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von Frauke Mittwoch, 19. April 2006

Manu Larcenet hat mit den bis jetzt zwei bei Reprodukt erschienenen Bänden von "Der alltägliche Kampf" wahrhaftig Eindruck geschunden.
Mit seinem neuen Album probiert er sich anstatt an den Alltagssorgen seiner erfundenen Figur Marco an der realen Person Sigmund Freuds.  Allerdings nicht in Form einer Biografie, sondern als einen ältereren Herrn, der gelangweilt ist von den Problemchen seiner Wiener Kundinnen und sich deswegen in den Wilden Western aufmacht, um interessantere Fälle aufzutun.
Begleitet wird das enthusiastische Männchen von seinem missmutigen Diener Igor, der nicht gerade zufrieden mit seiner Arbeitssituation ist, seinen Herrn aber zum Glück trotzdem immer wieder aus brenzligen Situationen rettet - in die sich Freud meistens selber hineingebracht hat.

Nach einigen vergeblichen Versuchen Einheimische zu analysieren - die dummerweise nicht die erhofften Probleme haben -, ist der Psychoanalytiker schon kurz davor aufzugeben. Keiner will irgendwelche Probleme mit der Mutter gehabt haben! Und wenn, dann sind ihm diese Leute zu gefährlich. 
Da läuft den beiden ein flüchtiger Bandit vor den Esel und das Fahrrad und will die beiden berauben. Igor kann die Situation entschärfen. Zu ihrer Überraschung entpuppt sich der Gauner als ein Hund...

Ein sprechender Hund?! Freud ist begeistert und sieht sich schon als nächsten Nobelpreisträger. Er arrangiert ein Tauschgeschäft: sie übergeben Spot nicht dem Sheriff, dafür dürfen sie den geknechteten Hund ausfragen und ihn auf der Suche nach seiner Seele begleiten. Ihm wurde nämlich bei der Zwangsarbeit von einem Priester eingeredet, dass alle Hunde seelenlos und sie deswegen im Gefängnis gelandet seien. Verzweifelt klammert Spot sich nun an die Legende, dass ein bestimmter Schamane im Süden Seelen vergeben könne...


Zugegebenermaßen fühle ich mich bei schwammigen
Seelensuchaktionen immer an Buffy erinnert... Aber egal, um Begriffsdefinitionen geht es hier nicht.

Larcenet setzt dem Leser eine von außen betrachtet recht wilde Mischung vor: Sigmund Freud samt Assistent Igor im Wilden Westen, sprechende versklavte Hunde - mitunter auf der Suche nach ihrer Seele -, ein kleiner Wanderschamane, der an die große Spinnenmutter glaubt, und noch einiges mehr.

In sich ist aber alles stimmig.

Der staubtrockene Igor und Freud sind ein herrliches Gespann, das sich ständig kabbelt. Freud wird als ein teils abgeklärter, teils naiver passionierter Analytiker dargestellt, der anscheinend selber mächtige Probleme mit seiner eigenen Mutter hatte, wie sich in einem unfreiwilligen Rausch herausstellt. Dabei wird er aber von Larcenet nie dem Spott preisgegeben, sondern liebevoll in Szene gesetzt als jemand, der genau so viel oder wenig Probleme hat wie seine Mitmenschen.
Als Kontrast zu dieser sehr heiteren Stimmung wird eine melancholische Fabel erzählt, bei der sich Larcenet traut, am Ende nicht alles in rosaroten Wölkchen verpuffen zu lassen.
Dirk Rehms lockeres Handlettering vervollständigt den lebendigen Eindruck, der durch die recht einfachen, aber emotionsreichen und sympathischen Zeichnungen geschaffen wird.

Eine wunderbar poetische Erzählung, gut ausbalanciert mit jeder Menge Situationskomik, ausgeschmückt mit schönen Details und einem hervorragenden Gespür für das Zwischenmenschliche.


Die wundersamen Abenteuer von Sigmund Freud - Hundejahre
Text und Zeichnungen: Manu Larcenet
Reprodukt (fünfseitige Leseprobe)
48 Seiten, Softcover, Großformat, komplett farbig; 12,- Euro
ISBN: 393851129X




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Bildquellen: reprodukt.com

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