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von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 29. Dezember 2010
Hier liegt mal wieder ein richtig gelungenes Cover vor. Es ist sehr stimmungsvoll und passend zum Inhalt. Beherrscht wird es von grimmig aussehenden, schwer bewaffneten Männern, welche eine zierliche junge Frau schon fast aus dem Bild drängen. Diese lächelt geheimnisvoll und steht ziemlich unbeeindruckt und entspannt gegenüber diesen waffenstarrenden Machos. Und wer genau hinsieht, kann entdecken, dass sie auf dem Mittelfinger der hinter dem Rücken gehaltenen Hand einen Schmetterling balanciert. Äußerste Zartheit und Zerbrechlichkeit steht einer geballten destruktiven Kraft gegenüber. Ein hervorragendes Titelbild, welches sehr gut die bedrohliche, aber auch zarte und heitere Stimmung des Bandes trifft.
Worum es in Eco Warriors 1 eigentlich genau geht, ist gar nicht so einfach zu sagen. Ein junger, recht unbedarfter Mann kommt in den Dschungel, um dort eine Station wieder aufzubauen, die es gefangenen Orang-Utans wieder ermöglichen soll, in freier Wildbahn zu leben. Eine geheimnisvolle, schöne junge Frau bringt ihn fast um den Verstand, eine merkwürdige Phiole weckt die Interessen verschiedener Gruppen, und Rebellen laufen auch im Dschungel umher. Worum es eigentlich hier geht? Keine Ahnung. Der Leser wird ziemlich im Dunkeln, oder besser: im Dickicht, gehalten.
Selbst das Genre ist nicht zu bestimmen. Ist es ein Politthriller? Kommt noch viel Action? Ist es gar Science-Fiction? Wer Richard Marazanos gelungene Serie Der Schimpansenkomplex (oh, schon wieder Affen!) kennt, könnte das vermuten. Aber hier wird nichts richtig geklärt. Es gibt jedoch genügend Andeutungen und verdeckte Hintergründe, welche den Leser gespannt auf den nächsten Band werden warten lassen. Und das, obwohl hier im Grunde nichts passiert. Das spricht aber auch wieder für den Autor, denn Marazano gelingt es, Dramatik, Liebe, Humor und eine Ökobotschaft leichtfüßig zu verbinden. Niemals wird der moralische Zeigefinger erhoben, die Dynamik zwischen den Hauptpersonen ist spannend, und der Leser fragt sich, ob das Begehren des verliebten Schweines erhört werden wird. Denn dass sich hier ein Schwein in einen Menschen verliebt, ist ein kleiner Geniestreich. Ja, die Tierliebe ...
Aber auch die Zeichnungen wissen zu fesseln. Chris Lamquet gestaltet sie sehr naturalistisch und detailliert, so dass sich der Leser absolut in den Dschungel versetzen kann. Auch die Farbgebung ist hervorragend und zieht den Leser in das Setting. Dabei stehen die Zeichnungen nicht allein im Dienste der Story, sondern glänzen auch mit hervorragenden Einfällen. Während sich der Held etwa an Erzählungen erinnert, werden diese im Bild gezeigt und das Gesicht und der Körper des Helden wird in den Hintergründen und am Rand mit eingebettet. Eher schwach sind dagegen die Gesichter der Affen, die nicht immer richtig getroffen sind.
Wertung: ![]()
Durch eine gute Themenmischung und hervorragende Zeichnungen sehr lesenswert. Mit Luft nach oben, abhängig davon, wohin sich die Geschichte entwickeln wird.
Eco Warriors 1 - Orang-Utan
Splitter Verlag, Dezember 2010
Text: Richard Marazano
Zeichnungen: Chris Lamquet
Seiten, farbig, Hardcover
Preis 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-236-5
Leseprobe
Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen




Aremorica, Druiden, keltische Götter: So gut wie jeder Comic-Leser
kennt diese Stichwörter und denkt natürlich an Asterix, das gallische
Dorf und den dort ansässigen Druiden und Zaubertrankbrauer Miraculix.
Das man das Setting auch für einen eher ernsthaften Comic verwenden
kann, zeigen die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel und
Zeichner Jacques Lamontagne mit ihrer Serie Die Druiden. Die auf
insgesamt sechs Alben angelegte Reihe spielt am Ende des 5.
Jahrhunderts, also knapp 500 Jahre später als Asterix. Längst hat sich
das Christentum ausgebreitet und drängt den alten keltischen Glauben
zurück.
- 26.01.2009
In seiner Formatreihe "Splitter Books" bringt der Verlag die im Original vierteilige Serie Dixie Road in einem Band gesammelt heraus. Jean Dufaux ist ein so viel beschäftigter Schreiber, dass man sich nicht nur fragt, woher er die ganze Zeit und die ganzen Ideen nimmt, sondern auch, warum fast alle seine Serien so gut sind. Diese ausgezeichnete Serie hebt sich von den meisten anderen Dufaux-Stoffen ab. Er tummelt sich ja in den unterschiedlichsten Genres, wobei die meisten einen historischen Bezug haben. Was aber hier neu ist, sind die deutlichen soziakkritischen Aspekte. Wenn überhaupt ein Vergleich innerhalb von Dufaux' Werk gezogen werden soll, dann muss schon Jessica Blandy herhalten. Dabei haben die beiden inhaltlich nichts gemeinsam.
Eines Nachts klingelt Raphaels Telefon. Sein Freund Leo hat eine Panne und er möchte nun, dass Raphael ihm zu Hilfe eilt. Mehr schlecht als recht lässt sich dieser schließlich von seiner Freundin überzeugen, seinen Kumpel nicht im Stich zu lassen. An Leos stehendem Auto, mitten auf einer Landstraße, angekommen, erwartet den missmutigen Raphael jedoch eine Überraschung, mit der er niemals gerechnet hätte.
Was ist eigentlich so verkehrt an rein historischen Comics? Wieso müssen neue historisch orientierte Serien sich häufig der Faktentreue verweigern und sich stattdessen einem Genremix hingeben? Mittlerweile wäre eine treue Historienadaption mal sehr außergewöhnlich. Aber die Herangehensweise, mehrere Genres zu mischen, hat natürlich auch Vorteile. So wäre historische Faktentreue ein Gerüst, welches die Handlung stark einschränken würde, da man sich nicht beliebig viele Freiheiten nehmen kann. Meist bleibt die Faktentreue denn auch auf das Dekor beschränkt. Andererseits hat Geschichte immer genügend weiße Flecken, die von Fantasie und Schöpferkraft gefüllt werden können. Man kann eben nie alles über das Vergangene wissen..