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von Jons Marek Schiemann Dienstag, 18. Januar 2011

alt

kakerlak_cover Die Macher dieses Undergroundcomics dürften manchen Lesern vielleicht von der Internetseite myComics bekannt sein. Auch in der zugehörigen gedruckten Comicanthologie waren Steff Murschetz und Elbe-Billy mit einigen Geschichten vertreten, und diese gehörten mit zu den besten in dem Band. Beide sind jedenfalls recht rührig in der Undergroundszene unterwegs. Der unheimliche Kakerlak fristete sein Schabendasein bislang im Internet und nahm an einem Wettbewerb teil, wo er den Publikumspreis gewinnen konnte. Jetzt liegt zum ersten Mal auch ein gedruckter Comic mit diesem ungewöhnlichen, nunja, Helden vor.

Man merkt es Steff Murschetz und Elbe-Billy an, dass sie ein Faible für das Golden Age der Superhelden haben. Denn diese werden hier parodiert. Die Zeichnungen der Figuren sind sehr kantig und eckig und erinnern stellenweise schon fast an einen Jack Kirby. Aber nur fast: denn da der Comic, ebenso wie sein Held, dem Underground entstammt, können sich die Macher auch einiges erlauben, ohne auf den Massengeschmack oder auf die Veröffentlichungspolitik eines großen Verlagshauses Rücksicht nehmen zu müssen.

Die Parodie kommt dann auch stellenweise deftig daher. Nicht nur lebt der Held, von seinem Aussehen her ein bisschen an Marvels Ant-Man erinnernd, mit seinem Sidekick, einem riesigen Alligator namens Kanalligator, in einem Abwasserkanal und hat damit herzlich wenig Heldenhaftes an sich, sondern es wird auch nicht mit brutaler Gewalt und Sex gespart. Der Held wird vergewaltigt und es fliegen die Körperteile munter durch die Gegend. Das entbehrt aber nicht einer gewissen Komik – der Humor ist so trocken und schwarz wie der berühmte Sand der Insel Gomera.

alt Zumindest eine Szene könnte dann auch gewisse Kastrationsängste wecken und manchen Damen dazu dienen, ihre Männer zu Sitzpinklern zu erziehen. Ein richtig roter Faden in der Story fehlt aber. Es werden kurze Geschichten erzählt, die zum einen die tragische Vergangenheit des Helden behandeln (und das Klischee der fernöstlichen Kampfausbildung parodieren), wobei das einzige verbindende Element der Erzfeind des Helden ist. Alle bekannten Elemente eines Superheldencomics (Erzfeinde, Experimente, geheime Identität, Schutz der Schwachen, besondere Fähigkeiten) sind hier vereint, aber der Held selbst bleibt sehr blass. Die Parodie ergibt sich aus der großen Übersteigerung von Gewalt und Sex und aus Storyelementen, die man nur noch aus Pulpmagazinen kennt, wie zum Beispiel das verschwundene Nazigold.

Die Zeichnungen sind sehr dynamisch, schnelle Wechsel und viele Close-Ups schaffen ein hohes Tempo. Ganz in der Tradition der Superheldencomics werden die Panels auch großzügig gestaltet und Speedlines und Splashpanels benutzt. Auch hier neigen die Schöpfer zur parodistischen Übertreibung.

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Wertung: 5 von 10 Punkten

"Schöne", gewalthaltige Superheldenparodie, die aber leider keinen roten Faden hat.

 

Der unheimliche Kakerlak
Undergroundcomix.de, 2010
Text: Steff Murschetz
Zeichnungen: Elbe-Billy / Steff Murschetz
144 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 10,00 Euro
 
Leseprobe

 Jetzt beim Fachhändler Comic Combo anschauen und bestellen!   

