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(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 21. Dezember 2011
Man muss schon ehrlich sein: die meisten der Spin-Off Serien von Lanfeust von Troy, die mittlerweile eine leicht unübersichtliche Anzahl einnehmen, sind qualitativ nicht so hochwertig wie die ursprüngliche oder wie Troll von Troy. Quantität ging da eindeutig zuungunsten von Qualität. Wie schön, dass man nun aber durch Das Schattenreich von Troy wieder versöhnt wird. Action, Spannung und Grusel werden mit den beliebten Zitaten, Parodien und Verweisen gespickt, so dass man mit der Heldin eine gemeinsame Reise ins Schattenreich starten kann.
Die junge Dyssery soll den reichen Phoree heiraten, was sie allerdings nicht will, sondern nur in die Ehe einwilligt, da man den Eltern zu gehorchen hat. Viel lieber möchte sie Theater spielen, was zu jener Zeit aber für eine junge Dame nicht schicklich ist, da dies ein ähnlich hohes Ansehen wie Prostitution hat. Die Hochzeit verläuft trübsinnig für sie und aus lauter Schrecken vor den Annäherungen der Hochzeitsnacht begeht Dyssery Selbstmord. Angekommen im Schattenreich muss sie sich nicht nur zurechtfinden, sondern sich auch Monstern und Dämonen erwehren. Doch auf einmal bekommt sie nun die Möglichkeit, Theater zu spielen. Ihr Ehemann aber macht sich auf den Weg in die Unterwelt, um seine Frau wieder zu holen.
Wem diese Grundkonstellation einigermaßen bekannt vorkommt, der hat natürlich recht. Christophe Arleston und seine Ko-Autorin Audrey Alwett nehmen sich den Mythos von Orpheus und Eurydike zur Brust (der im Übrigen auch in Neil Gaimans Sandman eine große Rolle spielte). Darin reiste Orpheus in die Unterwelt, um seine während der Hochzeitsfeierlichkeiten gestorbene Eurydike ins Leben zurückzuholen. Gerührt von dessen musikalischen Fähigkeiten, gestatteten Hades und Persephone ihm dies mit einer Auflage, die Orpheus nicht einhielt. Eurydike musste wieder in das Schattenreich zurückkehren. Die Ausgangsbasis ist im vorliegenden Comic also die gleiche wie in der griechischen Sage. Mit einer kleinen, aber wichtigen Änderung: Die Frau will nicht mit, da sie ihren Mann nicht liebt. Allein dieser Aspekt sorgt für viel Humor, aber auch für Stellungnahmen zum Feminismus und zu weiblicher Selbstbestimmung in einer patriarchalischen Welt.
Generell sind in diesem Album so viele Themen und Reisen zu finden, dass es locker für mindestens einen weiteren Band gereicht hätte. Dafür punktet der One-Shot aber mit hohem Tempo und einer guten Dynamik. Schon zu Beginn zitieren Arleston und Alwett Terry Pratchett und seine Scheibenwelt in punkto Götterglauben, machen aber nicht viel daraus (was gegenüber Pratchett auch unfair gewesen wäre). Dass im Theater nur Männer auftreten dürfen, geht auf Shakespeares Zeiten zurück, als Männer die Frauenrollen spielen mussten, da es Frauen untersagt war, diesem anrüchigen Beruf nachzugehen. Dies erlaubt nicht nur ein, zwei eingestreute Shakespearezitate, sondern ermöglicht auch eine feministische Perspektive, da sich die Heldin dagegen auflehnt und über ihr Leben selbst bestimmen will. Sie will kein Objekt sein, auch in sexueller Hinsicht, ist es aber ironischerweise besonders in der Totenwelt, was dem Leser großen Spaß bereitet.
Glücklicherweise ist auch der Wortwitz wieder da (etwa bei den Götternamen) und an Action und auch Grusel mangelt es nicht. Dass Dysserys Begleiter ausgerechnet ein frecher und lüsterner Dämon ist, macht die ganze Sache noch sehr viel amüsanter. Generell hat Arleston hier wieder zu alter Stärke zurück gefunden. Viele gute Ideen und ebensolche Themen machen den Band im Verbund mit den gelungenen, detaillierten Zeichnungen von Virginie Augustin (Alim der Gerber) zu einem viel zu schnell zu Ende gehenden Vergnügen.
Punkte: ![]()
Arleston findet zu alter Größe zurück, indem er Wortwitz, Action, Parodie, Spannung, Zitate und Grusel verbindet.
Das Schattenreich von Troy
Splitter Verlag, November 2011
Text: Christophe Arleston und Audrey Alwett
Zeichnungen: Virginie Augustin
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-416-1
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds:
Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin
Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für
Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder
Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als
Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige
Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim
Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt.
- 06.11.2009
In dem neuen Zyklus um das verlorene Land greift der fleißige Autor
Dufaux (Raubtiere, Murena, Giacomo C., Kreuzzug, etc.) auf die
irische Mythologie zurück, indem er sich der Morrigans bedient. Sind sie
in den altirischen Überlieferungen noch Königinnen, die sich der
Christianisierung Irlands widersetzen, beschränkt sich Dufaux auf ihre
Fähigkeiten der Gestaltwandlung und betont, dass sie Hexen sind.
- 27.04.2010
„Geboren aus den Wikingersagen und der Musik von Richard Wagner“ verrät der Rücken dieses Albums und man kann sich
bestens vorstellen, wie der Zeichner Alex Alice in stürmischer Nacht in seinem
Atelier saß, die Stereoanlage mit Wagners musikalischer Vertonung des
Nibelungenstoffs voll aufgedreht hatte und sein Zeichenstift Leben in
die alten Sagen brachte. Die Bilder, die der französische Künstler
schuf, sind – ganz dem Stoff angemessen – episch und kraftvoll. Da
stöbern wild die Schneeflocken, wallt und wabert der Nebel und zucken
die Blitze, dass es eine Freude ist. 
Alles in allem verstörend. So oder so ähnlich würde
ich jemandem antworten, der mich nach einer Beschreibung zu Codex
Angélique fragen würde. Die im französischen Original in drei Alben
veröffentlichte Serie liegt in der Ehapa Comic Collection als All-in-One-Edition vor.
Wie bei einigen dieser Ausgaben zuvor gibt es auch bei dieser Licht
und Schatten zu konstatieren. Leider wird man des anfänglich recht
interessanten Settings recht schnell überdrüssig, spätestens wenn sich
die Handlung komplett in den Wirren von Mystik und Übersinnlichem
verstrickt.