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von Andreas Völlinger Montag, 14. Februar 2011
Ein von Anfang an wichtiger Aspekt der Comicabenteuer der Fantastischen Vier ist etwas, was im Englischsprachigen als Sense of Wonder bezeichnet wird – vielleicht annähernd übersetzbar mit dem Staunen über und der Erkenntnis von neuen, völlig unerwarteten Gegebenheiten und Möglichkeiten. Nach 569 US-Ausgaben voller Zeit- und Dimensionsreisen, Invasionen aus dem Weltall wie aus der Negativzone und bizarren Erfindungen und Experimenten könnte man leicht annehmen, dass hier nur noch Ideen-Recycling geboten wird.
Mit seinem Dreiteiler "Die Lösung aller Probleme" beweist der frischgebackene ständige Serienautor Jonathan Hickman jedoch, dass man durchaus noch Konzepte zum Staunen aus dem Hut zaubern kann. Das von ihm in Fantastic Four: Dark Reign erstmals vorgeführte Konzept eines künstlichen Portals, mit dem Reed Richards alle möglichen Realitäten bereisen kann und in Folge auf eine Gruppe aus verschiedenen Versionen seiner selbst trifft, führt der Autor hier kreativ fort. Dass das übrige FV-Team ziemlich in den Hintergrund gerät, sei verziehen angesichts der mehr als originellen Idee einer inter-realitären Koalition übergenialer Superhirne, die zusammen "alle Probleme lösen" wollen.
Umgesetzt wurde das Ganze zu meinem leichten Bedauern nicht vom gegenwärtigen Coverkünstler, dem fantastischen Alan Davis, sondern von Dale Eaglesham, den man am ehesten von seiner Arbeit an DC-Titeln wie Batman, Green Lantern und Justice Society of America kennt. Obwohl sein Mr. Fantastic eine ganze Spur zu muskelbepackt und helden-generisch rüber kommt, erweist sich Eaglesham dennoch als gute Künstlerwahl. Ohne im Geringsten antiquiert zu wirken, umweht seine ansehnlichen Zeichnungen von exotischen Maschinerien und Orten jenseits aller naturwissenschaftlichen Regeln eine Menge kirby-esker Charme.
Nach diesem inhaltlich wie grafisch viel versprechenden Start geht es in der zweiten Hälfte des Sammelbands dann überraschend steil bergab mit der Qualität: Die folgende Geschichte um die künstliche Erde-2 ist ohne die Kenntnis von Mark Millars entsprechenden FV-Storys kaum verständlich, der Plot wirkt lieblos hingeschludert und eine in dieser Serie völlig deplatziert wirkende, überzogene Gewaltszene macht es auch nicht besser. Am Zeichentisch ist für Eaglesham hier ein britischer Kollege namens Neil Edwards eingesprungen, der dem Ganzen dann den visuellen Rest gibt. Es ist erstaunlich, dass man bei einem Verlagsgiganten wie Marvel nicht in der Lage ist, für die am längsten laufende Team-Serie einen vernünftigen Ersatzzeichner zu finden. Wird dafür so schlecht gezahlt oder war die Zeit in diesem Fall einfach zu knapp für eine bessere Alternative? Edwards' Zeichnungen strotzen vor misslungenen, debil grinsenden Fratzen-Gesichtern und befremdlichen Posen und verhageln einem dann auch in der abschließenden, eigentlich netten Geschichte um Franklin Richards' Geburtstag vollends das Lesevergnügen.
Statt des erwarteten Jubeldebüts des neuen Kreativteams ist Fantastic Four 6 somit ein qualitativ merkwürdig zwiespältiger Comicband geworden.
Wertung: ![]()
Origineller Dreiteiler zum Auftakt, gefolgt von zwei ziemlich unterdurchschnittlichen Geschichten
Fantastic Four 6 - Die Lösung aller Probleme
Panini Comics, Dezember 2010
Text: Jonathan Hickman
Zeichnungen: Dale Eaglesham, Neil Edwards
124 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,95 Euro
Abbildungen © Marvel , der dt. Ausgabe: Panini















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Rezensionen



Der Autor J.M. Straczynski (Babylon 5) und der Zeichner Gary Frank hatten mit ihrem zwölfteiligen Mystery-Comic Midnight Nation (dt. im Infinity-Verlag) hervorragende Arbeit geleistet. Frank ist seitdem auf meiner persönlichen Lieblingszeichnerliste ganz weit oben.
Ed Brubaker ist momentan sicher einer der omipräsentesten
Comicautoren auf dem deutschen Markt. Brubaker, der gerade zum zweiten Mal in
Folge den Eisner-Award als bester Autor erhielt, ist sowohl bei klassischen
Marvel-Helden wie Captain America, Daredevil oder den X-Men (auf Deutsch alle bei Panini), aber
auch für die creator-owned-Serie Criminal zuständig, deren erster Band
ebenfalls auf Deutsch bei Panini vorliegt. Der gerade erschienene One-Shot Point
Blank, der quasi ein Prolog zur Reihe Sleeper (deutsch bei Cross Cult) darstellt, zeigt Brubakers
Einstieg ins Wildstorm-Universum von DC.
Die Macher dieses Undergroundcomics dürften manchen Lesern vielleicht von der Internetseite myComics bekannt sein. Auch in der zugehörigen gedruckten Comicanthologie waren Steff Murschetz und Elbe-Billy mit einigen Geschichten vertreten, und diese gehörten mit zu den besten in dem Band. Beide sind jedenfalls recht rührig in der Undergroundszene unterwegs. Der unheimliche Kakerlak fristete sein Schabendasein bislang im Internet und nahm an einem Wettbewerb teil, wo er den Publikumspreis gewinnen konnte. Jetzt liegt zum ersten Mal auch ein gedruckter Comic mit diesem ungewöhnlichen, nunja, Helden vor.
Oliver Queen und Dinah Lance, der grün gewandete Bogenschütze mit der linksliberalen Attitüde und die Netzstrumpf tragende Nahkampfexpertin mit dem Sonarschrei, gehören zu den langlebigsten Paarungen im Superheldengenre. Aber wir reden hier nicht von einer braven Bindung a la Reed und Susan Richards. Black Canary und Green Arrow sind eher Liz Taylor und Richard Burton des Superheldengenres mit ihrer ziemlich wilden, unstetigen Beziehungskiste inklusive Affären, Tod und Wiedererweckung eines Partners und wiederholter Trennung. Ob die Ehe da die beste Idee ist, bezweifelt dementsprechend nicht nur der Leser, sondern auch Black Canary selbst, nachdem sie von ihrem zielsicheren Verehrer mit einem Heiratsantrag überrascht wurde.
- 06.10.2008