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von Andreas Völlinger Dienstag, 29. Januar 2013
Mit dem Hartmut ist es ein bisschen wie mit mancher Band: In den frühen 1990ern wurde das sympathische Strichmännchen aus der Feder von Zeichner Haggi als „Schnapsidee“ geboren, kam bei den Lesern diverser Stadtmagazine aber so gut an, dass 1998 ein Sammelband beim Kleinverlag Heinzelmännchen erschien. Danach kam Hartmut beim Comic-Major Carlsen unter, wo zuerst in Heft-, dann in Taschenbuchform zwischen 2000 und 2005 insgesamt neun Hartmut-Ausgaben, teils auch mit längeren Geschichten, erschienen. Hartmut wurde so etwas wie das Verlagsmaskottchen, Merchandise erschien in Form von T-Shirts, Kaffeetassen, einem Kartenspiel, einem Bastelbogen und sogar eines Online-Sammelalbums, ein neuer Hartmut-Strip zierte wöchentlich die Verlagshomepage. Sogar die Bezeichnung „Kultfigur“ fiel öfters mal.
Der Hartmut hatte es geschafft. Doch dann kam der Absturz: der jahrelange Drogenmissbrauch hatte seine Spu... – na ja, nicht ganz. Offenbar entschied man bei Carlsen (vermutlich nach einem strengen Blick auf die Verkaufszahlen), dass Hartmuts Zeit im Großverlag abgelaufen war und Haggis Schöpfung wurde wieder „Indie“ und kam bei Gringo Comics unter. Dort sind seit 2008 bereits sechs Hefte mit Hartmut-Strips herausgekommen; online erscheinen die Abenteuer des Orthografie-Verbiegers nach einem Zwischenspiel bei mycomics.de nun monatlich im Gringo-Verlagsblog. Mit dem vorliegenden siebten Hartmut-Band ist man vom Heft mit 32 Seiten zu einem kleineren, handlichen Softcover-Format mit 56 Seiten gewechselt, was den Comics gut und besser im Regal steht.
Inhaltlich geändert hat sich in all den Jahren aber nichts: Im Strichmännchen-Look nimmt Hartmut aus seiner scheinbar kindlich-naiven Perspektive noch immer Alltagssituationen und Popkultur-Phänomene auseinander und kommentiert deren Abstrusität in einer wunderbar falschen Rechtschreibung. Der Umstand, dass das Kindliche, Simple und Falsche hier augenzwinkernd und sehr gekonnt zum Stilmittel erhoben wird, ist nach wie vor entwaffnend charmant und macht den Großteil des Reizes dieses Comics aus. Der andere Teil entsteht durch das Skurrile, das Haggi im Alltagsleben, der Medienwelt und unserer Kultur findet: Unter anderem begegnet Hartmut Vampiren, erklärt den Turmbau zu Babel und geht mit seiner klamottensüchtigen „Tannte“ einkaufen. Neben ein paar humoristischen Perlen und ein paar eher durchschnittlichen Strips, die nicht so richtig zünden, fallen die meisten von Hartmuts Erlebnissen in die Kategorie „nette Schmunzler“ und entfalten ihre Wirkung am besten in kleinen Lektüre-Dosen. 56 Seiten im Hartmut-Stil am Stück zu lesen, könnte des Guten nämlich zu viel sein und ist wohl eher etwas für eingefleischte Fans.
Dass Haggi zeichnerisch natürlich viel mehr drauf hat, beweist – neben zahlreichen anderen Comics aus den letzten zwei Jahrzehnten – übrigens der Strip auf der letzten Seite, eine gelungene Calvin & Hobbes-Hommage.
Wertung: ![]()
Funktioniert auch im neuen Format mit bewährter Orthografiefeindlichkeit und dem altbekannt-charmanten Strichmännchenlook
Der Hartmut macht was iem gefellt
Gringo Comics, 2012
Text & Zeichnungen: Haggi
58 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 7,90 Euro
ISBN: 978-3-940047-79-3
Abbildungen © Gringo Comics und Hartmut Klotzbücher















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Rezensionen



Im Reigen der Gesamtausgaben hat es auch dieser Klassiker der Funny-Strips zu einer Wiederveröffentlichung gebracht. Cäsar von Maurice Tillieux (Jeff Jordan) wurde ab 1959 in Le Moustique und Spirou abgedruckt und wurde durch Rolf Kauka auch bei uns bekannt.
An und für sich sind die Bayern ja oft ein Grund zur Freude, aber manchmal ärgert man sich auch über sie - in meiner neuen Stammkneipe in Idaho zum Beispiel. Bin ich den ganzen Weg hierher gekommen, um dann Anfang Oktober plötzlich mit lautstarker Blasmusik vom Fass beschallt und von Kellnern in Lederhosen belästigt zu werden, die mir zudem noch Bratwurst und Sauerkraut andrehen wollen? Doch eher nicht. Teil meines Marschgepäcks aus der Heimat war - pflichtbewusster Rezensent, der ich nun einmal bin - der neue Comic von Moritz Reischl, alias Mosbichler, und der ist leider auch so ein Fall.
Manu Larcenet hat mit den bis jetzt zwei bei Reprodukt erschienenen Bänden von "Der alltägliche Kampf" wahrhaftig Eindruck geschunden.
"Dies ist die Geschichte eines trauernden Fotografen, einer Werkstatt
voller Erinnerungen, eines wichtigen Buches und vom lieben Augustin..."
Passende Klappentexte sind eine Kunst für sich, und im Falle von "Kostbarkeiten" darf man das Unternehmen einmal als gelungen betrachten. Der dritte Band der Reihe Le combat ordinaire
von Emmanuel Larcenet hat tatsächlich einiges zu bieten. Um Väter und
Söhne geht es, um die Natur und ums Erwachsenwerden, den Preis des
Krieges, Sinn und Unsinn der Psychoanalyse, Mütter und Brüder, Eulen
und Hackbraten und Dockarbeiter und Korken und Beziehungen und ... na
ja, den lieben Augustin eben.
Es ist immer wieder dieselbe, alte Geschichte: Junge trifft Mädchen. Junge und Mädchen verlieben sich. Mädchen will mit Junge davonlaufen, wird aber vom Vater des Jungen entführt. Vater gibt Mädchen an Jungen zurück und kidnappt stattdessen Viktoria I, Königin von England. Einmal abgesehen von diesem offensichtlichen Verstoß gegen den Knigge machen die Künstler Sfar und Guibert in