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von Andreas Fisch Samstag, 23. April 2011

Cover Fotograf 3: Allein nach Pakistan Wer packende Abenteuer liebt und Herausforderungen meistern will, die sich nicht mit einem Maschinengewehr wegballern lassen, liegt bei diesem Comic goldrichtig. „Allein nach Pakistan“ ist zwar der letzte von drei Bänden der Reihe Der Fotograf, lässt sich jedoch ohne Probleme auch einzeln lesen; lediglich manche vage Anspielungen auf Begegnungen der ersten beiden Bände sind vorhanden, stören aber den Lesefluss nicht.

„Allein nach Pakistan“ beschreibt die abenteuerliche Rückreise des Fotografen Didier Lefèvre aus dem Inneren Afghanistans, wo dieser die Organisation Ärzte ohne Grenzen begleitet hat, zurück nach Pakistan. Entgegen wohlmeinendem Rat bricht er alleine auf und organisiert sich zweifelhafte Begleiter in einem Land, dessen Sprache er nur nach wildem Blättern in seinem Wörterbuch beherrscht und das 1986 noch vom Widerstand gegen die bombardierende Armee der Sowjetunion zerpflügt ist.

Beispiel Fotograf 3: Allein nach Pakistan Das Abenteuer besteht darin, sich einen durch die Jahreszeiten veränderten Weg, über Pässe in 5000 Meter Höhe und durch Eiseskälte durchzuschlagen. Spätestens wenn das lose Verhältnis zur vierköpfigen Eskorte so zerrüttet ist, dass sie ihn mutterseelenallein zurücklassen, beginnt es gefährlich zu werden. Die Beschwernisse, sein Pferd beschlagen zu müssen, es aber nicht fachmännisch beladen zu können, die Not, sich zwielichtigen Gestalten anvertrauen zu müssen und an die Grenzen seiner körperlichen Kraft zu gelangen, aber auch bekannte Gesichter im Trubel einer Stadt wie "Blätter an einem nassen, schwarzen Ast“ (Ezra Pound) neben korrupten Beamten aufleuchten zu sehen, all dies ist so unverschnörkelt und mitreißend berichtet, dass man als Leser unversehens bis zum Ende mitfiebert und sich nur wundern kann, dass Didier nach allem Erlebten immer wieder in dieses für ihn so faszinierende Land zurückgekehrt ist.

Beispiel Fotograf 3: Allein nach Pakistan Erfreulich irritierend sind obendrein immer wieder (in Deutschland selten gewordene) unvoreingenomme Blicke in den Alltag einer muslimischen Welt, in diesem Fall Afghanistan zu einer Zeit, als ein Mudschahed aus westlicher Sicht ein „Guter“ im Widerstand gegen die sowjetischen Invasoren war; so die stets allererste Frage, welcher Religion Didier angehöre und ein beruhigtes Nicken, dass dies das Christentum sei, auch wenn man dann nicht ins Paradies käme.

Kompositorisch stellt die Reihe Der Fotograf ein exquisites Experiment dar: Frédéric Lemercier hat die Fotos des 2007 verstorbenen Fotografen Didier Lefèvre und die Comiczeichnungen von Emmanuel Guibert zu diesem Werk vereint. Die eingefügten, tollen Fotos (leider, leider nur schwarz-weiß!) bringen einem diese fremden Eindrücke näher, als es stilisierte Zeichnungen alleine vermocht hätten und verdeutlichen den Realismus dieser wahren Begebenheit.

Beispiel Fotograf 3: Allein nach Pakistan An Bonusmaterial beigefügt sind eine Landkarte mit der Route der Reise, wie man sie von den Karl-May-Büchern kennt, und Kurzportraits der echten Personen. Diese zu lesen lohnt sich! Sie hauchen den Personen zusätzliches Leben ein, knüpfen (teilweise) deren Geschichte weiter bis in die Zeit der Terrorherrschaft der Taliban und geben manche Extrainfos, etwa dass die treulosen Begleiter Didiers nach ihrer Rückkehr eine Prügelstrafe erwartete.

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Fazit: Der dritte, abschließende Band der Fotograf-Reihe ist vor allem Lefèvres Reisetagebuch und wegen der hohen Spannung seiner Erlebnisse ein Abenteuerbuch besonderer Güte, das auch einzeln gut zur Lektüre empfohlen ist. Ein fesselnde, obendrein wahre Geschichte und ein Experiment mit raffinierten Foto-Bild-Montagen.

 

 

WertungBewertung von Der Fotograf 3: 8 von 10 Punkten

Packendes Abenteuer, obendrein wahre Geschichte!

 

Der Fotograf, Band 3 - Allein nach Pakistan
Edition Moderne, März 2009

Text und Fotos: Didier Lefèvre
Zeichnungen: Emmanuel Guibert
Coloriste/Komposition: Frédéric Lemercier
mit Landkarte und Porträts der realen Personen

 104 Seiten, schwarz-weiß (Fotos)/ farbig (Zeichnungen), Hardcover
Preis: 29,80 Euro (1 € je verkauftem Buch erhält Ärzte ohne Grenzen e. V.)
ISBN:
978-3-03731-034-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Edition Moderne



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