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von Benjamin Vogt Dienstag, 13. Juli 2010


 Im Jahr 1966 kündigt der junge Künstler Hamaguchi seinen Job in einer Textilfabrik, zieht nach Tokio und und wird einer der Assistenten des renommierten Mangakas Kondo. Doch auch im Atelier des Sensei ist die Arbeit für einen Mangaverlag nicht unbedingt der große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen.

Tokio, mit seinem reichen Nachtleben und dem ausgeprägten Kunstmilieu, verändert den jungen Mann. Angespornt von der energischen Überzeugungskraft eines hübschen Mädchens und inspiriert von der Natur, ist Hamaguchi entgegen der Skepsis seiner Familie nunmehr entschlossen, selbst ein bekannter Mangaka zu werden und seinen Lebensunterhalt damit zu finanzieren.

Ein Zoo im Winter ist ein typisches Werk Jiro Taniguchis. So einfühlsam, poetisch und ruhig, dass man die Tragik, den Humor, die Emotionalität der Figuren in diesem großartig verfassten Stück beinahe greifen kann. Die Kapitel in diesem Comic sind gepflastert mit vielen ganz kleinen Höhepunkten, besonders in Bezug auf Hamaguchis unsteten Lebensweg lassen sich hier Identifikationsmomente für den Leser konstatieren.

Taniguchi gelingt es spielend, mit der Dramaturgie zu jonglieren; Ein Zoo im Winter beginnt als anrührende Darstellung eines Einzelschicksals, mutiert dann klammheimlich zur Großstadterzählung und schlägt schließlich über die beiden Hauptmotive, die Liebe und das Zeichnen, den Bogen zurück zum Anfang. Damit weist dieser Band eine unaufdringliche Kohärenz auf, die einfach grandios ist.

Auch die vielen Einblicke in die japanische Mangaindustrie (der 60er Jahre) machen diesen Comic zu etwas Besonderem. Gerade was die Arbeitsteilung und das Ansehen der Zeichner angeht, darf man verblüfft sein. Mitunter reden die Mitglieder des Ateliers auch mal über Mangaserien oder Künstler, die auch in den realen 60ern existent waren. All das und die Tatsache, dass man beim Lesen Anteil am Schaffensprozess von Hamaguchis erstem eigenem Manga hat, lässt dieses Buch trotz der Tristesse in Schwarz-Weiß lebendig, bunt und fantasievoll erscheinen.

Wie viel Autobiografisches in Ein Zoo im Winter steckt, kann wohl nur Taniguchi selbst klären. Zumindest verweist das Backcover auf eine vom eigenen Lebensweg des Künstlers inspirierte Geschichte. Im Innenteil erfährt man lediglich, dass Jiro Taniguchi als junger Mann ab 1971 ebenfalls als Assistent eines Mangaka arbeitete und währenddessen seine erste eigene Serie konzipierte. Inwieweit der Rest übereinstimmt, bleibt vorerst Spekulation. Ob real oder erdacht, Ein Zoo im Winter ist ebenso amüsante wie melancholische Unterhaltung, an deren Ende man sich eines Tränchens kaum erwehren kann.

 

Ein Zoo im Winter
Carlsen, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Jiro Taniguchi
248 Seiten, Softcover, 16 Euro
ISBN: 978-3-551-75284-0

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Wundervoller japanischer Comic, der trotz seiner ruhigen Art packt und aufwühlt


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