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(Vortrag/Diskussion)
von Frauke Sonntag, 15. Juni 2008
Verspricht spaßig zu werden, oder?
Genau das haben sich die Jungs des Berliner Fußpilz-Comicmagazins auch gedacht und ihr zweijähriges Epidermophytie-Zölibat pünktlich zum Comic-Salon 2008 gebrochen.
Sieben Filme, größtenteils aus den umtriebigen 70ern mit so schönen Titeln wie "Geh, zieh Dein Dirndl aus!" oder "Ach, jodel mir noch einen!", mussten also dran glauben. Und wenn eins nicht passiert ist, dann das, dass da ein simples Pornoheftchen draus geworden ist. Auf - jeweils - sechs Seiten passt 'ne Menge Handlung, und das wurde reichlich ausgenutzt. Direkt drei Beiträge sind Science-Fiction-mäßig angehaucht, in anderen erhält man Einblicke in das Pornofilmgeschäft, in dem alles auf Knopfdruck funktionieren muss.
Auch einen Krimi hat die Mannschaft im Angebot - Andreas Hartung gibt dem Begriff "Eierschneider" eine ganz neue Bedeutung. Seine Adaption von "Verlorene Eier oder Sex-Wahn in der Psychatrie" ist, wie man nun vielleicht schon erraten hat, eine etwas unappetitliche Angelegenheit und hat mit Erotik nicht wirklich mehr was zu tun. Hatte aber der Originalfilm vielleicht auch schon nicht.
Der stimmigste Beitrag mit dem doppeldeutigen Titel "22 cm oder einige Erlebnisse des stellungssuchenden Gerd M." stammt von Alex Gellner, der hier durchaus eine richtige Geschichte zu erzählen weiß über einen Kerl, der als Darsteller in Pornofilmchen seine Haushaltskasse aufbessern will, vor der Kamera dann aber doch seine Probleme bekommt.
Und durch Usi B. Fitzenreiters Adaption von "Making Of Karate, Küsse, Blonde Katzen" erweitert der Leser sogar seine Allgemeinbildung - er erfährt, wie die Fließbandproduktion von Filmen in Hongkong in riesigen Studiohallen in den Siebzigern ablief.
Auch fein: Von Karsten Schreurs bekommt man endlich mal wieder was in der Comicabteilung zu sehen - von ihm stammt das Cover.
Es gibt allerdings zwei Knackpunkte bei dieser außergewöhnlichen Zusammenstellung:
1.) Einige Beiträge haben Probleme mit der Pointe oder zumindest einem runden Schluss. Während die Handlungen selber ordentlich rübergebracht werden, schwächeln sie auf der Zielgerade und lassen den Leser ... unbefriedigt zurück.
2.) Den eigentlichen Reiz zieht das Magazin aus der Umsetzung eines unbekannten Pornofilms bzw. dem, was in den Köpfen der Künstler vor sich geht. Dadurch, dass die Handlungszusammenfassungen, auf denen die Comicseiten basieren, dem Leser nicht zugänglich gemacht werden, verpufft der ganze Effekt. Man würde gerne mitverfolgen, von welchen Vorlagen aus die Texter und Zeichner ausgegangen sind und ob man selber ganz anders rangegangen wäre. Vielleicht gab es rechtliche Probleme, die Texte aus dem Buch "Das etwas humorvolle Lexikon des deutschen Erotikfilms" abdrucken zu dürfen, anders kann ich mir dieses verschenkte Potenzial nicht erklären. Denn Epidermophytie 14 ist ansonsten liebevoll cinephil gestaltet - die Innenseiten des Umschlags stellen in schönen Kinoheadlinern die Vorlagen und Adaptionen mit Jahr, Land, Regisseur Alternativtiteln ("Make them Yodel Baby", "Stroßtrupp Venus bläst zum Angriff" etc.) und Texter/Zeichner/Website vor. Ungünstig aber, die eigentliche Idee, auf der das Magazin basiert, ans Ende zu stellen. Mir war vor dem Lesen klar, worum es ging, weil AHA es mir auf dem Comic-Salon erklärt hatte, deswegen hatte ich meinen Spaß damit. Jeder andere, der ins kalte Wasser geworfen wird und nicht zuerst auf die letzte Seite geschaut hat, ist beim Lesen sicherlich verwirrt, was das eigentlich soll; der Dreh- und Angelpunkt fehlt dann erstmal.
