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von Benjamin Vogt Dienstag, 17. November 2009


Cover von Der kleine PrinzDer kleine Prinz, das vor über 60 Jahren enstandene Büchlein des Franzosen Antoine de Saint-Exupéry, darf bis heute als einer der ganz großen Klassiker gelten. Die vom Autor illustrierte Erzählung ist ein modernes Märchen, das bei jung und alt gleichermaßen bis heute für Begeisterung sorgt.

Kein Wunder also, dass der omnipräsente Comickünstler Joann Sfar (Die Katze des Rabbiners, Klezmer, Donjon), einer der renommiertesten europäischen Zeichner der Neuzeit, sich des Stoffes angenommen und die Vorlage in einen Comic verwandelt hat. Der Grundton bleibt bei seiner Adaption erhalten, insbesondere die Handlung an sich wirkt geradezu streng originalgetreu:

Ein Pilot stürzt in der Wüste ab und begegnet dabei dem kleinen Prinzen; ein grüngekleideter Junge, der nach eigenen Angaben von einem anderen Planeten stammt. Er freundet sich mit dem Piloten an und erzählt ihm seine Geschichte. Wie er von seinem winzigen Asteroiden auszog, um nach anderen Lebewesen zu suchen; wie er auf illustre Gestalten trifft, die sich über befremdliche Eigenschaften definieren. So etwa ein arroganter König, der ohne Untertanen lebt oder der eitle Mann, der einfach nur bewundert werden will. Beide sind einsam, verdienen jedoch nicht die Freundschaft des kleinen Prinzen, der nach den Begegnungen stetig weiter zieht. Erst ein sympathischer Fuchs kann den Prinzen für sich gewinnen, und eben der Pilot, der, nachdem er die Geschichte gehört hat, schließlich zum Erzähler dieses Bandes werden soll.

Joann Sfar änderte die Vorlage zwar inhaltlich kaum ab, wohl aber die Form der Darbietung für den Leser: Während in Saint-Exupérys Werk die erzählende Form dominiert, stehen bei Sfars Umsetzung die Dialoge im Vordergrund. Das liegt natürlich auch daran, dass bereits viele Details über die Bilder vermittelt werden, diese dem Leser also nicht unbedingt nochmals beschrieben werden müssen. So hält Sfar am Inhalt fest, macht durch seine typische Zeichenart und dem Schwerpunkt auf den Konversationen zwischen dem Prinzen und den anderen Figuren aber eine runde Comicerzählung. Das Ergebnis hat nichts von dem Charme des Originals eingebüßt, sondern liest sich abermals als modernes Märchen, das auf spielerische Weise der Frage nach Menschlichkeit und Freundschaft nachgeht.

Dass der Künstler hier eine starke Adaption abliefert, ist sicherlich nicht verwunderlich: Sfar und Der kleine Prinz, das passt einfach wunderbar. Würde man die Vorlage nicht kennen, man würde sofort glauben, dass die Geschichte komplett von ihm erdacht wäre. Zumal bereits beim Durchblättern sein variantenreicher Stil auffällt, diesmal eher gediegener und weniger abstrakt. Eben prädestiniert für Jung und Alt.

Ich dachte ja ursprünglich, dass der Comicband nur lose auf Der kleine Prinz basiert und Sfar eine völlig andersartige Interpretation abliefert. Im Nachhinein bin ich aber glücklich, dass genau das nicht der Fall ist. Vielmehr wird die Erzählung würdevoll in das Medium Comic übersetzt. Das Ergebnis birgt viel vom Charme des Zeichners, vermittelt aber auch die Poesie und die Tiefe der Vorlage. Alles in allem ist Der kleine Prinz ohnehin zeitlos, auch wenn man das Gefühl hat, dass ihm mit diesem Comic ein frischer Anstrich zuteil wurde.

Bei Carlsen gibt es eine Leseprobe und einen Trailer.


Der kleine Prinz
Carlsen, Oktober 2009
Adaption/Zeichnungen: Joann Sfar
112 Seiten, HC; 14,90 Euro
ISBN 978-3-551-77795-9

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