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(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Montag, 10. Januar 2011
Nach einer etwas längeren Wartezeit kommt der zweite Band und Abschluss von Die Welt von Lucie als Splitter Book heraus. Auch der zweite Band ist recht voluminös geworden und der Leser freut sich auf die Beantwortung der vielen Fragen, die im ersten Band gestellt wurden.
Aber die Story von Die Welt von Lucie ist am besten mit einem Baum zu vergleichen. Wenn der eigentliche Kern der Erzählung der Stamm ist, so haben schon im ersten Band viele Äste gekeimt, an denen viele erzählerische Nebenstränge und Figuren eingeführt wurden. Es sind aber auch viele Blätter dazu gekommen, welche die Sicht auf den Stamm nehmen. Wer jetzt denkt, dass die Gärtner, also Szenarist Kris und Zeichner Guillaume Martinez, ihre Heckenscheren herausholen, um die Äste zu stutzen und so einen Überblick zu schaffen, sieht sich getäuscht. Vielmehr machen sie viel Wind und lassen die Blätter rauschen. Der Leser verliert somit für lange Zeit komplett den Überblick. Für einen Abschlussband ist das nicht gerade hilfreich.
Ein Großteil der Rätsel bleibt und vieles geschieht nicht im Bild, sondern quasi Off-Panel. Das erfordert eine ziemlich aktive Teilnahme des Lesers, was zwar seinen Reiz hat, nur möchte man dann auch zwischendurch ein kleines Leckerli haben. Einige Szenen, die zur Erholung dienen. Doch leider kommen die nicht. Merkwürdigerweise kommt vieles sehr undramatisch daher, auch potentiell dramatische Enthüllungen werden eher nebenbei abgehandelt. Action wird komplett weggelassen und es wird nur indirekt von ihr erzählt. Auch dass einer der Schurken stirbt, wird nur erwähnt! Nichts von der Action wird gezeigt und damit tröpfelt die Handlung dahin. Was das alles noch viel schwieriger macht, sind die vielen wechselnden Zeit- und Erzählebenen, die nicht immer graphisch, etwa durch Umrandungen oder wechselnde Farben, kenntlich gemacht werden. Dadurch fällt die Einordnung sehr schwer.
Die naturalistischen Zeichnungen von Martinez entwickeln auch keine Dynamik. Das Bild ist somit nur Träger des ausufernden Wortes und entwickelt selten eine Eigenständigkeit. Das Minenspiel der Figuren ist dagegen sehr gut getroffen. Die Farbgebung versteht es, sehr subtil Stimmungen zu erzeugen und macht nicht zwangsläufig auf sich aufmerksam.
Generell bekommt man den Eindruck, dass Kris und Martinez mit ihrer eigenen Geschichte nicht mehr sonderlich viel anfangen konnten und lieber mit vielen Nebensträngen die eigentliche Idee verstecken. Für einen Abschlussband einer sehr, sehr rätselhaften Serie ziemlich enttäuschend.
Wertung: ![]()
Erschreckend undramatische und wortlastige Auflösung der vielen Rätsel des ersten Bandes.
Die Welt von Lucie 2 - Am Leben bleiben ...
Splitter Verlag, November 2010
Text: Kris
Zeichnungen: Guillaume Martinez
156 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-098-9
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen




Alexandro Jodorowsky, einer der ganz großen Comicautoren, meldet sich mit seiner neuen Serie Der schreckliche Papst zurück. Hatte sich Jodorowsky zunächst viel mit Science-Fiction beschäftigt (John Difool mit Moebius, Die Kaste der Meta-Barone mit Juan Giménez) und dann mit Western (Juan Solo und Bouncer) drückt er nun dem historischen Comic seinen Stempel auf. Die mit Milo Manara begonnene Serie Borgia (bei Kult Editionen) läuft noch und schon kommt quasi die Fortsetzung heraus.
- 19.08.2010
Die Natur schlägt zurück! Zumindest in Christophe Becs und Eric
Henninots zweitem Teil der sechsteiligen Serie Carthago. In "Die
Challenger-Tiefe" bieten die beiden erneut eine konfuse Mischung aus
Mystery, Öko-Thriller und Science-Fiction. Wie in Becs anderen
Splitter-Arbeiten (Prometheus, Heiligtum) verknüpft der Autor eine
Blockbuster-Ästhetik mit einer rasant erzählten Geschichte, die durch
Zeit- und Ortssprünge gekennzeichnet ist. Bereits der Auftaktband von Carthago
hatte enttäuscht und konnte dem wenig hinzufügen.
- 10.09.2010
„Geboren aus den Wikingersagen und der Musik von Richard Wagner“ verrät der Rücken dieses Albums und man kann sich
bestens vorstellen, wie der Zeichner Alex Alice in stürmischer Nacht in seinem
Atelier saß, die Stereoanlage mit Wagners musikalischer Vertonung des
Nibelungenstoffs voll aufgedreht hatte und sein Zeichenstift Leben in
die alten Sagen brachte. Die Bilder, die der französische Künstler
schuf, sind – ganz dem Stoff angemessen – episch und kraftvoll. Da
stöbern wild die Schneeflocken, wallt und wabert der Nebel und zucken
die Blitze, dass es eine Freude ist.
Die Steinzeitära bildet auch im Bereich der Unterhaltungsindustrie eine
steinzeitliche Wüste. Dieser geschichtliche Abschnitt ist sträflich
vernachlässigt worden und diente höchstens mal als Kulisse für einige
Zeitreiseepisoden verschiedenster Auswüchse. Als Hintergrund einer
eigenständigen Erzählung diente die Steinzeit nur selten, wie z.B. in
dem Film Am Anfang war das Feuer oder, im weiteren Sinne, in 10.000 B.C. Im Bereich der Literatur ist vielleicht Ayla
die bekannteste Adaption. Angesichts dieser wenigen Erzeugnisse kann
man Emmanuel Roudier eigentlich nicht genug dafür loben, die Steinzeit
als historischen Hintergrund zu verwenden und obendrein den weithin
unterschätzten Neandertaler als Helden zu etablieren.
- 26.03.2010
Wenn man bei Dark Horse stöbert, fällt einem schnell auf, dass sich dort Vieles um Horror dreht. Hellboy, Buffy und andere geben sich bei dem US-Verlag ein Stelldichein. Seit August 2006 veröffentlicht Dark Horse auch die Serie Rex Mundi. Das ist zwar weniger Horror und mehr Verschwörungsthriller, aber wer weiß diese Grenze im Angesicht von Dämonen und fanatischen Klerikern schon genau zu bestimmen?