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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Sonntag, 18. Juli 2010
Die Bielefeld Verschwörung dreht den Spieß um: hier wird nicht behauptet, Bielefeld existiere nicht. Stattdessen haben fiese Finsterlinge in Bielefeld ihr Hauptquartier errichtet, von dem aus sie die Weltherrschaft oder ähnliches anstreben. Die Stadt wird mehr und mehr von der Außenwelt abgeschottet, was die Bielefelder aber nicht mitbekommen. Nur ein misstrauischer Professor namens Wanstohn riecht den Braten und stellt Nachforschungen an. Dabei helfen ihm drei Studenten, denen keine Mission zu gefährlich ist.
Aus dieser Prämisse macht Autor Thomas Walden, der als Medienwissenschaftler an der Uni Bielefeld lehrt, eine wilde Farce, bei der die titelgebende Verschwörung gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Sein Film, beziehungsweise sein Roman und sein Comic sind eher eine Parodie auf Agentenfilme à la James Bond, nur dass er an die Stelle des Superspions ein studentisches Kumpeltrio setzt, das ein wenig an die Drei Fragezeichen erinnert. Ansonsten findet man die üblichen Zutaten: fiese Superschurken und skrupellose Handlanger, attraktive Damen und falsch spielende Verräter, umotivierte Handlungssprünge von einem Land zum anderen und wieder zurück. Allzu originell ist das alles nicht geraten, wenn man mal vom Handlungsort Bielefeld absieht. Für einen guten Thriller ist Die Bielefeld Verschwörung nicht spannend genug, für eine gelungene Satire nicht witzig genug.
Der Plot ist arg holprig geraten, leidet unter allerlei Logiklöchern und Sprüngen in der Handlung, die es dem Leser schwer machen, der Geschichte zu folgen. Möglicherweise funktioniert das im Film und im Roman besser – falls ja, ist die Adaption zum Comic nicht gut gelungen. Hier wird nie so richtig klar, wer warum welche Ziele verfolgt, wieso die Handlung plötzlich nach Griechenland verlagert wird, nur um wenig später abrupt wieder zurück nach Deutschland zu springen, und was das eigentlich alles mit Bielefeld zu tun hat.
Zeichnerisch hat diese Adaption durchaus ihren Reiz: Im Gegensatz zu den überflüssigen Comicvarianten großer Hollywood-Filme, die meist versuchen, möglichst realistisch den Look des Films nachzuahmen, bringt Zeichner Embe (der aus der Nähe von Bielefeld stammt) seine ganz eigene Note in das Projekt. Sein Zeichenstil geht eher in Richtung Cartoon und fällt vor allem dadurch aus dem Rahmen, dass alle seine Protagonisten zwei unterschiedlich große Augen haben (ein Merkmal, das auch auf seine anderen Comic, wie z.B. seine Beiträge in Perry - Unser Mann im All) zutrifft. Lediglich die immer wieder eingestreuten Ansichten von lokalen Gebäuden oder Plätzen sind realistisch und wirklichkeitsnah, ansonsten reagiert Zeichentrick-hafte Vereinfachung, die in ihren besten Momenten an die Simpsons erinnert.
Die Bielefeld Verschwörung hat einen interessanten Ansatz und eine originelle grafische Umsetzung, kann aber als Geschichte nicht überzeugen. Zu holprig ist die Story, zu schablonenhaft die Figuren, zu lahm die Gags (Nur ein Beispiel: Die Frauen im Comic heißen Luci Fair und Rita Lihn. Wirklich.). Für Menschen in und um Bielefeld (sollte die Stadt denn tatsächlich existieren) hat dieses multimediale Paket sicher seinen Reiz, was vor allem am Lokalkolorit liegt. Der Nicht-Bielefelder dagegen bleibt eher unbeeindruckt.
Die Bielefeld Verschwörung
Pendragon Verlag, Mai 2010
Text: Thomas Walden
Zeichnungen: Embe
88 Seiten, Softcover, schwarz-weiß, 10,95 Euro
ISBN: 978-3-86532-199-2
Nette Idee, durchwachsene Ausführung.
Abbildungen: Embe, Pendragon Verlag















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Die Macher dieses Undergroundcomics dürften manchen Lesern vielleicht von der Internetseite myComics bekannt sein. Auch in der zugehörigen gedruckten Comicanthologie waren Steff Murschetz und Elbe-Billy mit einigen Geschichten vertreten, und diese gehörten mit zu den besten in dem Band. Beide sind jedenfalls recht rührig in der Undergroundszene unterwegs. Der unheimliche Kakerlak fristete sein Schabendasein bislang im Internet und nahm an einem Wettbewerb teil, wo er den Publikumspreis gewinnen konnte. Jetzt liegt zum ersten Mal auch ein gedruckter Comic mit diesem ungewöhnlichen, nunja, Helden vor.
Das Cover gibt das Programm vor: oben ein grimmiger, behelmter Kopf und
unten eine Kutsche in wilder Fahrt durch einen Canyon. Dort ein Zwerg
und hier eine Westernkulisse. Beim Lesen entpuppt sich der Band auch
als eine Mischung der zwei Filme Herr der Ringe und Zwei glorreiche Halunken. Aus Herr der Ringe
ist die äußerliche Ahnlehnung des Zwerges an seinen „Kollegen“ Gimli
und der klassische Western von Sergio Leone mit Clint Eastwood wird
nicht nur auf den Handlungsebenen zitiert, sondern auch in den Dialogen.
- 30.03.2010
Wenn man über Religionsgrenzen hinaus Humor betreibt, muss der
jeweilige Künstler auf Kritik nicht lange warten: Der Vorwurf der
Missachtung der kulturellen Besonderheiten oder gar Blasphemie kann
einem vorgeworfen werden. Wir erinnern uns, nur welchen politischen
Aufruhr die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten erzeugt haben. Nun hat die freischaffende Künstlerin Eva Schwingenheuer in ihrem Buch mit dem schlichten Titel Burka den Versuch unternommen, sich
der Bekleidung der vollverschleierten Muslima von außen zu nähern. Sie lädt die Leser
nicht nur zum Rätseln ein, was sich da für Konturen unter dem "großen
Schwarzen" abzeichnen, sondern kritisiert - wenngleich auch etwas
ungestüm - diese Form der Vollverschleierung.
- 09.09.2009
Es gibt Zeichner und Autoren, von deren Werken man gar nicht genug
bekommen kann und am liebsten sofort den nächsten Comic oder
das nächste Buch lesen muss. Fernab von der Welt der
Comics lässt sich dieses Phänomen sicherlich am besten bei J.K.
Rowlings Harry Potter-Reihe wiederfinden. Mit großem Eifer haben Horden
von Jugendlichen und Erwachsenen die Bücher gelesen und gierig
jeden neuen Band herbeigesehnt. Und dann gibt es da noch Eugen Egner, den
Meister des grotesken Humors (entsprechende
Die französischen Künstler Pascal
Rabaté und David Prudhomme sind spätestens seit diesem
Jahr dem
deutschsprachigen Comicleser nicht mehr unbekannt. Von beiden wurde
unlängst je
ein Werk bei Reprodukt veröffentlicht, zum einen Rabatés Bäche und
Flüsse, zum
anderen Prudhommes Rembetiko. Die Plastikmadonna, eine Kollaboration,
erschien
nun bei Carlsen unter dem großzügig bedientem Graphic-Novel-Label.
- 08.08.2010