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von Daniel Wüllner Dienstag, 10. November 2009
Auch wenn Bourhis keine Vollständigkeit beansprucht, so versucht er doch eine kohärente Erzählung aufzubauen, die sich an geschichtlichen Ereignissen orientiert. Von der Erfindung der ersten Juke-Box bis hin zu Britney Spears tauchen immer wieder neue Akteure auf, die, vertreten durch ihre Alben, Singles oder einfach nur durch ihre Anekdoten, Rock-Geschichte geschrieben haben. Als erfrischende Ergänzung zu den immer gleich genialen Geschichten der Beatles und der Stones erzählt Bourhis auch vom französischen Rock'n'Roll, von Serge Gainsbourg und von Sebastian Tellier.
Graphisch orientiert sich der Comic an einem klassischen Neun-Panel-Gitter. Single- und Albencover, die teils nachempfunden, teils neu interpretiert wurden, fügen sich in einer Reihe entsprechend ihrer Veröffentlichung kommentarlos ein. Aber an die Strenge dieses Gitters hält sich Bourhis fast nie; er wählt für jedes einzelne Cover, für jeden Geburts- und für jeden Todestag der Musiker ein eigenes Bildformat und misst den Ereignissen so ganz subjektiv ihren eigenen Wert zu. Zwischenzeitlich bricht Bourhis das Netzwerk der Panels gänzlich auf, um Platz für eine Sinatra-Anekdote zu schaffen, um Elvis berühmten „Auftritt“ bei Nixon zu zeigen oder einfach nur um die Einführung des I-Pods in Frankreich zu feiern. Während sich die Typographie im Comic dem Stil der Original-Cover und der Musikrichtung anpasst, ist Bourhis' Hauptwerkzeug ein feiner Strich, der Gainsbourg sowohl einen melancholischen Touch verleihen kann, als auch die White Strips experimentell interpretieren kann.
Mit Das kleine Rockbuch ist Hervé Bourhis wirklich ein kleines Meisterwerk gelungen. Der Franzose setzt sich ganz bewusst von einer allzu strengen graphisch Form ab und führt durch simples Aneinanderreihen von Ereignissen und Anekdoten, von Alben und Singles in eine etwas andere Geschichte des Rock ein. Einsteiger werden viel Informatives finden und fortgeschrittene Rocker können auf die eine oder andere nette Geschichte gespannt sein. Eine vollständige Lektüre dieses Buches führt nicht zwangsläufig zu einem besseren Verständnis von Rockmusik; es ist eher als Eintrittskarte in die Erlebniswelt der Rockmusik gedacht. Eine Welt, der man sich in Ruhe widmen kann, und bei deren Lektüre Erinnerungen unweigerlich an die Oberfläche drängen.
Eine Video-Performance von Hervé Bourhis bei der Arbeit.
Das kleine Rockbuch
Carlsen Verlag, Oktober 2009
Zeichnungen/Text: Hervé Bourhis
208 Seiten, Softcover, s/w, 19,90 Euro
ISBN 9-783551-75040-2

Abbildungen: © Carlsen Verlag
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Will Eisner – kann man ihn unvoreingenommen lesen, ohne gleich von seinem vorauseilenden Ruf in der Comicszene erschlagen zu werden? Dürfte man sich als Comicrezensent überhaupt herausnehmen, diesen „wichtigsten Zeichner Amerikas" (F.A.Z.) zu kritisieren? Ich habe versucht, den ersten Band der „Will Eisner Bibliothek" im Carlsen Verlag, Ein Vertrag mit Gott – Mietshausgeschichten so zu lesen, wie es ein unbescholtener Textbücher-Leser tun würde, dem plötzlich dieser voluminöse Band in die Hände fällt – und war schlichtweg begeistert!
- 25.10.2010
Gesamtausgaben europäischer Comicklassiker boomen. Die seit einigen Jahren verlagsübergreifende Veröffentlichungspolitik, in der des Öfteren zwei bis drei Originalalben in einem Band mit Begleitmaterial erscheinen, ist für den Leser vor allem dann erfreulich, wenn dabei jahrzehnte alte Schätze zu Tage gefördert und in adäquater Gestaltung wieder verfügbar gemacht werden. Die frankobelgische Serie Valerian & Veronique vom französischen Kreativduo Pierre Christin (Szenarist) und Jean-Claude Mézières (Zeichner) ist ein solches Juwel der Comicliteratur.
Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den "Renseignements Généraux", kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.
- 29.10.2009
RG ist die Abkürzung für „Renseignements Généraux“, welche die geheimdienstliche Abteilung der Nationalen Polizei Frankreichs ist. Sie ist direkt dem Innenministerium unterstellt. Auch wenn ihre Aufgaben bis 2008, als sie mit einer anderen Abteilung verschmolzen wurde, vorrangig darin bestanden, Informationen zu sammeln und das Ministerium direkt zu informieren, scheinen ihre Mitgleider doch auch generelle Polizeiarbeit erledigt zu haben. Zu ihren Aufgaben zählte Terrorismusbekämpfung ebenso wie Undercoverermittlungen. Das legt jedenfalls dieser Comicband nahe. Die Reihe RG, deren zweiter Band nun vorliegt, ist eine Mischung aus Fiktion und Reportage.
Spirou und Fantasio gehören, neben Tim und Struppi, Asterix und Lucky Luke
zu den ganz großen Klassikern des frankobelgischen Comics. Seit gut 70
Jahren erscheinen Geschichten mit dem kleinen Hotelpagen im
gleichnamigen Magazin und als Comicalbum. Neben der Hauptserie gibt es
seit 2006 eine Parallel-Reihe, die in Frankreich Une Aventure de Spirou et Fantasio par...
heißt. Namhafte Zeichner und Autoren können dort ihre ganz eigene
Vision von Spirou umsetzen, abseits von den Zwängen der Hauptserie.
- 13.05.2009