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von Benjamin Vogt Donnerstag, 03. Februar 2011

Paris, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Ein Phantom mit schrecklicher Fratze sucht die derschwarzemann Metropole heim. Das von der Bevölkerung und der Presse als „Der Schwarze Mann“ betitelte Wesen erscheint nachts gewissen Personen, darunter Schriftsteller, Journalisten oder Politiker, um deren Karrieren in die richtige Bahn zu lenken. Die Identität des Besuchers ist dabei ebenso mysteriös wie sein Motiv.

Schnell wird der düstere Antagonist der Erzählung zum Ziel polizeilicher Ermittlungen, doch die wahren Hintergründe sind schwerer aufzudecken als es den Anschein hat. Denn mittlerweile feiert eine Romanreihe über den Schwarzen Mann große Erfolge und es ergibt sich unweigerlich die Frage, in welchem Zusammenhang diese mit dem realen Terror zu tun hat, von dem Paris heimgesucht wird.

Zudem wird von einer anderen Seite das Auftauchen des Schwarzen Mannes zu einem ganz anderen Zweck instrumentalisiert. Denn unter dem Deckmantel dessen Präsenz geschehen Morde, die ihm womöglich zu Unrecht angelastet werden.

Im Zentrum all dieser Machenschaften steht natürlich die Frage nach der Identität, deren Auflösung man auch tatsächlich am Ende erhält. So richtig schlüssig erscheint diese zwar nicht, aber spätestens nach dem ersten Kapitel dürfte man auch nicht mehr erwartet haben. Die Spannung bezieht dieser Comic vom französischen Künstlerduo Antoine Maurel und Hamo vor allem aus der völligen Ahnungslosigkeit, mit der sich der Leser zu Beginn konfrontiert sieht: Ist der Schwarze Mann ein Verbrecher? Der Teufel, der einem ins Gewissen redet? Oder gar reine Einbildung, die Manifestation einer Romanfigur (eine Idee, die bereits im empfehlenswerten Comicalbum Mit fremder Feder auftaucht)?

Die Auflösung ist recht profan und wird zu alledem auch noch unplausibel und wenig kreativ präsentiert. Auch insgesamt mangelt die Handlung, die sich über drei französische Originalalben erstreckt, deutlich an Spannungsmomenten. Der Reiz, das Rätsel um die Identität des mysteriösen Hauptcharakters unbedingt erfahren zu wollen, ist spätestens nach 20 bis 30 Seiten verschwunden. Zu oft wiederholen sich die Auftritte des Schwarzgekleideteten und zu häufig echauffiert sich dieser in pseudoklugen Weisheiten, ohne wirklich etwas Wichtiges zu sagen. Dazu passt auch, dass Hamos Bilder sehr austauschbar wirken. Mit einer genialen Story würde man die eine oder andere Szene sicher in Erinnerung behalten, mit der vorliegenden seichten Erzählung dürfte auch die solide Zeichenkunst des Bandes schnell in Vergessenheit geraten.

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Wertung: 4 von 10 Punkten

Vor diesem Schwarzen Mann braucht die Konkurrenz auf dem Comicmarkt keine Angst zu haben, die knapp 35 Euro kann man vermutlich anderweitig besser investieren

 

Der Schwarze Mann
Ehapa Comic Collection, Januar 2011

Text: Antoine Maurel
Zeichnungen: Hamo
144 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 34,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3425-1

Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection



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