Fazit: Eine tolle, ungewöhnlich Idee wird auf unterschiedlichem, aber immer unterhaltsamem Niveau von diversen Textern und Zeichnern umgesetzt. Der Spaß ist der Sammlung spürbar anzumerken. Die breite Stilvielfalt von einfachen, großformatigen Schwarzflächen (Fourbaux, "Sumuru oder Die Insel der toten Männer") bis hin zu filigranen Tuschezeichnungen mit aufwendigem Lettering und ungewöhnlichen Paneleinrahmungen (Kenichi Kusano, "Das Frauenhaus") grenzt die einzelnen Beiträge voneinander gut ab, stört aber nicht den Gesamteindruck. Das kinomäßige Layout verschafft einen sympathischen Start, die - vielleicht gewzungenermaßen - inkonsequente Gestaltung lässt allerdings das Konzept auf der Zielgeraden absaufen und vergibt dadurch die Möglichkeit, dass das hier richtig groß hätte sein können. Allein die originelle Idee dahinter macht aber auch schon einen Riesenspaß.
Epidermophytie 14
Epidermophytie, Mai 2008
Sieben Adaptionen nach Stefan Rechmeiers Buch "Das etwas humorvolle Lexikon des deutschen Erotikfilms"
von Andreas Hartung, Fourbaux, Usi B. Fitzenreiter, Jakob Mebes, Rolf Nölte, Kenichi Kusano und Alexander Gellner
44 Seiten, s/w, Softcover; 5,- Euro
PDF-Teaser

Bilder © Karsten Schreurs (Cover), Ralf Nölte (Beispielseite) sowie Epidermophytie
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Die lebenden Toten, besser bekannt als "Zombies", sind zur Zeit ein höchst populäres Thema, mit dem sich etliche Comicserien befassen. Dass die fleischhungrigen Wesen mit dem ungesunden Teint auch auf deutschem Boden ihr Unwesen treiben, ist allerdings neu. Eine massive Zombie-Epidemie sähe hierzulande sicher anders aus als etwa in den USA, zum Beispiel weil bei uns viel weniger Menschen eine Schusswaffe im Kofferraum oder im Nachttisch liegen haben.
- 20.10.2010
Eines vorweg: Affentheater ist einer der
unkonventionellsten aber brillantesten Comicbände der jüngsten Vergangenheit.
Und er ist vor allem eines: Geschmackssache. Mir jedenfalls hat er extrem viel
Spaß gemacht, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich unbedingt selbst ein
Bild zu verschaffen.
- 01.07.2009
Nachdem Band 1 und 2 der Indie-Krimiserie um einen mit ganz speziellen Geschmacksfähigkeiten "gesegneten" Sonderermittler der US-Lebensmittelaufsicht FDA so rundum überzeugen konnten, machten sich vor Band 3 leichte Zweifel beim Rezensenten bemerkbar. Würde Autor John Layman das hohe Erzählniveau halten können, das er für die ersten Folgen etabliert hatte? Würde die Geschichte nach dem (gefühlten) vorläufigen Höhepunkt auf der Südseeinsel Yamapalü in Band 2 merklich an Fahrt verlieren? Könnte bereits der Zeitpunkt erreicht sein, an dem das Konzept langweilig wird?
Mit Schnecksnyder und Mechaniko bringt der noch junge Independent-Verlag Skydog gleich zwei unterschiedliche Serien parallel an den Start. Die Comics stammen hauptverantwortlich aus der Feder des geborenen Franzosen Yves Ker Ambrun (YKA), der in Sachen Comics kein unbeschriebenes Blatt ist. Nach Stationen in den USA und Kanada zeichnete er in den 90ern als Chefzeichner für Disney in Deutschland verantwortlich. Seit einigen Jahren lebt er nun in Darmstadt und hat nach seiner Disney-Zeit das Skydog-Studio ins Leben gerufen, aus welchem schließlich der gleichnamige Verlag resultiert.