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26.05.2012 - 27.05.2012
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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Mittwoch, 12. November 2008
Matthias Gnehms neuester Comicband ist ganz und gar nicht
einfach zu goutieren, und noch schwerer ist es dann, das darin Enthaltene angemessen
zu beschreiben. Denn der Züricher Autor und Zeichner hat sich mit Das
Selbstexperiment ein immens vielschichtiges Verwirrspiel erdacht, mit dem er
die Konzentration des Lesers aufs höchste fordert.
Den Hauptplot, wenn man so will, denn so ganz präzise lässt sich das nicht benennen, bildet die Geschichte von Frank Karrer, einem Wissenschaftler, der mittels Gehirnscans und Übertragungen neuronaler Muster einen Wirkstoff gegen Eifersucht synthetisierte. Seine Forschung wird durch das Auftreten von Claudia Fischer jäh unterbrochen und sein Leben ändert sich radikal, denn Claudia berichtet ihm von ihrem Comic „Geist“, den sie zusammen mit Zeichnerlegende Peter Röller entwickelte und der tatsächlich in der Lage sein soll, Bewusstsein zu erklären. Irgendwo zwischen den sensationellen Entdeckungen, die dieser Comic beinhalten soll, den Gehirnscans und den ineinanderlaufenden Bewusstseinszuständen aller Beteiligten verläuft sich Frank Karrers Existenz, und alles zusammen führt letztlich zu seinem Verschwinden. Einzig der kauzige Kommissar Hans Drechsler glaubt den Hergang dieses hochkomplexen Puzzles nachvollziehen zu können und versucht Karrers Weg zu rekonstruieren …
Auf über 300 Seiten führt Das Selbstexperiment immer
tiefer in eine unglaubliche Erzählung hinein. Hier entpuppt sich Matthias Gnehm
als äußerst geschickter Autor, der wirklich nichts dem Zufall überlässt
und auf akribischste Weise an sein Werk heran ging. Psychologische, biologische
und technische, fachsprachliche Ausführungen sind für ihn die Ausgangslage des
zugrunde liegenden Themas, und noch weitaus cleverer ist die rasante Wandlung
zum wirklich spannenden Kriminalfall, dessen Auflösung durch praktiziertes
Kombinieren und schlüssige Rückblenden aus diversen Perspektiven für den Leser
aufbereitet wird. Was sich in der kurzen Inhaltsbeschreibung bereits
kompliziert anhören mag, ist in Wahrheit noch weitaus schwieriger zu verstehen.
Schließlich ist Gnehms Comic dermaßen verschachtelt und teilweise verstörend,
dass wohl nur er selbst das Gesamtbild zu erkennen vermag.
Das liegt auch
daran, dass man oftmals zwischen zwei Dingen nicht mehr sauber trennen kann, beispielsweise zwischen der Bewusstseinsebene und dem Comic, den man
gerade liest. Klingt vielleicht seltsam, ist aber tatsächlich so. So lässt
sich z.B. unter dem Schutzumschlag ein grünliche Hardcoverband mit dem Namen „Geist“
von Peter Röller aus dem Josh Veits Verlag erblicken, der von außen also die
perfekte Täuschung erzeugt. Sogar die Biografie des fiktiven Künstlers Peter
Röller, sowie ein erfundenes Presseecho findet sich auf der Rückseite. Nur mit
Schutzumschlag sieht man demnach äußerlich, dass man Gnehms Selbstexperiment
in den Händen halt. Zudem kann man Passagen aus Röllers „Geist“ tatsächlich
innerhalb des Buches finden, somit sind diese Comic-im-Comic-Stellen ein
zusätzlich verkomplizierendes Element.
Letztendlich ist Matthias Gnehm ein grandioses Werk gelungen, ein s/w-Psychokrimi, der zuweilen geneigt ist sich dem Verständnis des Lesers zu entziehen, ihn mit seiner umwerfenden und tiefgehenden Erzählweise aber trotzdem am Ball bleiben lässt. So kommt es wie es kommen muss, und Das Selbstexperiment bekommt von mir als vielschichtiges Meisterwerk die nur sehr selten zugeteilte Comicgate-Höchstwertung. Definitiv handelt es sich dabei um einen der besten Comics der letzten Jahre.
Das Selbstexperiment
Edition Moderne, April 2008
Text und Zeichnungen: Matthias Gnehm
336 Seiten, s/w, Hardcover mit Schutzumschlag; 25.-
Euro
ISBN 978-3-03731-028-1
Bildquelle: editionmoderne.ch















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Der unermüdliche Pionier Jiro Taniguchi dringt erneut in schwer zugängliche Gefilde des Erzählens vor und erweitert wieder die Grenzen der Comicliteratur – im Buch Der spazierende Mann überaus gelungen.
Zuletzt machte der französische Künstler Joann Sfar ja weniger als Comicschaffender denn durch den von ihm als Drehbuchschreiber und Regisseur inszenierten Film Gainsbourg (über den Chanson-Sänger Serge Gainsbourg) von sich reden. Und da der begleitende, von Sfar gezeichnete Comicband, im Gegensatz zum Streifen selbst, bis dato nicht als deutsche Fassung vorliegt, muss man sich einstweilen eben einem der anderen Sfar-Projekte widmen.
Einen großen literarischen
Klassiker in ein anderes Medium zu transportieren ist nicht immer leicht.
Gerade Comickünstler, die ja unbebilderte Romane grafisch zum Leben erwecken
müssen, laufen immer Gefahr, dass die Inhalte, die Atmosphäre und die
Intentionen, die der Schrifsteller sich ursprünglich ausgedacht hat, durch eine
Adaption in Comicform nicht korrekt erfasst oder gar trivialisiert werden. Auf
der anderen Seite steht die Gefahr, dass am Ende ein Comicwerk entsteht,
welches sich zu sklavisch an die Vorlage hält, der Künstler also nicht mutig
genug ist, dem Stoff genügend Eigenständigkeit als Comic einzuräumen.
- 20.09.2010
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen
jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine
zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie
Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben
koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen
fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher
Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine
Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens
gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu
den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese.
- 17.12.2009