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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Samstag, 07. Mai 2011
Mit Comics zu bekannten Filmen und TV-Serien ist es ja immer so eine Sache. Nur in den seltensten Fällen erreichen sie eine ähnliche Qualität wie ihre Vorlage, meist sind sie uninteressant und uninspiriert, weil die kreativen Grenzen, in denen sich Autoren und Zeichner bewegen müssen, allzu eng gesteckt sind. Dass ausgerechnet ein Comic zur Muppet Show hier eine Ausnahme darstellen würde, stand nicht zu erwarten. Schließlich speist sich der spezielle Witz von Jim Hensons legendärer TV-Show nicht zuletzt aus der Tatsache, dass darin hyperaktive Handpuppen mit mehr oder weniger prominenten Menschen interagieren. Der Muppet-Humor lässt sich nicht ohne weiteres auf eine gezeichnete Geschichte übertragen (siehe auch die zum Glück weitgehend vergessene Zeichentrickserie Muppet Babies).
Dass der Muppet Show-Comic trotzdem überraschend gut funktioniert und eine Menge Spaß macht, liegt daran, dass Zeichner und Autor Roger Langridge bei seiner Umsetzung verdammt viel richtig macht: Zuallererst vermeidet er das Missverständnis, auf eine minderjährige Zielgruppe zu schielen. Die Muppet Show war keine Kindersendung, sondern ein Revue- und Showprogramm (bzw. deren Parodie) für erwachsene Zuschauer, nur in Deutschland lief die Sendung im Nachmittagsprogramm. Und so macht Langridge eben keinen Comic für Kinder, sondern peilt eher ältere Leser an (was nicht heißt, dass man dem Comic einen "ab 16"-Stempel aufdrücken müsste) und spielt wie das Original mit popkulturellen Referenzen und parodistischen Seitenhieben auf das Showbusiness und diverse Unterhaltungs-Genres.
Der zweite, noch wichtigere Aspekt, der zum Gelingen des Comics beiträgt, ist seine Struktur: Langridge übernimmt den Aufbau seiner Hefte direkt von der Fernsehshow. Diese war als Nummernrevue angelegt, als Mischung aus Sketchen, Showeinlagen und den berühmten TV-Parodien wie "Schweine im Weltall", "Die Tierklinik" und dem dänischen Koch. Zusammengehalten wurden jene Einzelteile vom hektischen Geschehen hinter den Kulissen des Muppet-Theaters, wo vor allem Kermit der Frosch als Strippenzieher und Chaos-Manager agierte. Meist erzählten diese Backstage-Szenen eine übergreifende Handlung, die sich durch eine komplette Episode zog. Langridge gestaltet seinen Comic 1:1 nach dem gleichen Bauplan – ein Heft der Comic-Serie entspricht einer Episode und damit einem Showabend im Muppet-Theater. Gesang- und Tanznummern fehlen ebensowenig wie kurze "Schweine im Weltall"-Episoden oder die waghalsigen Stunts von Gonzo dem Großen. Und natürlich wird alles schön gallig von Waldorf und Statler, den beiden alten Käuzen in der Loge, kommentiert.
Langridge gelingt es durch dieses enge Anlehnen ans Original, die Essenz der TV-Show zu erfassen und nahezu verlustfrei ins Medium Comic zu übertragen. Auch wenn nicht jeder Gag ein Brüller ist und nicht jede Idee zündet, macht die Muppet Show als Comic viel mehr Spaß als erwartet. Manche Details gehen zwar mit der deutschen Übersetzung verloren (obwohl Michael Bregel insgesamt einen ordentlichen Job macht), und auch der besondere Charme von Jim Hensons Puppen lässt sich nur begrenzt zu Papier bringen, aber alles in allem kommt Roger Langridge den Muppets hier so nahe wie es nur möglich ist. Dazu trägt auch sein Zeichenstil bei, der den Original-Puppen sehr treu bleibt, ohne sie allzu sklavisch nachzuzeichnen.
