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(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Donnerstag, 24. Februar 2011
Deadpool, ein Mutant Teilnehmer am sinistren Waffe-X-Programm mit ähnlichen Selbstheilungskräften wie Wolverine, tauchte erstmals 1991 im Marvel-Universum auf und turnt seitdem regelmäßig durch diverse Serien, sowohl als Gaststar als auch in eigenen Titeln. Vor allem in den letzten beiden Jahren warf Marvel eine kaum noch überschaubare Zahl von fortlaufenden Serien, Mini- und Nebenserien rund um den "merc with a mouth", den "Söldner mit der großen Klappe", auf den Markt. Aus der großen Menge des verfügbaren Materials hat Panini zunächst ein paar Paperback-Sammelbände auf Deutsch veröffentlicht, nun startet man zusätzlich noch eine Heftserie, die alle zwei Monate erscheinen soll.
Neue Heftreihen sind mittlerweile eine Seltenheit geworden, Panini scheint also die Figur des Deadpool für besonders zugkräftig zu halten. Und für neugierige Leser, die mit Deadpool noch nicht vertraut sind, ist ein preisgünstiges Heft eine gute Gelegenheit, um in eine Serie hineinzuschnuppern – dachte ich mir, als ich am Bahnhofskiosk die Nummer 1 kaufte. Doch leider gestaltet sich die erste Ausgabe der Deadpool-Heftreihe nicht sehr einsteigerfreundlich.
Enthalten sind drei Ausgaben der amerikanischen Ongoing-Serie, die einfach nur Deadpool heißt und von Daniel Way geschrieben wird. Da die ersten Hefte dieser Serie größtenteils bereits auf Deutsch vorliegen (allerdings munter verteilt in diversen Monster- und anderen Sammelbänden) geht es hier mit den US-Ausgaben 13 bis 15 weiter. In den Heften 13 und 14 versucht sich Deadpool als Pirat in der Südsee. Das Vorhaben geht gründlich schief, weil unser Held zwar ein großes Maul und wenig Skrupel beim Einsatz von Gewalt hat, aber kein besonders kluger Kerl ist. Heft 15 ist dann der Auftakt zu einer längeren Story, in der Deadpool in eine Sinnkrise stürzt, die ihn schließlich dazu bringt, sich den X-Men anzuschließen.
Wie bereits erwähnt, hat man es als Neuleser mit diesem Heft nicht ganz leicht. Dass man nicht weiß, wer der Sidekick Bob ist und warum Deadpool Unmengen von gut gefüllten Schatzkisten besitzt, ist noch verschmerzbar. Schwerer wiegt da schon eine stilistische Besonderheit, die sich ohne Vorkenntnisse nicht recht erschließt: Deadpool neigt zum Selbstgespräch, das mit Hilfe von Textboxen vermittelt wird – allerdings gibt es zwei Sorten dieser Captions mit unterschiedlichen Farben und Schrifttypen. Deadpool scheint also zwei Seelen in seiner Brust zu haben – was dahintersteckt, erfährt man nicht. Dabei stünde auf insgesamt drei Redaktionsseiten genügend Platz zur Verfügung, um – gerade in einer Nummer-1-Ausgabe – neuen Lesern ein paar Basisinfos an die Hand zu geben. Stattdessen hat Redakteur Christian Endres einen Clown gefrühstückt und versucht, den schnoddrigen Comedy-Ton der Deadpool-Comics auch auf die übrigen Seiten zu retten, indem er die Texte praktisch als Ghostwriter der Hauptfigur schreibt. Albernheiten statt Informationen – die Lobo-Hefte des Dino-Verlags aus den 90ern lassen schön grüßen.
Aber vielleicht ist dieser Ansatz auch genau der richtige? Schließlich will Deadpool weder große Comickunst noch epochales Superheldenspektakel sein, sondern eher eine Art Marvel-Sitcom, die weniger von ihrer Handlung als von ihren Gags, verrückten Einfällen und der permanenten Übertreibung von altbekannten Superhelden-Stereotypen lebt. Wenn der Comic also nur witzig genug ist, spielen Feinheiten wie Hintergrundwissen keine große Rolle mehr.
Aber auch hier enttäuscht das erste Heft der Serie. Für gute Comedy ist perfektes Timing extrem wichtig, doch Daniel Way hat dafür kein gutes Händchen. Seine Piratenstory ist viel zu langatmig geraten, hätte viel straffer erzählt werden können und würde vor allem eine höhere Gagdichte vertragen. Die Zeichnungen von Shawn Crystal sind solides Handwerk, aber auch nicht mehr. Im letzten Drittel des Hefts kehrt dann wieder Serien-Stammzeichner Paco Medina zurück, der ein wesentlich schwungvolleres und dynamischeres Artwork aufs Papier bringt. Dafür gerät die Story "Ich will, dass du mich willst" nochmal eine Ecke unwitziger als die ersten beiden Drittel des Hefts. Allerdings dient dieses Kapitel nur als Prolog für die kommenden Ausgaben – mit etwas Glück könnte man dann noch richtig viel Spaß mit Deadpool haben, denn als komische Figur hat dieser seltsame Superheld (oder Superschurke?) durchaus Potential.
Wertung: ![]()
Holpriger Serienauftakt, der das Potential von Deadpool nur erahnen lässt.
Deadpool 1
Panini Comics, Januar 2011
Text: Daniel Way
Zeichnungen: Shawn Crystal, Paco Medina
76 Seiten, farbig, Heft
Preis: 5,95 Euro
Leseprobe
Abbildungen © Marvel Comics, der dt. Ausgabe: Panini

geschrieben von Marc-Oliver, am 24. Februar 2011 um 20.44 Uhr
geschrieben von Andi V., am 05. März 2011 um 18.16 Uhr














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Rezensionen



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- 21.05.2006
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