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von Benjamin Vogt Donnerstag, 05. August 2010
Sein fast 300 Seiten starkes Comeback, das als Splitter Book (in Lizenz, zuerst erschien es vor kurzem auf Französisch) erschienene Album Die Reise mit Bill, wirkt wie ein Paukenschlag. Matthias Schultheiss belegt damit eindrucksvoll, dass er zeichnerisch und schreiberisch noch weiter gereift ist.
Sein Comic ist ein dicht gepacktes, bezauberndes Roadmovie: Luke und seine Tochter Tweety reisen mit dem Auto einmal quer durch die USA; sie steigen in einem Diner ab, genießen die Landschaften und begegnen schließlich Bill, einem Kriegsveteran, der seine Beine bei einem Hubschrauberabsturz verloren hat. Luke nimmt den im Rollstuhl am Straßenrand sitzenden Anhalter mit und macht vor allem Tweety eine Freude damit. Dem Mädchen wächst Bill schnell ans Herz und sie überzeugt ihren Vater sogar davon, dass sie unbedingt Bill helfen müssten, zu seinem Bestimmungsort zu gelangen. Ein Schamane, der von Tweety kurzum zum Zauberer verklärt wird, soll ihm seine Beine wiedergeben können.
Was folgt, ist ein Reise, die den Leser stark an den nordamerikanischen Kontinent heranführt. Durch Wüste über Sumpfgebiet bis hin zu Alaska scheint Schultheiss geradezu für die Schönheit un Vielfältigkeit der Natur zu werben, vor allen Dingen, da er recht früh innerhalb der Geschichte klar macht, dass Luke sich quasi auf der Flucht vor einer selbstzerstörerischen Welt befindet und einsame Straßen den Städten vorzieht. In der Tat wird die Dreiergruppe im weiteren Verlauf mit den hässlichen Seiten der menschlichen Zivilisation konfrontiert: Ein Mädchen wird von ihrem Vater geschlagen, einem Mann die Zunge rausgeschnitten und Schwarze rassistisch beschimpft. Im Kontrast dazu zelebriert Schultheiss über viele Seiten die Schönheit und Klarheit des arktischen Eismeeres, in welchem Bill seine Erlösung sucht, körperlich wie auch seelisch.
Dass gerade diese letzten Kapitel gehörig surreal geraten sind, macht es schwer, den Comic als Ganzes einzuordnen. Der irreale arktische Trip ist für mich eine überspitzte Darstellung des Freiheitgedankens, der in diesem Werk eine übergeordnete Rolle zu spielen scheint. Bis dorthin darf Die Reise mit Bill aber eben auch als fantastisch illustriertes Roadmovie gelten, das trotz starker Anbindung ans Thema Amerika den moralischen Zeigefinger nie zu lange oben lässt und Kritik nachdenklich und subtil einstreut. Tatsächlich konzentriert sich das Geschehen auf das Verhältnis zwischen den drei Hauptprotagonisten, deren Freundschaft mit jedem gemeinsamen Erlebnis spürbar wächst.
Die Rückkehr von Matthias Schultheiss auf den deutschen Comicmarkt ist damit rundum geglückt. Und mehr noch, Die Reise mit Bill ist womöglich auch das bislang eindrucksvollste Album des Künstlers. Sicherlich ist es schon jetzt als eine der schönsten Publikationen eines deutschsprachigen Zeichners in diesem Jahr zu bezeichnen.
Die Reise mit Bill
Splitter-Verlag, Juni 2010
Text/Zeichnungen: Matthias Schultheiss
288 Seiten, farbig, Hardcover; 29,80 Euro
ISBN: 978-3-940864-05-5

Grandiose Bilder, starke Story, Matthias Schultheiss war wohl nie besser als hier!
Abbildungen © Matthias Schultheiss, der dt. Ausgabe Splitter-Verlag















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Rezensionen


Auf dem Frontcover der Rücken eines Mannes, auf dem ein weinender Jesus am Kreuz martialisch eingeritzt wurde, auf dem Backcover eine kleine Skizze, die einen Priester zeigt, der einem gebückten Kind sein Glied entgegenstreckt. Keine Frage, das neueste Comicalbum von Matthias Schultheiss ist nichts für zarte Gemüter. Einige Menschen würden es gar als geschmacklos bezeichnen, denn was der deutsche Ausnahmekünstler hier vorlegt, geht weit über sanfte Kirchenkritik hinaus. Schultheiss zündet nichts weniger ein blasphemisches Feuerwerk.
Diese Dame verwirrt einem wirklich die Sinne. Sieht man das schön gestaltete Cover mit einer verführerischen Frau und dem Titel Sukkubus,
geht man von einer erotisch gestalteten Mysteryserie aus. Ein "Sukkubus" ist schließlich ein weiblicher Dämon, der durch sexuelle
Verführung die Seelen von Männern einfängt. Das ist in diesem Comic
aber nicht der Fall. Stattdessen liegt ein ziemlich verwirrender
Historiencomic vor, der sich einem nicht so schnell erschließt.
Jedenfalls könnte der Leser auch eine Eule als Vogel der Weisheit,
der in dem Album häufig vorkommt, gebrauchen.
- 24.02.2010
Betrachtet man das ziemlich nichtssagende Cover, weiß man zunächst gar
nicht, was einen erwarten mag. Die etwas altertümlich gekleidete junge
Frau deutet auf eine historische Geschichte. Und da eine junge Frau das
Cover beherrscht, liegt der Schluss nahe, dass auch Liebe eine nicht
unerhebliche Rolle spielen wird. Nur was macht die Eule da?
- 02.10.2010