JoomCategories for JoomGallery
- Kategorie: 6. Akt: Der letzte Akt
- Kategorie: 5. Akt: Der Akt ohne Namen
- Kategorie: Chili oder Essen, das zweimal brennt
JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA
- 1287
Aktuelle Rezensionen
Comicgate-Tweets
Comic-Kalender
- Buffy-Zeichner Franco Urru auf Signiertour
17.05.2012 - 25.05.2012
(Signierstunde) - Düsseldorf: DoKomi
26.05.2012 - 27.05.2012
(Messe/Festival) - Berlin: Graphic Novel – ein politischer Resonanzraum
03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Andreas Völlinger Dienstag, 19. Januar 2010
Es ist heute fast unvorstellbar, welche emotionale Wucht dieser einfache Satz in der DDR besaß. Wer einen Antrag auf Ausreise stellte und sich noch nicht im Rentenalter befand, wurde im realsozialistischen Einparteienstaat nach diesem Bekenntnis automatisch zum Dissidenten und Verräter an der guten Sache erklärt. In der nun folgenden oft Jahre anhaltenden, zermürbenden "Bearbeitungszeit" bis zur Genehmigung waren der Antragssteller und seine nahe Verwandschaft schutzlos den teils subtilen, teils brutal offenen Schikanen der Staatssicherheit ausgesetzt – offziell als "Zersetzungsmethode" bezeichneter Psychoterror, mit dem Ziel, eine Rücknahme des Antrags zu erreichen. Hinzu kam in vielen Fällen der sofortige Verlust des Arbeitsplatzes und die soziale Ächtung durch Nachbarn, Kollegen und Verwandte, entweder motiviert durch überzeugte Systemtreue oder die Angst vor einem ähnlichen Schicksal.
Diesen Zustand der Unsicherheit und Ausgrenzung gibt Simon Schwartz in seinem autobiografischen Comic drüben! beeindruckend wieder, wenn er die Geschichte seiner Eltern erzählt, die den Entschluss zur Ausreise kurz vor seiner Geburt Anfang der 1980er fassten. Im Folgenden gerieten sie dadurch ins Auge der Stasi und entzweiten sich mit den Großeltern väterlicherseits. Doch drüben! ist keine verbitterte Anklage gegen den einstigen deutschen Unrechtsstaat. Die Comicerzählung bewahrt sich eine gewisse Ambivalenz dadurch, dass sich der Künstler die Zeit nimmt, die langsame Wandlung seines Vaters vom überzeugten Jungsozialisten zum Systemflüchtling nachzuzeichnen. Auch versucht er, die ihm so fremden, systemtreuen Großeltern zu verstehen.
Auch stilistisch weht ein Hauch von Persepolis durch den Comic – interessanterweise ist es aber weniger Marjane Satrapis viel minimalistischer gehaltener Comic, an den drüben! optisch erinnert, sondern eher die ausgefeiltere und mit mehr Hintergründen aufwartende Zeichentrickadaption. Im Gegensatz zu Persepolis ist drüben! auch kein klassischer Schwarz-Weiß-Comic, sondern in sorgfältig abgestimmten Grautönen gehalten, die hervorragend mit Stil und Inhalt der Geschichte funktionieren. Kleiner zeichnerischer Wermutstropfen sind die Gebäude- und Straßenszenerien, die oft einen Tick zu glatt und symmetrisch wirken.
Wie seine Zeichnerkollegen Arne Bellstorf, Line Hoven und Sascha Hommer hat Simon Schwartz an der HAW Hamburg Illustration bei Anke Feuchtenberger studiert, wo drüben! ursprünglich als Diplomarbeit entstand. Wieder ein Gewinn für die Hamburger (Zeichen-)Schule also, der letztendlich natürlich einer für die gesamtdeutsche Comicszene ist. Simon Schwartz empfiehlt sich hier mit einem sehr ansprechenden Comic, der einfühlsam ein Stückchen des deutsch-deutschen Trennungstraumas aufarbeitet – und das deutlich über dem Niveau vieler anderer Erstlingswerke! Auf sein bereits in Arbeit befindliches Nachfolgeprojekt darf man gespannt sein.
Und falls sich ein Geschichts- oder Politiklehrer zu dieser Rezension verirrt haben sollte: drüben! gibt zweifelsohne eine ideale Schullektüre und Diskussiongrundlage zum Thema "Deutsche Demokratische Republik" ab.
drüben!
Avant-Verlag, Oktober 2009
Text und Zeichnungen: Simon Schwartz
110 Seiten, Softcover, s/w, 14,90 Euro
ISBN: 978-3-939080-37-4
Feine Comickunst und Nachhilfe in Sachen DDR in Einem
Abbildungen © Simon Schwartz/Avant-Verlag
Trackback(0)
Kommentare (0)

Kommentar schreiben














Neue Veranstaltung einsenden




Eine Schweizer Studentin kommt für ein Austauschsemester nach Hamburg und fasst dort einen Entschluss: "Ich werde zu keiner Einladung Nein sagen, während ich hier bin!" Ein Einstieg, aus dem sich eine wilde Screwball-Komödie ebenso machen ließe wie ein Melodram, ein actionreicher Krimi oder ein Beziehungsdrama. Bei Kati Rickenbach wird daraus nichts von alldem – denn das hier ist ihre eigene Geschichte, und das reale Leben ist meistens nicht allzu aufregend.
Nach dem Preview-Heft „Der verbotene Wald", das man 2006 auf dem
Comic-Salon in Erlangen ergattern konnte (
Cyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko.
Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio
zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses
an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite
des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als
Öko gestoßen ist.
- 27.07.2009
Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
- 17.03.2009