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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Dienstag, 13. Juli 2010
Tokio, mit seinem reichen Nachtleben und dem ausgeprägten Kunstmilieu, verändert den jungen Mann. Angespornt von der energischen Überzeugungskraft eines hübschen Mädchens und inspiriert von der Natur, ist Hamaguchi entgegen der Skepsis seiner Familie nunmehr entschlossen, selbst ein bekannter Mangaka zu werden und seinen Lebensunterhalt damit zu finanzieren.
Ein Zoo im Winter ist ein typisches Werk Jiro Taniguchis. So einfühlsam, poetisch und ruhig, dass man die Tragik, den Humor, die Emotionalität der Figuren in diesem großartig verfassten Stück beinahe greifen kann. Die Kapitel in diesem Comic sind gepflastert mit vielen ganz kleinen Höhepunkten, besonders in Bezug auf Hamaguchis unsteten Lebensweg lassen sich hier Identifikationsmomente für den Leser konstatieren.
Taniguchi gelingt es spielend, mit der Dramaturgie zu jonglieren; Ein Zoo im Winter beginnt als anrührende Darstellung eines Einzelschicksals, mutiert dann klammheimlich zur Großstadterzählung und schlägt schließlich über die beiden Hauptmotive, die Liebe und das Zeichnen, den Bogen zurück zum Anfang. Damit weist dieser Band eine unaufdringliche Kohärenz auf, die einfach grandios ist.
Auch die vielen Einblicke in die japanische Mangaindustrie (der 60er Jahre) machen diesen Comic zu etwas Besonderem. Gerade was die Arbeitsteilung und das Ansehen der Zeichner angeht, darf man verblüfft sein. Mitunter reden die Mitglieder des Ateliers auch mal über Mangaserien oder Künstler, die auch in den realen 60ern existent waren. All das und die Tatsache, dass man beim Lesen Anteil am Schaffensprozess von Hamaguchis erstem eigenem Manga hat, lässt dieses Buch trotz der Tristesse in Schwarz-Weiß lebendig, bunt und fantasievoll erscheinen.
Wie viel Autobiografisches in Ein Zoo im Winter steckt, kann wohl nur Taniguchi selbst klären. Zumindest verweist das Backcover auf eine vom eigenen Lebensweg des Künstlers inspirierte Geschichte. Im Innenteil erfährt man lediglich, dass Jiro Taniguchi als junger Mann ab 1971 ebenfalls als Assistent eines Mangaka arbeitete und währenddessen seine erste eigene Serie konzipierte. Inwieweit der Rest übereinstimmt, bleibt vorerst Spekulation. Ob real oder erdacht, Ein Zoo im Winter ist ebenso amüsante wie melancholische Unterhaltung, an deren Ende man sich eines Tränchens kaum erwehren kann.
Ein Zoo im Winter
Carlsen, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Jiro Taniguchi
248 Seiten, Softcover, 16 Euro
ISBN: 978-3-551-75284-0
Wundervoller japanischer Comic,
der trotz seiner ruhigen Art packt und aufwühlt















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Um es gleich vorweg zu sagen: Eine erstklassige Graphic Novel! Emmanuel
Lepage hat nicht nur ein außergewöhnliches Thema aufgegriffen, sondern
auch eine fantastische Erzählweise gefunden. Muchacho erzählt
die Geschichte des jungen angehenden Priesters Gabriel im
revolutionären Nicaragua von 1976, kurz vor dem Umsturz der Diktatur
des Familienclans der Somozas und dem Sieg der Sandinisten 1979.
Gabriel de la Serna stammt selber aus einer der Familien, die dem
Somoza-Regime nahe stehen. In ein Dorf geschickt, um in der dortigen
Kirche ein Wandbild zu malen, wird er mit dem prallen Leben der
einfachen Menschen konfrontiert: verführerische Frauen, Träume und
Hoffnungen der Dorfbewohner, Repression durch die Guardia Somozas und
die heimliche Organisation des gewaltsamen Widerstands.
- 08.11.2008
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
Autor und Zeichner Jeff Lemire entführt uns im ersten Band seiner Trilogie in die tiefste Provinz Kanadas, genauer gesagt nach Essex County. Dort lebt der zehnjährige Waisenjunge Lester nach dem Tod seiner Mutter auf der Farm seines Onkels. Doch die Beziehung zwischen den beiden verläuft nicht gerade optimal. Lester, der stets in Superheldenmontur mit Cape und Maske unterwegs ist, flüchtet sich in Fantasien, um so die Einsamkeit und das Unverständnis des noch fremden Onkels hinter sich zu lassen.
- 18.10.2010
Spirou und Fantasio gehören, neben Tim und Struppi, Asterix und Lucky Luke
zu den ganz großen Klassikern des frankobelgischen Comics. Seit gut 70
Jahren erscheinen Geschichten mit dem kleinen Hotelpagen im
gleichnamigen Magazin und als Comicalbum. Neben der Hauptserie gibt es
seit 2006 eine Parallel-Reihe, die in Frankreich Une Aventure de Spirou et Fantasio par...
heißt. Namhafte Zeichner und Autoren können dort ihre ganz eigene
Vision von Spirou umsetzen, abseits von den Zwängen der Hauptserie.
- 13.05.2009
Der Selbstmordclub von Usumaru Furuya gehört zum Label Shodoku, in dem
der Verlag Schreiber & Leser Mangastoffe für erwachsene Leser
präsentiert. Augsgangspunkt der Geschichte, die in Japan parallel zum
Film