung eines Jungen namens Jam, ist eine Enttäuschung und er bleibt verzweifelt auf der Suche nach den Feenaugen. Doch Jam ist anders als Crumpett's andere Geschöpfe, er hinterfragt die Dinge und findet schließlich selbst den vermissten Zauber in den Augen einer leblosen, unfertigen Fee. Aber noch bevor die Fee schließlich fertig gestellt werden kann, wird die Kathedrale von den Menschen angegriffen; eine brutale Bande, die die Festung stürmt und den Bewohnern nur die Möglichkeit zur Flucht lässt. In Kälteschlaf versetzt überleben Jam und die Fee den Angriff, aber es bedeutet auch die Trennung der beiden für eine sehr lange Zeit.
Schon vor einiger Zeit wurde der erste Teil von Fee
veröffentlicht, damals noch im alten Splitter-Verlag, jetzt ist also die
Gesamtausgabe dieser Fantasy-Saga erschienen, in der alle drei Alben in einem
Band versammelt sind. Gerade angesichts der epochalen und zum Teil auch
verwirrenden Handlung ist diese Form der Veröffentlichung ein Gewinn, denn so
kann der Leser die komplette Story nahtlos am Stück verfolgen.
Es ist zweifellos das ungewöhnliche Setting von Szenarist Téhy, das diese Erzählung bemerkenswert macht. In der futuristischen Metropole Carlotta spielend, bekommt man direkt einen Gesellschafts- und später einen politischen Konflikt vorgesetzt, ohne die genauen Hintergründe zu kennen. Die Automaten nehmen dabei eine bedeutende Rolle ein, repräsentieren sie doch sowas wie Fantasie und Magie, gegen die sich die drumherum lebenden Menschen auflehnen. Später in der Geschichte, unter dem Herrscher Gunter Myake, nehmen Automaten vornehmlich ihren Platz als Konkubinen und Ausstellungsstücke ein. Ein Schicksal, in das auch die titelgebende Fee geraten ist. Jams Obsession zur Befreiung seiner geliebten Fee zieht sich durch den gesamten Comic. In der Handlung öfter mal springend, lässt Téhy das Leben von Jam vor dem Hintergrund einer sich im Verfall befindenden Welt ablaufen. Wichtigstes Element bleibt dabei stets die Liebe zwischen Jam und der mundlosen Fee. Das macht die Story mitunter auch sehr pathetisch, vielleicht sogar zu pathetisch. Im Grunde bleibt es für den Leser eine nicht ganz nachzuvollziehende Zuneigung zwischen zwei Automaten, die eher abstrakt begriffen werden sollte, ist doch Jam sozusagen ein rebellierendes künstliches Wesen unter der Masse brutaler Menschen und die Fee eine Symbolik für alles Reine, Unschuldige, für die Magie der alten Welt, die Zeit des Gelobten Jahres.
Beatrice Tillier (die im dritten Teil durch Frank Leclercq abgelöst wird) setzt Téhys unterhaltsames und durchdachtes
Szenario in recht passender Atmosphäre um, die zum einen die Romanze in hellen,
freundlichen Farben stilisiert, aber die auch raue Realität als einen Gegensatz
optisch festzumachen weiß.
Fee ist eine einfallsreiche apokalyptische Lovestory. Die Gegensätze eines nicht alltäglichen Settings machen den Band zu einer Kaufempfehlung.
Fee - Die Trilogie
Text: Téhy
Zeichnungen: Béatrice Tillier, Frank Leclercq
Splitter, November 2008
Hardcover; farbig; Überformat; 160 Seiten; 29,80 Euro
ISBN: 978-3-939823-89-6
Bildquelle: splitter-verlag.de















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Jamie S. Rich war fünf Jahre lang Chefredakteur bei Oni Press, einem
kleinen aber sehr feinen Independent-Comicverlag, und hatte zuvor auch
als Redakteur bei Dark Horse und anderen US-Verlagen gearbeitet.
Gelegentlich tritt er auch als Autor in Erscheinung. Der erste seiner
Comics, der auf deutsch erscheint, ist 12 Gründe, dich zu lieben.
Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich um eine romantische
Liebesgeschichte. Wer aber eine kitschige Schnulze erwartet, liegt weit
daneben ...
- 18.12.2008
Eines muss man sich hier direkt staunend vor Augen halten: Annas Paradies ist die erste Serie von Daniel Schreiber. Ursprünglich war die Geschichte als Film geplant. Als Schreiber aber neue Ideen kamen, arbeitete er das Drehbuch in ein Comicskript um und realisierte so seine erste Serie. Gänzlich unerfahren ist der Autor im graphischen Bereich nicht, da er schließlich schon seit 15 Jahren als Illustrator arbeitet. Aber in dieser engen Text-/Bildkombination, wie es in einem Comic nun mal der Fall ist, hatte er bislang noch nicht gearbeitet.
Auf dem Frontcover der Rücken eines Mannes, auf dem ein weinender Jesus am Kreuz martialisch eingeritzt wurde, auf dem Backcover eine kleine Skizze, die einen Priester zeigt, der einem gebückten Kind sein Glied entgegenstreckt. Keine Frage, das neueste Comicalbum von Matthias Schultheiss ist nichts für zarte Gemüter. Einige Menschen würden es gar als geschmacklos bezeichnen, denn was der deutsche Ausnahmekünstler hier vorlegt, geht weit über sanfte Kirchenkritik hinaus. Schultheiss zündet nichts weniger ein blasphemisches Feuerwerk.
Schon der erste Band der neuen Westernserie Wanted suchte sich deutlich einen Weg durch die vielen Genrevorläufer und streifte dabei prominente Vertreter wie etwa Leutnant Blueberry und Durango. Inhaltlich blieb es zunächst überschaubar: Der Kopfgeldjäger Wanted verbündet sich mit dem Halbblut Yaqui Jed, um die Mörder von dessen Familie zu finden. Diese, die Brüder Bull, haben sich mittlerweile zerstreut und am Ende konnten die beiden Jäger nur zwei der Brüder stellen.
Eines Nachts klingelt Raphaels Telefon. Sein Freund Leo hat eine Panne und er möchte nun, dass Raphael ihm zu Hilfe eilt. Mehr schlecht als recht lässt sich dieser schließlich von seiner Freundin überzeugen, seinen Kumpel nicht im Stich zu lassen. An Leos stehendem Auto, mitten auf einer Landstraße, angekommen, erwartet den missmutigen Raphael jedoch eine Überraschung, mit der er niemals gerechnet hätte.