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von Benjamin Vogt Montag, 02. März 2009

 Paul Hornschemeier dokumentiert einen Besuch bei seinen Eltern, während dessen er an einem Comic zeichnet, der ihm einfach nicht gelingen will. Immer wieder verwirft er die Seiten und sieht sich mit der Frage konfrontiert, wohin seine Geschichte um einen Jungen, der ebenfalls Paul heißt und einen Zauberbleistift besitzt, eigentlich führen soll. Während seines Aufenthaltes schweifen Hornschemeiers Gedanken aber auch immer wieder in seine Jugend ab.

In Flashbacks wird eine in der Kindheit erlebte Prügelei lebhaft dargestellt und fügt sich in Pauls momentane Realität ein. In Die Drei Paradoxien führt der Autor den Leser aber noch weiter in seine Biografie, etwa wenn ihm plötzlich die Erinnerung an den dramatischen Unfall eines früheren Mitschülers überkommt oder er in einem Exkurs den Lieblingscomic aus seiner Jugend, „Zeno und seine Freunde“, einbaut.

Hauptmotiv bilden aber drei Erzählebenen, die drei Paradoxien, die sich permanent überschneiden. Hornschemeier grenzt diese auch optisch klar voneinander ab, weshalb der kindliche Comic um Paul und den Zauberbleistift, an dessen Fertigstellung er im Laufe des Bandes verzweifelt, als grob skizzierter Entwurf ohne Schattierungen oder Farbe erscheint, während die Szenen von Pauls jugendlicher Sommererinnerung in grob gerastertem Retrolook daherkommen. Im Kontrast zu diesen beiden Ebenen bildet die Gegenwart mit ihrer realistischen, aber bezeichnenderweise nüchternsten Optik den übergreifenden Rahmen des Buches, der die einzelnen Versatzstücke zusammenhält. So ist die Handlung letztlich ein aus mehreren Ebenen bestehendes Experiment, das versucht zu zeigen, inwieweit Gedanken und Erinnerungen unser momentanes Handeln beeinflussen.

Seite aus der US-Ausgabe Besonders bemerkenswert ist der siebenseitige, originalgetreue "Abdruck" eines der fiktiven Comics von Zeno, der als Philosoph in der Antike einen Vortrag über seine Theorien von Distanz, Bewegung und Veränderung hält und seine Kollegen über die drei Paradoxien aufzuklären versucht.

Paul Hornschemeiers Die Drei Paradoxien ist sicherlich kein einfaches Buch, da darin bewusst die Grenze zwischen biografischen und fiktiven Momenten verschwimmen soll. Trotzdem gelingt es dem Autor wie schon in seiner Graphic Novel Komm zurück, Mutter, Stimmungen zu vermitteln und den Leser tief in die Gefühlswelt seiner Charaktere eintauchen zu lassen. Wie viel von Hornschemeier selbst in diesem Band wiederzuentdecken ist, muss aber schließlich jeder selbst für sich entscheiden.

 

Die drei Paradoxien
Carlsen Graphic Novel,  Januar 2009
Text und Zeichnungen: Paul Hornschemeier
80 Seiten; Farbe; Hardcover; 16,90 €
ISBN 978-3-551-73436-5

ungewöhnlich, paradox, lebensnah

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Abbildungen © Paul Hornschemeier / Carlsen Verlag



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