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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Johnny Donnerstag, 23. November 2006
In der großen weiten Comicwelt gibt es kleine Projekte, es gibt große Projekte, es gibt riesig große Projekte und es gibt Donjon. Wer noch das Ende der insgesamt auf
300 Bände angelegten Reihe erleben will, sollte besser kein allzu weit
zurückliegendes Geburtsdatum vorweisen können und selbst die
Vielschreiber Sfar und Trondheim werden sich schon sicher mehr als
einmal selbst verflucht haben für das gigantische Pensum, das sie sich
auferlegt haben. Aber kann man denn in dieser Beziehung wirklich Mitleid empfinden mit jemandem, der 100 Bände dem Werdegang einer Figur widmet, die im weiteren Verlauf der Handlung gerade mal eine Nebenrolle spielen wird?
Nicht wirklich. Und das ist wahrscheinlich auch gar nicht nötig, denn dem neuesten Band dieses etwas länger geratenen Prologs (Donjon - Morgengrauen, nummeriert von -99 bis -1) nach zu urteilen macht die Reihe ihren Machern noch genau den Spaß, den man bei einem Comic voller rasender Riesenschnecken, armloser Übermonster und gewaltiger Friedhofstädte mit Namen wie Nekropol erwarten konnte: Er strotzt nur so von fantastischen Slapstickeinlagen, abstrusen Einfällen und bösen Witzen, und beweist mal wieder nicht nur, dass sowohl Lewis Trondheim als auch Joann Sfar zweifellos die besten Humoristen sind, die der frankobelgische Comic seit René Goscinny hervorgebracht hat, sondern auch, dass beide zusammen sogar noch besseres hervorbringen können als sie es in ihren eigenständigen Arbeiten getan haben.
Dass die beiden aber auch nicht nur lustig können, sieht man an der im Titel angedeuten beginnenden Entwicklung Hyazinths vom jungen Idealisten zum geizigem Burgherrn, den wir aus den späteren Alben kennen: Da werden ganz nebenbei jugendliche Liebesträume von der Realität relativiert und moralische Grundsätze infrage gestellt. Mich haben Sfar und Trondheim zwar nie so ganz überzeugt, dass sie bei diesen menschlichen Themen mit demselben erzählerischen Eifer dabei sind wie bei den humoristischen Teilen ihrer Arbeiten, und es gibt allein bei L'Association einige Zeichner, deren Beschreibung kleinerer und größerer Lebenskrisen mich mehr berühren (Larcenet!!!), andererseits gibt es auch in dieser Beziehung deutlich schlechteres. Ein bisschen gewöhnen muss ich mich noch an "Aushilfszeichner" Christophe Blain, der die Serie anstelle des hier nur als Autor auftretenden Trondheim grafisch betreut (24/7 arbeiten können scheinbar noch nicht mal französische Comicgötter). Blain pflegt einen kantigen, düstereren Stil, der mich anfangs ein wenig störte, da ich im Rahmen von Donjon eben ganz auf die krakelige Trondheim-Eleganz eingestellt bin. Allerdings trägt dies auch sehr zur Eigenständigkeit der "Morgengrauen"-Bände bei, und unterstreicht den in dieser Reihe hier stärker akzentuierten sexuellen und dunklen Aspekt der Serie.
Insgesamt mal wieder ein absolut makelloser, unglaublich unterhaltsamer Comic, der einem Angst vor dem Tag macht, an dem sich Trondheim und/oder Sfar vielleicht mal leer schreiben könnten und mich dazu verleitet, heftige Stoßgebete Richtung oben zu senden, mich doch bitte noch lange genug hier zu lassen um noch das Ende dieses Projekts mitzuerleben...
Donjon -97: Das Ende einer Jugend
Reprodukt
Text: Lewis Trondheim, Joann Sfar
Zeichnungen: Christophe Blain
48 Seiten, farbig, Softcover; 12,- Euro
ISBN: 3-938511-67-2
















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Rezensionen

Was wäre, wenn Gott wirklich existierte? Und wenn er sich auf der Erde blicken lassen würde, nicht wie beim ersten Mal in Jesus Christus, sondern höchstpersönlich? Welchen Medienrummel würde er auslösen? Welche Zweifel an seiner Authentizität wecken, welchen Zuspruch hervorrufen, welche Gegnerschaft auslösen? Marc-Antoine Mathieu wirft diese Fragen auf und zeichnet einen genauso kurzweiligen wie intelligenten Comic. Auf höchst raffinierte Weise kultiviert Mathieu einen feinen ironischen Humor, der die Lektüre durchgängig zum Vergnügen macht. Und mich mit Spannung warten ließ, wie diese Geschichte wohl enden soll ...
Der neue Comic des norwegischen Künstlers Jason (Pssssst!,Hey, warte mal…, Hemingway) verstört gleich in zweifacher Hinsicht (eigentlich in dreifacher, aber an die anthropomorphen Figuren hat man sich ja bereits gewöhnt): Zum einen existiert in seiner Geschichte das Zeitreisen, zum anderen zeichnet er eine Gesellschaft, in der Auftragskiller ein ganz normaler Beruf ist. Eben dies ist die Arbeit des namenlosen Protagonisten; ob Ehefrau, Verwandte oder Chef, fast jeder will irgendjemanden loswerden, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Das Geschäft floriert, aber der Killer ist desillusioniert, von seiner Tätigkeit und seiner Gattin gleichermaßen.
Vor mehr als zehn Jahren wurde in Frankreich die Idee eines äußerst
ungewöhnlichen und dennoch sehr erfolgreichen Comics geboren, der in
drei unterschiedlichen Epochen spielen sollte, der an seinem Ende über
300 Ausgaben zählen sollte und dessen Figuren als blutrünstige aber
dämliche Monster und (un)heldenhafte Enten konzipiert waren. Seit
diesem ursprünglichen Grundgedanken hat sich der Comic zu einer
regelrechten Hydra entwickelt, der mit jeder neuen Veröffentlichung ein
weiterer, grotesker Kopf wächst und so jeglicher Konzeption der Serie
trotzt. Die Väter dieser Idee waren die französischen Comic-Künstler
Lewis Trondheim und Joann Sfar und ihr Titel lautete Donjon. Im Hause Reprodukt erschien nun mit Donjon 6: "Der verlorene Sohn" der neuste Spross in der Donjon-Familie.
- 26.06.2009

Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
- 17.03.2009