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(Vortrag/Diskussion)
von Andreas Fisch Montag, 25. Oktober 2010
Bei einer unvoreingenommenen Annäherung mutet der Titel schon sonderbar an: Kontrakte mit höheren Wesen und Erlebnisse in Mietshäusern sind jedenfalls nicht der Garantieerfolg bei Hollywood-Produktionen. Der Sammelband vereinigt die Geschichten „Ein Vertrag mit Gott" (1978), „Lebenskraft" (1983) und „Dropsie Avenue" (1995), die aus verschiedenen Schaffensperioden stammen, aber dennoch eine gelungene Einheit im vorliegenden Werk bilden.
Verblüffend, wie Eisner es schafft, den Leser anhand von gradlinig erzählten Geschichten eine Zeitepoche, menschliche Gemütsbewegungen und soziale Problemlagen nahe zu bringen. Dabei puzzelt er die einzelnen Episoden geschickt durch zahlreiche Querverweise, neue Generationen, Nachmieter, wiederkehrende Personen zusammen, so dass ständig neue Bedeutungsebenen hervortreten und auf Subtexte angespielt wird. Für Comic-Feinschmecker!
Besonders die „Dropsie Avenue"-Geschichte übersteigt mein Analysevermögen: Ich kann nur festhalten, dass die Hauptfigur der Jahrzehnte umgreifenden Erzählungen das Stadtviertel (!) ist. Ich kann nur feststellen, dass die Erzählungen mich von Anfang bis Ende immer tiefer hineingezogen haben, aber ich kann nicht so nebenbei mal analysieren, wie Eisner dies handwerklich bewerkstelligt hat. Faszinierend, aber auch eine Zumutung für konventionelle Leser, die ohne bleibende Hauptfigur und simple Story überfordert sind! Und ganz ungewohnt für US-amerikanische Autoren: ganz und gar nicht prüde...
Erwähnenswert ist zudem, wie aktuell die zahlreichen eingewobenen Themen geblieben sind, die eingebunden sind:
-
Die Ausführungen zur Weltwirtschaftskrise von 1929 lesen sich nach der letzten Finanzkrise mit erhöhter Spannung. - Der deutsche Dauerbrenner Migration und Integration und schon damals illegale Einwanderer in die USA, aber auch „Parallelgesellschaften" in US-amerikanischen Städten kommen in hundert Facetten vor.
- Gottesglaube und erfahrenes Leid (Tod der eigenen Tochter)
- Immobilienspekulanten, sozialer Aufstieg und asozialer Abstieg eines Stadtviertels, Mietmafia und korrupte Vermieter
- Liebe und Fremdgehen in Lebenskrisen und zu Zeiten, wenn Geld und nicht Waschbrettbauch für die Partnerwahl entscheidend war.
Ein Vertrag mit Gott. Mietshausgeschichten
Carlsen Verlag, März 2010
Text und Zeichnungen: Will Eisner
Mit einem Vorwort von Will Eisner und einem Nachwort von Andreas C. Knigge
508 Seiten, Hardcover, schwarz-weiß (bzw. sepiafarben), 36 Euro
ISBN 978-3-551-75044-0
Leseprobe

Absolut fantastisch, Erzählkunst auf höchstem Niveau!
Abbildungen © Carlsen Verlag
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Als ich zum ersten Mal die Ankündigung vernahm, dass bei Carlsen Comics ein Comicband mit dem Titel Bob Dylan – Revisited erscheinen wird, ging ich intuitiv davon aus, dass es sich dabei um eine gezeichnete Biografie des Künstlers handeln würde. Aber weit gefehlt, das im mittlerweile bewährten, verkleinerten „Graphic Novel“-Format des Verlages (aber in diesem Fall ausnahmsweise nicht als eine solche deklariert) vorgelegte Buch verzichtet wohltuenderweise komplett darauf, das Leben Bob Dylans nachzuzeichnen oder auch nur dessen Stellenwert für die Folk- und Rockmusik zu beleuchten.
- 24.10.2010
In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.
Es ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren
Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf
Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will
experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein
langes, rationales Abwägen, "Jetzt oder nie" heißt die Devise. Das gilt
auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt,
man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld,
ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip,
der mit dem Wort "Abenteuer" nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als
20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine
autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher
Hinsicht zum Staunen bringt.
- 24.12.2009
Das neue Jahrhundert hat seine erste Dekade fast verbraucht und schon
zeichnen sich zwei Trends ab: Zum einen befinden wir uns im Zeitalter
der konstanten Beschleunigung, in dem Informationen immer schneller
durch unsere Computer gejagt werden. Zum anderen erzeugt diese
wahnwitzige Geschwindigkeit einen unstillbaren Durst nach immer mehr
Informationen. Jede Minute trudelt eine neue Eilmeldung per RSS-Feed
herein, die wir auf keinen Fall verpassen dürfen; jede Sekunde
zwitschert man seinen Followers eine Nachricht zu und stillt doch nur
kurz die Gier nach Neuem. Nur manchmal gelingt es, einen Moment inne
zuhalten, zurückzublicken und zu genießen.
Salleck Publications veröffentlicht die Gesamtausgabe der klassischen Spirit-Geschichten; allerdings nicht chronologisch, sondern abwechselnd immer ein Band von Will Eisner, dann ein Band eines Zeichners, der Eisner vertreten hat, während dieser im Kriegsdienst war.