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von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 30. Januar 2013
Der Autor Jose-Louis Bocquet und die Zeichnerin Catel Muller haben vor nicht allzu langer Zeit schon mit Kiki de Montparnasse (Carlsen Verlag) Aufsehen erregt. Ihr neues Werk Die Frau ist frei geboren – Olympe de Gouges hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Vorgänger. Die beiden Comics sind sich nicht nur aufgrund der hohen Qualität ähnlich, sondern auch darin, dass hier wie dort eine starke und außergewöhnliche Frau portraitiert wird. Dabei sind beide, Kiki de Montparnasse und Olympe de Gouges, hierzulande wenig bekannt, aber offensichtlich in Frankreich ein Begriff. Angesichts der zwei Comicbiographien kann man das auch gut verstehen, denn beide haben nicht nur spannende Leben geführt, was sie natürlich für eine Biographie schon an sich prädestiniert, ihre Leben sind auch untrennbar mit den sozio-historischen Gegebenheiten verknüpft.
Was besonders in der hier vorliegenden Biographie von Olympe de Gouges deutlich wird. Ihr ganzes Wirken ist untrennbar mit der französischen Geschichte verknüpft. Geboren 1748 als uneheliches Kind einer Bürgerlichen und eines Adligen, was eine Heirat der Eltern aufgrund der Standesunterschiede unmöglich machte, lernt sie aus erster Hand die Machtlosigkeit der Frau unter den damaligen Verhältnissen kennen. Was an sich noch nichts Besonderes ist, da es jeder Frau so erging. Als Olympe früh zur Witwe wird, nutzt sie eine neue Bekanntschaft, um nach Paris zu ziehen. Und hier beginnt das Besondere: In der Hauptstadt lernt sie nämlich viele berühmte und ihre Epoche prägende Menschen kennen. Olympe beginnt selber zu schreiben, wird aber immer wieder auf ihr Frausein reduziert, was in ihr das Bedürfnis weckt, für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Allerdings bringt ihr Kampfesmut sie während der Französischen Revolution ein ums andere Mal in Gefahr und mit Robespierre gewinnt sie einen gefährlichen Feind.
Mit dem 480 Seiten starken Comic legt der Splitter Verlag seinen bislang dicksten Band vor, welcher aber immer noch zu kurz ist – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Einerseits zu kurz, weil man immer weiterlesen möchte, andererseits zu kurz, weil so manche Figuren und historische Rahmenbedingungen unklar bleiben. Dadurch fällt dem Leser ein ums andere Mal die historische Einordnung schwer. Vor allem, wenn man in der französischen Historie nicht sonderlich firm ist, auch was Literaturgeschichte und Philosophie betrifft. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, dass die vielen, vielen Figuren manchmal zumindest graphisch nicht auseinanderzuhalten sind (dafür sind die angehängten Biographien eine schöne Ergänzung). Diese beiden Aspekte sind jedoch die einzig negativen.
Natürlich ist es schwierig, ein so prall gefülltes Leben wie das der Olympe de Gouges in einer Biographie zusammenzufassen. Da muss man verdichten und verzichten, verknappen und manches nur anreißen. Wenn es aber ansonsten gelingt, macht man damit Lust auf mehr und das ist hier der Fall. Denn Olympe de Gouges stand in direkter Verbindung zu der damaligen Politik, mischte sich ein, war im Literaturbetrieb tätig und geriet in die direkten und gefährlichen Wirren der Politik. Man hätte sich jetzt allein auf die Fakten konzentrieren können, aber dabei belassen es Bocquet und Muller nicht, sondern schildern auch den Charakter dieser mutigen, bisweilen zur Leichtsinnigkeit neigenden Frau und wie sie zu der wurde, die sie war.
Damit geben sie auch Erklärungen, die sich aber glücklicherweise jeglicher platter Psychologisierung enthalten, und stellen eher Schlüsselmomente dar. Mit dieser Herangehensweise schaffen es die Autoren, dass sich der Leser der Protagonistin nahe fühlt. Die Schöpfer plakatieren nicht, sondern bringen uns in ihrer Auswahl die Person Olympe de Gouge näher. Da wird etwa faktisch eine Begebenheit geschildert und dann reicht oftmals ein Bild, um aufzuzeigen, was die Episode für Olympe bedeutet hat. Zudem halten sich die Autoren auch in der politischen Richtung zurück und so ist das Portrait einer frühen Feministin kein feministisches Pamphlet geworden, sondern schildert vielmehr die Umstände, unter denen der Feminismus entstand.
Zwar war Olympe in mancherlei Hinsicht durchaus privilegiert, was ihr einen recht angenehmen Status verschaffte, um ihren Kampf aufzunehmen, aber nur so hatte sie auch Zugang zu einflussreichen anderen Menschen. Hier liegt eine wahrlich gelungene Biographie vor, die nicht aufdringlich deutet, sondern durch die graphischen Mittel Deutungen anregt, während der Text eher faktenorientiert bleibt, was dem Leser Raum für eigene Meinungen gibt. Und der Comic macht deutlich, dass eine individuelle Biographie nicht von der Historie und den sozialen Umständen losgelöst betrachtet werden kann.
Wertung: ![]()
Ein prall gefülltes Leben ist in einer Biographie immer schwer zu greifen, aber hier gelingt das Kunststück
Die Frau ist frei geboren – Olympe de Gouges
Splitter Verlag, Januar 2013
Text: Jose-Louis Bocquet
Zeichnungen: Catel Muller
Übersetzung: Resel Rebiersch
480 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: 36,80 Euro
ISBN: 978-3-868
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen



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