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von Benjamin Vogt Dienstag, 17. November 2009
Kein Wunder also, dass der omnipräsente Comickünstler Joann Sfar (Die Katze des Rabbiners, Klezmer, Donjon), einer der renommiertesten europäischen Zeichner der Neuzeit, sich des Stoffes angenommen und die Vorlage in einen Comic verwandelt hat. Der Grundton bleibt bei seiner Adaption erhalten, insbesondere die Handlung an sich wirkt geradezu streng originalgetreu:
Ein Pilot stürzt in der Wüste ab und begegnet dabei dem kleinen Prinzen; ein grüngekleideter Junge, der nach eigenen Angaben von einem anderen Planeten stammt. Er freundet sich mit dem Piloten an und erzählt ihm seine Geschichte. Wie er von seinem winzigen Asteroiden auszog, um nach anderen Lebewesen zu suchen; wie er auf illustre Gestalten trifft, die sich über befremdliche Eigenschaften definieren. So etwa ein arroganter König, der ohne Untertanen lebt oder der eitle Mann, der einfach nur bewundert werden will. Beide sind einsam, verdienen jedoch nicht die Freundschaft des kleinen Prinzen, der nach den Begegnungen stetig weiter zieht. Erst ein sympathischer Fuchs kann den Prinzen für sich gewinnen, und eben der Pilot, der, nachdem er die Geschichte gehört hat, schließlich zum Erzähler dieses Bandes werden soll.
Joann Sfar änderte die Vorlage zwar inhaltlich kaum ab, wohl aber die Form der Darbietung für den Leser: Während in Saint-Exupérys Werk die erzählende Form dominiert, stehen bei Sfars Umsetzung die Dialoge im Vordergrund. Das liegt natürlich auch daran, dass bereits viele Details über die Bilder vermittelt werden, diese dem Leser also nicht unbedingt nochmals beschrieben werden müssen. So hält Sfar am Inhalt fest, macht durch seine typische Zeichenart und dem Schwerpunkt auf den Konversationen zwischen dem Prinzen und den anderen Figuren aber eine runde Comicerzählung. Das Ergebnis hat nichts von dem Charme des Originals eingebüßt, sondern liest sich abermals als modernes Märchen, das auf spielerische Weise der Frage nach Menschlichkeit und Freundschaft nachgeht.
Dass der Künstler hier eine starke Adaption abliefert, ist sicherlich nicht verwunderlich: Sfar und Der kleine Prinz, das passt einfach wunderbar. Würde man die Vorlage nicht kennen, man würde sofort glauben, dass die Geschichte komplett von ihm erdacht wäre. Zumal bereits beim Durchblättern sein variantenreicher Stil auffällt, diesmal eher gediegener und weniger abstrakt. Eben prädestiniert für Jung und Alt.
Ich dachte ja ursprünglich, dass der Comicband nur lose auf Der kleine Prinz basiert und Sfar eine völlig andersartige Interpretation abliefert. Im Nachhinein bin ich aber glücklich, dass genau das nicht der Fall ist. Vielmehr wird die Erzählung würdevoll in das Medium Comic übersetzt. Das Ergebnis birgt viel vom Charme des Zeichners, vermittelt aber auch die Poesie und die Tiefe der Vorlage. Alles in allem ist Der kleine Prinz ohnehin zeitlos, auch wenn man das Gefühl hat, dass ihm mit diesem Comic ein frischer Anstrich zuteil wurde.
Bei Carlsen gibt es eine Leseprobe und einen Trailer.
Der kleine Prinz
Carlsen, Oktober 2009
Adaption/Zeichnungen: Joann Sfar
112 Seiten, HC; 14,90 Euro
ISBN 978-3-551-77795-9















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Wenn Robert Crumb, Comiclegende und Urvater der Underground-Comix, nach
jahrelanger Funkstille wieder ein neues Werk vorlegt, ist das schon
etwas Besonderes. So besonders, dass das Album praktisch gleichzeitig
auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheint. Das könnte freilich
auch damit zu tun haben, dass man hier keine eigene Übersetzung
anfertigen musste. Der Text liegt schließlich längst vor: Es handelt sich
um das Buch Genesis, die ersten 50 Kapitel des Alten Testaments.
- 02.12.2009
Die Märchen des Dichters und Volkskundlers Karel Jaromír Erben gelten
als das tschechische Pendant zum Werk der Gebrüder Grimm. Die
tschechische Comickünstlerin Lucie Lomová hat fünf böhmische Märchen
von Erben als Comic adaptiert: „Der Lange, der Breite und der
Scharfsichtige", „Verstand und Glück", „Zwillinge", „Knüppel rühr dich"
und „Der Nimmersatt".
- 15.12.2009
Wirklich interessante Thriller bieten mehr als nur einen Mord- oder Kriminalfall. Im Fall von Das geheime Dreieck ist das eine ganze Menge, was da „mehr“ geboten wird. Die Autoren verknüpfen in ihrer typisch frankobelgischen Serie Realismus mit einem Hauch von Phantastik. Sie schlagen die Brücke von der Historie zur Gegenwart und experimentieren dabei auch noch visuell, indem sie konsequent jeweils zwei verschiedene Zeichner für die Gegenwart und die Geschichte zeichnen lassen.
Empire USA ist, wie el Niño,
die Doppelbandausgabe einer Serie, deren erster Band bereits in
mehreren Teilen über das Comicmagazin ZACK veröffentlicht wurde. Auch
hier tritt die Problematik auf, dass ZACK-Leser eine Hälfte dieses
Albums schon kennen und auch schon dafür bezahlt haben.
Der Berliner Verlag Reprodukt überrascht mal wieder und nimmt mit der
jetzt gestarteten Mumins-Gesamtausgabe einen wirklichen Klassiker in sein
Programm auf. Ursprünglich wurden der Troll Mumin und seine Freunde von ihrer
Schöpferin, der finnisch-schwedischen Künstlerin Tove Jansson, als
Kinderbuchfiguren erschaffen. Deren Popularität führte aber auch zu einer Serie von
Comicstrips, die ab 1954 in der englischen Zeitung "The Evening News"
erschienen. Die kompletten Strips aus den 50ern legt Reprodukt jetzt
erstmals komplett in hochwertigen HC-Alben auf.