Abbildungen © Steff Murschetz und Elbe-Billy

Steff Murschetz / Elbe-Billy: Der unheimliche Kakerlak

Die Macher dieses Undergroundcomics dürften manchen Lesern vielleicht von
der Internetseite MyComics bekannt sein. Auch in der zugehörigen gedruckten
Comicanthologie waren die beiden, Steff Murschetz und Elbe-Billy, mit einigen
Geschichten vertreten. Und die gehörten mit zu den besten in der Anthologie.
Beide sind jedenfalls recht rührig in der Undergroundszene unterwegs. Oder
noch besser: ein starker Bestandteil. „Der unheimliche Kakerlak“ fristete sein
Schabendasein bislang auch im Internet und nahm an einem Wettbewerb teil, wo er
den Publikumspreis gewinnen konnte. Jetzt liegt das erste Mal auch etwas gedruckt
von diesem ungewöhnlichen Helden (naja) vor.

Man merkt es Steff Murschetz und Elbe-Billy an, dass sie ein Faible für das Golden
Age der Superhelden haben. Denn sie parodieren diese hier. Die Zeichnungen
der Figuren sind sehr kantig und eckig und erinnern stellenweise schon fast an
einen Jack Kirby. Aber nur fast. Denn da der Comic, ebenso wie sein Held, dem
Underground entstammt, können sich die Macher auch einiges erlauben, ohne
auf den Massengeschmack oder auf die Veröffentlichungspolitik eines großen
Verlagshauses Rücksicht nehmen zu müssen.

Die Parodie kommt dann auch stellenweise deftig daher. Nicht nur lebt der Held,
von seinem Aussehen her ein bisschen an Marvels Ant-Man erinnernd, mit
seinem Sidekick, einem riesigen Alligator mit dem Namen Kanalligator, in einem
Abwasserkanal und hat damit herzlich wenig Heldenhaftes an sich, sondern es
wird auch nicht mit brutaler Gewalt und Sex gespart. Der Held wird vergewaltigt
und es fliegen die Körperteile munter durch die Gegend. Das entbehrt aber nicht
einer gewissen Komik und der Humor ist so trocken und schwarz wie der berühmte
Sand der Insel Gomera. Zumindest eine Szene könnte dann auch gewisse
Kastrationsängste wecken und manchen Damen dazu dienen, ihre Männer zu
Sitzpinklern zu erziehen. Ein richtig roter Faden in der Story fehlt aber. Es werden
kurze Geschichten erzählt, die zum einen die tragische Vergangenheit des Helden
behandeln (und das Klischee der fernöstlichen Kampfausbildung parodiert) und als
einziges verbindendes Element einen Erzfeind haben. Alle bekannten Elemente
eines Superheldencomics (Erzfeinde, Experimente, geheime Identität, Schutz der
Schwachen, besondere Fähigkeiten) sind hier vereint, aber der Held bleibt selber
sehr blass. Die Parodie ergibt sich aus der großen Übertreibung von Gewalt und Sex
und von manchen Storyelementen, die man nur noch aus Pulpmagazinen kennt, wie
z.B. das verschwundene Nazigold.

Die Zeichnungen sind sehr dynamisch und in schnellen Wechseln und in vielen
Close-Ups wird ein hohes Tempo geschaffen. Ganz in der Tradition der Superhelden
werden die Panels auch großzügig gestaltet und Speedlines und Splashpanels
benutzt. Auch hier neigen die Schöpfer zur parodistischen Übertreibung.

Jons Marek Schiemann

Kurzkritik: Die Gewalt in dem Band ist eher etwas für Erwachsene. Ansonsten

eine „schöne“ Superheldenparodie, die aber leider keinen roten Faden hat. Dadurch
will der Funke nicht so richtig überspringen. Aber ein gelungener Undergroundcomic.

Punkte: Fünf

Der unheimliche Kakerlak

Autor: Steff Murschetz, Zeichner: Elbe-Billy / Steff Murschetz

Undergroundcomix.de, Oberhausen 2010

Euro: 10,00


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