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(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Donnerstag, 07. April 2011
Die alte Weisheit, nach der man ein Buch nie nach seinem Cover beurteilen solle, trifft hier in vollem Umfang zu. Der Umschlag glänzt (wortwörtlich) mit silbernen Glitzereffekten im Stil einer Diskokugel, dazu tanzt ein fröhlicher Snoopy, umrahmt von einem pinkfarbenen Titelschriftzug. Das wirkt von außen, als hätte man es hier mit einem lustigen "Spiel und Spaß mit den Peanuts"-Buch zu tun, gefüllt mit Rätseln, Spielen, Gags und ein paar Comics. Das Gegenteil ist der Fall.
Vielmehr ist Das große Peanuts-Buch ein sehr seriöses Kompendium zum 60. Geburtstag von Charles M. Schulz' großartiger Serie, welches die Peanuts als das würdigt, was sie sind: ein herausragender Meilenstein in der Geschichte der Comics und der zu Recht wohl berühmteste Zeitungsstrip der Welt. Herausgeber Andreas C. Knigge, der sich gleich zu Beginn als Fan outet und stolz eine ihm gewidmete Signatur von Schulz präsentiert, hat einen Querschnitt von Strips aus fünf Jahrzehnten Peanuts zusammengestellt, bei denen natürlich auch der allererste (erschienen am 2.10.1950) und der letzte vom 3.1.2000 vertreten ist. Diese Auswahl wird begleitet von redaktionellen Texten, die zusammengenommen einen sehr lesenswerten Abriss über Leben und Werk von Charles M. Schulz ergeben: Nach einem einleitenden Artikel, der Schulz' Jugend und seine ersten Karrierschritte beschreibt, folgt für jedes Peanuts-Jahrzehnt, von den Fünfziger bis zu den Neunziger Jahren, ein weiterer Text von etwa 10 Seiten Umfang.
Knigge schildert auf sehr lesenswerte Weise die einzigartige Karriere von Charles M. Schulz (den er meist bei seinem Spitznamen "Sparky" nennt), der unglaubliche fünf Jahrzehnte lang täglich einen Peanuts-Strip ablieferte, und zwar ohne die Hilfe eines Studios oder eines Assistenten, sondern stets eigenhändig. Er zeichnet Schulz' Weg vom einfachen Sohn eines Friseurs zu einem der bestverdienenden Künstler der Welt nach, der trotz seines Erfolges stets sehr bescheiden blieb und es schaffte, eine immense Merchandising-Maschine zu bedienen, ohne Einfluss und Kontrolle über seine Schöpfung zu verlieren. Das Buch zeigt auf, wie eng das, was in den Strips passierte, mit der Lebens- und Erfahrungswelt ihres Zeichners zusammenhing, und wie sich Leben und Werk von Schulz gegenseitig beeinflussten.
Zwischen den Artikeln findet man eine reichhaltige Auswahl von Strips aus dem jeweiligen Jahrzehnt, thematisch sortiert und immer mit dem Datum der ersten Veröffentlichung versehen. Diese komprimierte Strip-Sammlung macht besonders jene Themen und Motive deutlich, die über all die Jahre immer wieder in neuen Variationen bei den Peanuts auftauchten, seien es Baseball-Partien, Snoopys surreale Ausflüge als Fliegerass des Ersten Weltkriegs, Schroeders Leidenschaft für Beethoven oder Linus' Obsession mit dem Großen Kürbis. Und natürlich Charlie Brown, der mit all seinen Problemen, Niederlagen und Komplexen, die eigentliche Hauptfigur des Strips ist – und den man, wie Knigges Text deutlich macht, durchaus als eine Art Alter Ego des Künstlers Schulz sehen kann.
Wer regelmäßig die grandiose Peanuts-Werkausgabe kauft, die in insgesamt 25 Bänden das Komplettwerk sammelt, kann möglicherweise auf diesen Sonderband verzichten (wobei Knigges Textbeiträge trotzdem einen Kauf rechtfertigen würden). Für alle anderen ist das Buch jedoch nahezu unverzichtbar, erhält man doch für einen fairen Preis sowohl einen schön gestalteten Best-of-Sampler der Peanuts-Comics als auch eine hochinteressante Schulz-Biographie. Der dicke und großformatige Hardcover-Band macht sich auch sehr gut als Coffeetable-Buch – das ästhetische Problem mit dem Disco-Einband ließe sich ja notfalls mit einem selbstgebastelten Schutzumschlag beheben ...
