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von Thomas Kögel Dienstag, 04. März 2008

 Normalerweise findet man in den Credits eines Comics vor allem den Autor und den Zeichner. Hier sieht das anders aus, man findet Begriffe wie Bildsynthese, Visualisierung, Modellierung, Licht oder digitale Endfassung. Denn Der Engel & der Drache ist ein digitaler Comic. Jedes Bild entstand am Rechner als dreidimensionales Bild. Autor Téhy (Yiu) hat sich dafür mit der Kanadierin Lalie zusammengetan, die hauptberuflich beim Spielehersteller Ubisoft arbeitet.


Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick beeindruckend: Äußerst detailreiche Räume und Landschaften, bei denen jeder Schatten, jede Lichtreflexion und jede Farbnuance passt. Eine Kulisse, die auch aus einem teuren Animationsfilm stammen könnte. Und auch die Drachen, die im Prolog der Geschichte auftauchen, können visuell überzeugen. Schwerer tut sich Lalie dagegen mit den menschlichen Hauptdarstellern, denn diese wirken trotz (oder gerade wegen) der perfekten 3D-Modellierung sehr steril und künstlich. Damit kämpft dieser Comic mit dem gleichen Problem, das man auch aus Animationsfilmen wie Final Fantasy oder Beowulf kennt. Die Figuren wirken seelenlos und hölzern, man fühlt sich wie in einem Fotocomic, der mit Schaufensterpuppen inszeniert wurde.

 Eine packende Geschichte könnte dieses Manko zweifellos wettmachen, doch Téhys Szenario kann nicht so recht überzeugen. Die Story spielt in einer fantastischen Welt, die vor vielen Jahren von Drachen beherrscht wurde, welche aber inzwischen als Aberglaube gelten. Im Mittelpunkt steht die schöne Hana-Rose, deren Mann Licomte endlich aus einem Krieg zurückkehrt. Licomte ist nicht nur ein wackrer Kämpfer und ein guter Liebhaber (wie mehrere Sexszenen beweisen), sondern auch Tiefseetaucher, der immer wieder auf dem Meeresgrund nach Knochen taucht, die er für Überreste von Drachen hält und sich daraus ein Drachenskelett erbaut. Kurz nach seiner Rückkehr zu Hana-Rose kommt er bei einem Tauchgang ums Leben, was Hana-Rose völlig aus der Bahn wirft. In ihrer Trauer und Verzweiflung wendet sie sich an ein altes Mütterchen, das mit seiner Verbindung zum Übernatürlichen für Trost sorgen kann, das aber auch mit düsteren Andeutungen eine ungewisse Zukunft verheißt.

 Wer actionreiche Fantasy mit vielen Drachenszenen erwartet, wird enttäuscht sein, denn Téhy setzt vor allem auf Melancholie und Romantik und wagt sich sehr nah an die Grenze zum Kitsch, die er auch gelegentlich überschreitet. Gewöhnungbedürftig ist auch die Sprache, die, wie der Albentitel "Und der Tod wird nur ein Versprechen sein" schon andeutet, recht schwülstig und aufgesetzt klingt.

Ob aus Der Engel & der Drache ein überzeugendes Fantasy-Epos wird oder doch eher ein pathetisch aufgeblasenes Kitsch-Märchen, wird der abschließende zweite Teil zeigen müssen. Sehenswertes Eye-Candy bekommt man immerhin geboten und die gewohnt edle Aufmachung, mit der der Splitter-Verlag seine Alben präsentiert, steht diesem Comic ausgezeichnet.


Der Engel & der Drache 1: Und der Tod wird nur ein Versprechen sein
Splitter
, Februar 2007
Szenario, Storyboard, Panel-Layout, digitale Endfassung: Téhy
Bildsynthese, Visualisierung, Modellierung der Figuren und Dekors, Licht, digitale Ergänzungen: Lalie
Hardcover; farbig; 48 Seiten; 12,80 Euro
ISBN: 978-3-939823-26-1

Grafisch leicht steril, mit Tendenz zum Kitsch


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Bildquelle: splitter-verlag.de


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