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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Montag, 01. Januar 2007
Seit im Jahr 1998 der erste Donjon-Band erschien, ist aus der kleinen Fantasy-Parodie von Joann Sfar und Lewis Trondheim ein wild wucherndes Universum geworden. Aufgesplittet in diverse Unterreihen, die von verschiedenen Zeichnern umgesetzt werden, wird die Geschichte des Donjon, der Heimat unzähliger Monster, aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt.
Neben den drei Hauptreihen Morgengrauen, Zenit und Abenddämmerung schufen Sfar und Trondheim auch noch die Nebenserien Parade und Monster. Von letzterer sind die ersten beiden Bände frisch auf deutsch erschienen. Donjon Monster hat keinen Stammzeichner - hier wird jeder Band von einem anderen Künstler umgesetzt, und so bekommt jedes Album seinen ganz eigenen Charakter. Band 1 und 2, die gleichzeitig erschienen sind, machen dies sehr deutlich, denn die beiden Geschichten sind so verschieden wie Tag und Nacht.
Band 1, Hans-Hans der Schreckliche, erzählt von einem kuriosen Monster-Quintett, das in einer einsamen Gegend ein Gasthaus betreibt, deren Besucher selbst auf der Speisekarte landen. Weil aber kaum jemand vorbeikommt, sind unsere Monster hungrig und frustriert. Das ändert sich, als Guillaume de la Cour an ihre Tür klopft, ein Plappermaul und Geschäftemacher, dem es gelingt, einen Deal mit den Monstern zu machen. Wenn sie ihn nicht fressen, will er sie zum sagenumwobenen Donjon führen, dem Paradies für Monster.
Damit beginnt eine herrlich-schräge Reise, auf der gebrandschatzt und gemordet, gekämpft und gefressen wird, die aber immer unheimlich komisch bleibt. Die gastronomischen Monster sind nämlich sehr verschrobene und naive Typen, die sich ziemlich blöd anstellen. Sie neigen zur Brutalität, sind aber sehr liebenswürdig. Obwohl hier und da mal ein Kopf fliegt oder Blut spritzt, bleibt Hans-Hans der Schreckliche immer harmlos und witzig. Ein großer Spaß, der von Zeichner Mazan in ähnlicher Weise umgesetzt wurde, wie man sie von Trondheim und Sfar kennt.
Ganz anders dagegen Band 2: Die Armeen der Tiefe schlägt einen vollkommen anderen Ton an. Die Geschichte spielt fast durchgehend unter Wasser, in einer surrealen Welt, die von bizarren Wesen der Tiefsee bevölkert wird. Hier herrscht Krieg zwischen verfeindeten Clans. Ein junges Mädchen namens Flossine erlebt mit, wie ihre Eltern von feindlichen Soldaten getötet werden. Ein Zufall hilft ihr, sich in die Reihen der Gegner zu schmuggeln, und ohne es zu wollen, macht sie dort Karriere.
Während Hans-Hans der Schreckliche stets leichtgewichtig und komisch bleibt, ist Die Armeen der Tiefe meist düster und beklemmend. Hier wird gemetzelt und vergewaltigt, gefoltert und gequält, Blut fließt in Strömen, ein Happy End gibt es nicht. Nur selten blitzt ein wenig Humor auf. Dass dieses Album trotzdem nicht abstoßend, sondern sehr faszinierend ist, liegt zum einen am zutiefst menschlichen, simplen Kern der Geschichte: Flossine ist eine von uns, für sie ist diese Welt fast so fremd und unheimlich wie für den Leser. Und sie bewahrt ein gutes Herz in all der Düsternis, die sie umgibt.
Was diesen Band aber besonders stark prägt, sind die Zeichnungen von Killoffer. Er bringt eine submarine Welt zu Papier, deren Detailreichtum und Wildwuchs fast die Seiten sprengt. Bizarre Wesen in bizarrer Umgebung, ein wildes Spiel mit Farben und Formen, so etwas war in dieser Form bisher nicht zu sehen. Diese Zusammenarbeit von Killoffer mit Trondheim und Sfar ergibt ein Treffen von Mainstream und Avantgarde, von Unterhaltung und Kunst, wie es nur ganz selten gelingt. Verstörend und faszinierend zugleich.
Dass diese beiden so unterschiedlichen Comics innerhalb der gleichen Reihe erschienen sind, zeigt, wie gut es Trondheim, Sfar und Konsorten gelingt, Grenzen zu sprengen und Konventionen zu brechen, und dabei ihre Leser immer wieder zu überraschen und perfekt zu unterhalten. Ob lustige Monster-Comedy wie in Hans-Hans, oder psychedelische Horrormärchen wie Die Armeen der Tiefe: Im Donjon ist alles möglich.

Donjon Monster 1: Hans-Hans der Schreckliche
Reprodukt, 2006
Text: Joann Sfar und Lewis Trondheim
Zeichnungen: Mazan
48 Seiten, farbig, Softcover; 12 Euro
ISBN: 3938511761
Donjon Monster 2: Die Armeen der Tiefe
Reprodukt, 2006
Text: Joann Sfar und Lewis Trondheim
Zeichnungen: Killoffer
48 Seiten, farbig, Softcover; 12 Euro
ISBN: 3938511680















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Der kleine Joachim führt mit seinen Eltern ein Leben voller Idylle.
Die kleine Familie lebt in einem kleinen Häuschen, umgeben von Natur. Die
Geschichte von Drei Schatten spielt in einer nicht näher definierten Welt,
die an Märchen und Volkssagen erinnert. Ihr Ausgangspunkt ist das
Eindringen von drei dunklen Gestalten in das Familienidyll. Joachim
entdeckt eines Tages drei Reiter schemenhaft am Horizont, die langsam
näher kommen und ihm Angst machen. Am ersten Tag verschwinden sie bald
wieder, kehren aber regelmäßig zurück. Schon bald wird klar: Die drei sind
gekommen, um Joachim zu holen.
- 13.09.2008
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits
etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore,
bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes
Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch
nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel
Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit
Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.
- 09.09.2010
Zuletzt machte der französische Künstler Joann Sfar ja weniger als Comicschaffender denn durch den von ihm als Drehbuchschreiber und Regisseur inszenierten Film Gainsbourg (über den Chanson-Sänger Serge Gainsbourg) von sich reden. Und da der begleitende, von Sfar gezeichnete Comicband, im Gegensatz zum Streifen selbst, bis dato nicht als deutsche Fassung vorliegt, muss man sich einstweilen eben einem der anderen Sfar-Projekte widmen.
Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns
aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen,
werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder
thematisiert - und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder
Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische
Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter
beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels
verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift
geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren
in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet
wurde.
- 26.07.2010