Wertung: ![]()
Toller Mix aus Primär- und Sekundärliteratur, ein Standardwerk über einen der wichtigsten Vertreter der Comicgeschichte. Sehr empfehlenswert.
Das große Peanuts-Buch
Carlsen Comics, Juni 2010
Comistrips: Charles M. Schulz
Texte: Andreas C. Knigge
Vorwort: Ralf König
352 Seiten, s/w und farbig, Hardcover
Preis: 29,90
ISBN: 978-3-551-78656-2
















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Rezensionen


"Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein kleines gallisches Dorf ..."
Scott McCloud hat mit seinen Büchern "Comics richtig lesen" und "Comics neu erfinden" zwei moderne Klassiker über das Verständnis und die Grundprinzipien von Comics geschrieben. Seit kurzem ist sein neues Werk, "Making Comics - Storytelling Secrets of Comics, Manga and Graphic Novels", erhältlich, in dem er Künstlern Tipps für eine gute Darstellung ihrer Geschichten gibt. So behandelt er u.a. die richtige Auswahl von Szenen für die einzelnen Panels, die Beinflussung der Leserichtung und gute Körpersprache, aber auch, wie man überzeugende Protagonisten und gute Dialoge schreibt.
- 28.09.2006
Während die Produktion von wissenschaftlichen Büchern über Comics in Amerika floriert, existiert auf dem deutschen Markt nur sehr wenig Literatur über die neunte Kunst. Verleger Christian A. Bachmann möchte das mit seinem gleichnamigen Verlag ändern und hat sich dazu mit Batman und dem Wissenschaftler Lars Banhold für ein recht dynamisches Duo entschieden, das pünktlich zum zweiten Batman-Film von Christopher Nolan bereits in die zweite Auflage geht. Der Band ist kein bloßer historischer Abriss über den Comic-Superhelden Batman, sondern vielmehr eine interessant zu lesende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Konstruktion eines Helden.
- 02.10.2008
Selten hat es ein Cover geschafft, die Essenz eines Buches so gut einzufangen, wie das Titelbild von Erotische Comics. Unser voyeuristischer Blick gleitet von den roten High Heels langsam über die Strapse nach oben. Er umspielt einen kleinen Augenblick zu lange das wohlgeformte Hinterteil; erst dann führt er uns weiter über das adrette weiße Kleidchen und über die süße Schleife hin zu einem wilden Rotschopf. Gelenkt von unserer male gaze nehmen wir Stück für Stück wahr, wie sich die einzelnen Details zu einer kompletten Frau zusammenfügen, die ihrerseits jemanden durch ein Schlüsselloch beobachtet. Obwohl nicht wir das Objekt ihrer Begierde sind, wird uns schlagartig klar, dass wir sie mit unseren Augen ausgezogen haben. Ein Gefühl der Scham setzt ein. Dieses ständige Spiel zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Betrachten und betrachtet werden, verfolgt Autor Tim Pilcher über zwei Jahrhunderte und gibt dem geneigten Leser dabei einen interessanten Einblick in das stets wechselnde Verhältnis von Kultur und Sexualität.
Die Geschichte der Comic-Wissenschaft ist eine Geschichte vieler Missverständnisse. Sicherlich verdient jede Bemühung, diese Missverständnisse aufzuklären, zunächst einmal unser Lob, ohne dabei auf Onomatopoesie im Titel („Pow! Peng! Die Welt der Comics") zurückzugreifen. Jabok F. Dittmar hat gerade einen solchen Versuch mit dem simplen Titel Comic-Analyse bei der UVK Verlagsgesellschaft veröffentlicht. Bereits auf dem Klappentext verspricht der Verlag "eine Systematisierung des Blicks auf den Comic", was ja im Prinzip eine gute Sache ist, doch leider vollzieht Dittmar diesen Blick nicht ganz so systematisch wie angekündigt.