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von Thomas Kögel Donnerstag, 28. Februar 2008

 "Daniel und Oleg sind eine WG", sagt der Klappentext. Und zwar eine im Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.


Autor René Roggmann und Zeichner Olli Ferreira (manchmal könnte es auch umgekehrt sein) stellen vor allem die Figur des Daniel in den Mittelpunkt ihrer Kurzcomics (meist sind es One-Pager), die sie schon seit einigen Jahren produzieren, aber noch nie veröffentlicht haben. Daniel gehört zu den Auskennern, er liest die richtigen Magazine und weiß Bescheid. Er ist aber auch ein fürchterlich unentspannter Typ, der vor lauter Stilwillen komplett verkrampft. Muss man diese Platte nicht schon längst haben, darf man jene Band noch gut finden, was ist cool, was ist uncool, und vor allem: bin ich selber cool? Und ist das alles überhaupt noch "indie"? An Oleg dagegen prallen diese Fragen ab, sie könnten ihm egaler nicht sein. Mehr noch, Oleg hat ein paar feine spitze Nadeln im Repertoire, mit dem er Daniels aufgeblasene Coolness-Luftballons immer wieder aufs schönste zum Platzen bringt.

 Trotz aller Übertreibungen sind Roggmanns und Ferreiras Charaktere erstaunlich nah am Leben, was auch für die Nebenfiguren gilt. Wer in einer größeren Stadt lebt, unter 50 ist und sich auch nur ansatzweise für Popkultur interessiert, kennt so ähnliche Typen. Ein bisschen Daniel steckt in vielen von uns, und so lacht man über seine verzweifelten Taten, weil man sich ein bisschen ertappt fühlt, aber dann wieder froh ist, dass man selber nie so extrem sein könnte.

Lebensnah ist Daniel & Oleg auch wegen der Dialoge. Die Figuren sprechen wie echte Menschen, was viel schwieriger hinzukriegen ist, als es sich anhört. Und da dieser Comic sehr wortlastig ist, muss man auch das feine, sehr stylishe Handlettering erwähnen. Zeichnerisch beschränkt sich Olli Ferreira aufs Wesentliche, seine Bilder erscheinen auf den ersten Blick extrem simpel und reduziert. Wer aber genau hinsieht, erkennt filigrane Feinheiten und die Fähigkeit, mit wenigen Strichen viel auszudrücken.

Eigentlich müsste Daniel & Oleg längst als regulärer Comic in einem Magazin wie Spex oder Intro laufen. Aber für Daniel wäre das vermutlich der totale Sell-Out. Zum Glück gibt es das kleine, comic-affine Fanzine Jackpot Baby!, das inzwischen vor allem online aktiv ist. Extra für diesen Comic entstand das erfreulichste Joint Venture seit langem: Gemeinsam sorgen der Zwerchfell Verlag und Jackpot Baby! dafür, dass ein Comic gedruckt wird, der bis dato nur ein paar Insidern in Form von herumgereichten Fotokopien bekannt war.

 Daniel & Oleg ist ein großer, gagreicher Spaß, der trotz aller Gemeinheiten sehr liebevoll die Welt des Indierock und ihre Fans auf Korn nimmt. Ein bisschen sollte man mit dieser Welt schon vertraut sein, um den Comic genießen zu können. Wer noch nie von den White Stripes oder Charlotte Roche gehört hat, liest vielleicht doch lieber was anderes, dem Rest aber sei Du weisst, ich weiss sehr empfohlen.


Daniel & Oleg: Du weisst, ich weiss
Zwerchfell/Jackpot Baby!
, Dezember 2007
Text und Zeichnungen: René Roggman und
Olli Ferreira
Softcover; schwarz-weiß; 64 Seiten; 10,- Euro
ISBN: 978-3-928387-82-8

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