Ob das Experiment Muppet-Comic auch dann gelingt, wenn andere Kreative am Werk sind und man sich inhaltlich vom Konzept der Show-Revue entfernt, werden die Spin-Offs zeigen, die ebenfalls bei der Ehapa Comic Collection erscheinen werden (den Anfang mach Muppet Peter Pan im August). Die Kernserie von Roger Langridge ist jedenfalls ein großes Vergnügen für alle, die die Muppets mögen.
Schade ist nur, dass die Boom! Studios, die den Comic in den USA produziert haben, ihre Lizenz von Disney kürzlich verloren haben und die Serie dort bis auf weiteres nicht fortgesetzt wird. In Deutschland allerdings darf man sich noch auf bis zu fünf weitere Bände freuen.
Wertung: ![]()
Originalgetreue, sehr unterhaltsame und charmante Weiterführung der Muppets-TV-Serie
Die Muppet Show 1 - Applaus, Applaus, Applaaauuus!
Ehapa Comic Collection, April 2011
Text und Zeichnungen: Roger Langridge
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 9,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3465-7
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection















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Rezensionen




Mit der Pitt Pistol-Gesamtausgabe bietet sich Comiclesern
jetzt die Gelegenheit, sich einen echten Klassiker in einem sehr schön
gestalteten Buch komplett zuzulegen. Pitt Pistol ist die Comicserie, die die
erste längere Zusammenarbeit von René Goscinny und Albert Uderzo - einige Jahre,
bevor die beiden den legendären Kulthit Asterix entwickelten und über lange
Zeit betreuen sollten.
In Retrospektive betrachtet haben die Schweizer im vergangenen Jahr
nicht gerade zur Verbesserung ihres Ansehens in Europa beigetragen.
Nicht nur der Volksentscheid zum Minarett-Verbot, sondern auch die
nicht ganz unumstrittene Festnahme von Roman Polanski, haben die
Eidgenossen und ihre hoch gelobte Neutralität schlecht aussehen lassen.
Anstatt diese Großereignisse aufs Korn zu nehmen, richtet der
Comiczeichner Ruedi Widmer seinen Blick lieber auf den Schweizer Alltag
und seine Individuen. Durch diese Hintertür gelingt es ihm, neben den
Marketingstrategien der Schweizer Post und neuen Handyangeboten zum
Schluss doch noch kritische Themen, wie eben den Minarettbeschluss,
humoristisch zu hinterfragen. Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt erscheint seit 2000 als wöchentliche Comic-Kolumne in der Winterthurer Zeitung Der Landbote
und liegt nun in gebundener Form vor (Sewicky Verlag). Widmer beweist
in dieser Sammlung, dass Selbstreflexivität sehr wohl ein Schweizer Gut
ist.
Lange musste man hierzulande auf die Veröffentlichung der
US-Kultreihe The Goon
warten, nun liegt der erste Sammelband der
bereits fünffach
mit dem Eisner Award ausgezeichneten Serie auf Deutsch und in
gewohnter Cross Cult-Aufmachung im A5-Hardcover vor.
Es gibt Zeichner und Autoren, von deren Werken man gar nicht genug
bekommen kann und am liebsten sofort den nächsten Comic oder
das nächste Buch lesen muss. Fernab von der Welt der
Comics lässt sich dieses Phänomen sicherlich am besten bei J.K.
Rowlings Harry Potter-Reihe wiederfinden. Mit großem Eifer haben Horden
von Jugendlichen und Erwachsenen die Bücher gelesen und gierig
jeden neuen Band herbeigesehnt. Und dann gibt es da noch Eugen Egner, den
Meister des grotesken Humors (entsprechende 
Beispiel: es gibt im Original eine Menge rabenschwarzen Humor, wie z. B. dass ein Monster ein kleines Wesen genüsslich auffrisst und den Frank-Sinatra-Hit "I've Got You Under My Skin" croont.
Dieser Art Humor ist für Kinder ABSOLUT ZU HEAVY, da beißt die Maus keinen Faden ab (selbst mit Hilfe des blauen Elefanten)