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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 07. Februar 2013
Cyann ist keine neue Serie. Vor einigen Jahren erschien das opulente Werk des Meisters François Bourgeon schon einmal beim Carlsen Verlag. Warum also wieder zugreifen? Die Druckqualität hat sich verbessert, das große Hardcover-Format und die vielen Skizzen und Anmerkungen der Werkausgabe sind ein zusätzliches Kaufargument. Aber der größte Pluspunkt besteht darin, dass der Splitter Verlag nun auch die beiden Abschlussbände veröffentlichen wird, die in Frankreich erst nach längerer Pause auf den Markt kamen. Doch zunächst sollen die ersten beiden Alben betrachtet werden, welche die erste große Storyline umfassen.
Cyann ist die Tochter des mächtigen Patriarchen Olsimar. Der Planet Olh wird von Clans beherrscht und es herrscht eine rigide gesellschaftliche Ordnung. Diese Ordnung ist bedroht, da eine Seuche die männliche Bevölkerung dezimiert, darunter Cyanns Bruder, und Unzufriedenheit die Gesellschaft erschüttert. Olsimar entschließt sich, eine Expedition auf den fernen Planeten Ilo auszurüsten, um dort nach einem Wirkstoff suchen zu lassen. Seine Wahl zur Expeditionsleiterin fällt auf die wilde Cyann, die nichts als ihr Vergnügen zum Lebensinhalt hat und deren Freundin Nacara so ihre liebe Mühe und Not hat, Cyann zu bändigen. Deswegen wird sie ihr zur Seite gestellt. Doch viele Interessengruppen legen alles darauf an, die Expedition scheitern zu lassen. Und auch auf dem Planeten Ilo ist alles anders als gedacht und die Expedition gerät in große Gefahr.
Nach den ersten vier Alben, die zwischen 1993 und 2007 bei Carlsen erschienen, gab es eine lange Pause. Erst 2012 kam in Frankreich ein fünfter Band heraus, der bei Splitter für April geplant ist. Angesichts der detaillierten Gestaltung der Zeichnungen ist es kein Wunder, dass Bourgeon für seine Comics länger braucht als andere Zeichner. Allein schon seine anderen Serien wie Reisende im Wind und Gefährten der Dämmerung strotzen vor Details und penibler Ausarbeitung noch des kleinsten Knopfes. Und in Cyann werden, dem Science-Fiction-Genre gemäß, nicht nur eine, sondern gleich mehrere Welten entworfen. Und das braucht Zeit. Zeit, die sich lohnt: Optisch sind die beiden Bände, wie immer bei Bourgeon, äußerst beeindruckend.
Manchmal geht das aber zu Lasten der Story. Und auch wenn er sich hier Unterstützung von Claude Lacroix geholt hat, kränkelt sie hier und da und macht die Bände etwas sperrig. Das liegt zum einen daran, dass vieles erstaunlich unspektakulär vonstatten geht. Manche dramatischen Szenen haben kein richtiges Ende, sondern werden anstatt auf szenischer Ebene im Dialog weitergeführt. Viele Hintergründe und Folgen dramatischer Episoden werden auf diese Weise aufgearbeitet, wodurch keine richtige übergeordnete Dramaturgie entstehen will. Andererseits ist auch die Heldin Cyann nicht gerade sympathisch, was vor allem den ersten Band stellenweise zu einer Geduldsprobe macht. Aber wie es sich für das Genre gehört: Die Heldin wächst an ihren Aufgaben. So sind alle Geschehnisse auch dazu gedacht, die Heldin reifen zu lassen. Und am Ende des zweiten Bandes ist sie anders als zu Beginn.
Somit ist Die Tochter der Sterne nicht nur eine Abenteuergeschichte, sondern indirekt auch eine Coming-of-Age-Story. Inhaltlich wird hier viel geboten: Das Epos bietet Intrigen, Sex, Mord, Action, Drama, Romantik und und und. Vor allem aber beeindrucken die Welten, welche Bourgeon hier entwirft. Man muss sich erst in dieser Gesellschaft, dem Leben auf dem fremden Planeten und seiner Flora und Fauna zurechtfinden. Die Story droht da immer wieder in der zeichnerischen Opulenz unterzugehen – aber man kann es nicht mehr erwarten, die folgenden Bände zu lesen, um zu sehen, wie es nach dem deutlichen Abschluss des ersten Zyklus weiter gehen mag.
Wertung: ![]()
Vielleicht das Opus Magnum von Bourgeon, wobei die manchmal kränkelnde Story den Weg zum Meisterwerk verhindert.
Cyann – Die Tochter der Sterne
Splitter Verlag, November/Dezember 2012
Text: François Bourgeon, Claude Lacroix
Zeichnungen: François Bourgeon
Preis: je 26,80 Euro
Band 1: Der sterbende Planet
Übersetzer: Harald Sachse
144 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-549-6
Leseprobe
Band 2: Sechs Monde auf Ilo
Übersetzer: Harald Sachse, Dominik Madecki
128 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-550-2
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen



Nachdem in der Ehapa Comic Collection bereits im Jahr 2008 mit Fins de Siècle ein Sammelband mit den Alben „Der Schlaf der Vernunft“ und „Treibjagd“ vom Kreativteam Pierre Christin und Enki Bilal neu aufgelegt wurde, legt der Verlag mit Legenden der Gegenwart eine weitere Gesamtausgabe der beiden Künstler vor.
Was ist eigentlich so verkehrt an rein historischen Comics? Wieso müssen neue historisch orientierte Serien sich häufig der Faktentreue verweigern und sich stattdessen einem Genremix hingeben? Mittlerweile wäre eine treue Historienadaption mal sehr außergewöhnlich. Aber die Herangehensweise, mehrere Genres zu mischen, hat natürlich auch Vorteile. So wäre historische Faktentreue ein Gerüst, welches die Handlung stark einschränken würde, da man sich nicht beliebig viele Freiheiten nehmen kann. Meist bleibt die Faktentreue denn auch auf das Dekor beschränkt. Andererseits hat Geschichte immer genügend weiße Flecken, die von Fantasie und Schöpferkraft gefüllt werden können. Man kann eben nie alles über das Vergangene wissen..
Diese Dame verwirrt einem wirklich die Sinne. Sieht man das schön gestaltete Cover mit einer verführerischen Frau und dem Titel Sukkubus,
geht man von einer erotisch gestalteten Mysteryserie aus. Ein "Sukkubus" ist schließlich ein weiblicher Dämon, der durch sexuelle
Verführung die Seelen von Männern einfängt. Das ist in diesem Comic
aber nicht der Fall. Stattdessen liegt ein ziemlich verwirrender
Historiencomic vor, der sich einem nicht so schnell erschließt.
Jedenfalls könnte der Leser auch eine Eule als Vogel der Weisheit,
der in dem Album häufig vorkommt, gebrauchen.
- 24.02.2010
Alexandro Jodorowsky, einer der ganz großen Comicautoren, meldet sich mit seiner neuen Serie Der schreckliche Papst zurück. Hatte sich Jodorowsky zunächst viel mit Science-Fiction beschäftigt (John Difool mit Moebius, Die Kaste der Meta-Barone mit Juan Giménez) und dann mit Western (Juan Solo und Bouncer) drückt er nun dem historischen Comic seinen Stempel auf. Die mit Milo Manara begonnene Serie Borgia (bei Kult Editionen) läuft noch und schon kommt quasi die Fortsetzung heraus.
- 19.08.2010