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von Jons Marek Schiemann Samstag, 02. Oktober 2010
Wer die beiden Schöpfer dieses Bandes kennt, kann sich auch nicht in Sicherheit wiegen, da die beiden gerne verschiedene Genres miteinander vermischen. Der Zeichner Patrick Prugne ist vor allem durch sein großformatig gemaltes Werk Canoe Bay bekannt und machte auch schon mit Fol auf sich aufmerksam. Beides Comics, die im historischen Genre angesiedelt sind. Autor Tiburce Oger hat sich mit Serien wie Gorn, Lady Gorge und Die Fährte der Dämonen auf historische Stoffe spezialisiert, die eine gehörige Prise Mystery beinhalten (mit Prugne hat Oger im Übrigen schon bei Canoe Bay zusammen gearbeitet). Und genau das ist hier der Fall. Eine in einem historischen Setting angesiedelte Mysterygeschichte, angerührt mit einer Liebesaffäre. Und man kann als Leser froh sein, dass der Splitter-Verlag diese Serie in seinem "Book"-Format veröffentlicht und somit alle Folgen gesammelt auf den Markt bringt. Denn man kann diesen Band einfach nicht beiseite legen.
Dabei halten sich die Schöpfer relativ nah an die literarische Tradition der Gothic Novel, etwa indem sie vorgeben, dass ihre Erzählung auf dem Manuskript eines französischen Autors namens Edgar Saint-Preux basiert. Indem sie als Urheber eine angeblich existierende Person angeben, machen sie die Geschichte einerseits wahrscheinlicher, da es sich vermeintlich um einen Erlebnisbericht handelt, andererseits können sie sich hinter diesem, vermutlich fiktiven, Charakter verstecken. Ein beliebtes Stilmittel der Schauerliteratur. Viele Geistergeschichten wurden angeblich den Autoren von Augenzeugen erzählt und so wird die Wahrheit behauptet und gleichzeitig abgemildert. Dabei hätten Prugne und Oger dieses Spielchen gar nicht nötig. Ihre Geschichte folgt ganz der literarischen Tradition, wobei der zu Unrecht relativ unbekannte Autor W. H. Hodgson sie beeinflusst haben dürfte.
Manchmal läuft die Story jedoch etwas holprig ab. So ist der Stimmungswandel der Dorfbevölkerung gegenüber der Heldin Irena etwas abrupt. Auch die Rolle des Pfarrers und des Kapitalismus (ein bisschen Sozialkritik kann sich Oger nicht verkneifen) hätten noch stärker herausgearbeitet werden können. Dass dem nicht so ist, ist vor allem der Erzählperspektive geschuldet. Diese kleinen Makel werden aber dadurch wettgemacht, dass nicht alle Fragen beantwortet werden. Das ist aus zweierlei Gründen sehr geschickt: Erstens passt es zu der Erzählperspektive, da der Erzähler nicht allwissend ist. Zweitens hinterlässt dieser Aspekt zugleich ein Unsicherheitsgefühl, welches die Phantasie anregt und den Leser noch stärker in die Geschichte hineinzieht.
Da die Splitter Books mehrere Einzelbände einer Serie zusammenfassen, kann man hier auch gut die Veränderungen im Stil des Zeichners nachvollziehen. Schließlich verging einige Zeit zwischen der Fertigstellung der Originalbände. Im ersten Band der Serie, also dem ersten Drittel der deutschen Ausgabe, sind die Zeichnungen noch recht detailreich, da dort die Arbeit mit der Tusche überwog und das Aquarell wohl hauptsächlich für die Kolorierung benutzt wurde. Später erstellte Prugne seine Bilder direkt mit der Aquarelltechnik, was auf Kosten der zeichnerischen Details geht, aber zu sehr stimmungsvollen Meer- und Landschaftszeichnungen führt. Auch die Lichtakzente sind sehr gut gesetzt und bauen geschickt die jeweilige Erzählatmosphäre aus. Gerade auch die Horrorszenen werden durch den Einsatz grüner Farbtöne verstärkt. Und da fast jedes Panel aus einem anderen Blickwinkel gezeichnet ist, gewinnt die Comicerzählung ein hohes Tempo und eine große Dynamik.
Die Herberge am Ende der Welt
Splitter Verlag, August 2010
Text: Tiburce Oger
Zeichnungen: Patrick Prugne
Hardcover mit Schutzumschlag, 144 Seiten, farbig; 19,80 Euro
ISBN: 978-3-940864-08-6

Sehr spannende, einfühlsame und atmosphärische Mysterygeschichte, die den Leser nicht mehr loslässt und das Meer riechen lässt
Abbildungen © Splitter Verlag















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Rezensionen

Ein unter mysteriösen Umständen geborenes Waisenkind, das im Schoß eines Jägerclans aufwächst und als Jugendlicher unheimliche Kräfte entwickelt. Dazu zwei Parteien, die jene Kräfte für ihre eigennützigen Zwecke verwenden wollen. Das klingt nicht gerade neu und könnte Stoff für eine generische 08/15-Fantasygeschichte sein, wie es sie seit Jahrzehnten zuhauf gibt. Dass "Blutsteine" und "Wo Sich die Wege Kreuzen", die ersten beiden Bände der Comic-Trilogie Kind des Blitzes, dennoch frisch daherkommen, liegt an der äußerst gelungenen Umsetzung des Themas.
... und andere Geschichten."
Vielschreiber Christophe Bec (Carthago, Finsternis, Prometheus) hat mal wieder eine neue Serie aus der Taufe gehoben. Diesmal zusammen mit Stéphane Betbeder, der ihn als Szenarist und Texter unterstützt. Bec bewegt sich auch bei dem auf fünf Bänden angelegten Bunker auf bewährtem, sprich Sci-Fi-Terrain.