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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Frauke Donnerstag, 26. Januar 2006
Seit sie mit ihren Eltern zu ihrem geheimnisvollen Großonkel Aloysius gezogen ist, lernt die eigensinnige Courtney eine Welt neben der "normalen" kennen; besiedelt von den geheimnisvollen Wesen der Nacht, Hexen, Magiern und sprechenden Katzen.
Meine Erwartungen waren nach dem ersten Band hoch geschraubt - aber sie wurden nicht enttäuscht.
Wiederum gelingt Ted Naifeh die Balance zwischen Horror, Humor, Sozialkritik und Wärme ausgezeichnet - und zeichnen kann der Mann auch noch.
Den ersten Band muss man nicht unbedingt gelesen haben, er erklärt aber so einiges, auf das hier nicht mehr gesondert eingegangen wird.
Diesmal geht es um ungeklärte Morde, das zu Unrecht verdächtigte Wesen Skarrow, denen die Crumrins Schutz gewähren, und Onkel Aloysius' Kampf um dieses Wesen in der Gilde der Geheimnisse, eine Art magischer Rat. Wie alles zusammenhängt erfährt man im Lauf der Geschichte, denn Courtney hat es sich zum Ziel gemacht, den wahren Täter zu finden und so den sanften Skarrow zu retten.
Dabei ist Courtney keineswegs eines dieser altklugen Kinder, die alles viel besser als die Erwachsenen können und damit den Lesern ziemlich schnell auf die Nerven gehen.
Sie ist zwar altklug, aber sie kann eben nicht alles besser. Und so geht sie zwar trotzig ihren eigenen Nachforschungen nach, macht aber auch Fehler. Nicht alles funktioniert so, wie der Dickschädel es gerne hätte, was diese Serie unter anderem positiv herausstechen lässt aus anderen, in denen Kinder als Hauptfiguren agieren. Naifeh liebt Courtney und ihre Welt, lässt sie ihrem Herzen folgen, vergisst aber nie, dass sie eben doch noch ein Kind ist.
Ihrem geduldigen, weisen Großonkel ist Courtney sowieso unterlagen, er kennt all ihre Tricks. Aloysius lässt sie viel ausprobieren, ist aber oft rechtzeitig zur Stelle, wenn sie mal wieder ein wenig übermütig wird und sich in Gefahr bringt. Eine wunderbare Beziehung zu einem Erwachsenen, wie sie sich vermutlich viele Kinder wünschen.
Am Ende erschien mir ein Aspekt unlogisch, aber da könnte es durchaus noch zu einer Auflösung im dritten Band kommen. Mal schauen.
Die deutsche Übersetzung ist an sich schön zu lesen. Manche Wörter finde ich nicht so passend, aber so etwas ist Geschmackssache. Überaus gelungen empfand ich die nach Wortwitzen wohl fieseste Klippe für Übersetzer: es gibt hier ein paar Reime und Zaubersprüche, die ja 1.) Sinn ergeben müssen, 2.) sich reimen sollen und 3.) auch noch in die recht kleinen Sprechblasen passen müssen. Das wurde durchweg gut gelöst. Als etwas übertrieben erschien mir der Slang von Butterworm, da wäre manchmal weniger mehr.
Auch die sonstige Aufmachung hinterlässt einen angenehmen Eindruck. Gutes Lettering, mattes Papier, satinierter Einband, angenehme handliche Größe. Meinen Geschmack hat's auf alle Fälle getroffen.
Meine Lobhudeleien für den ersten Band kann ich hier nur fortführen.
Ted Naifeh zelebriert Individualismus, liebt Gegen-den-Strom-Schwimmer, ermuntert zum eigenen Denken. Er weiß dabei auch um die Gefahren und zeigt in diesem Band, dass man Acht geben muss, um nicht zu einem unsozialen Einzelbrötler zu werden.
Naifeh ist ein intelligenter Autor und Erzähler, der in seinem Gruselmärchen gekonnt seine ermunternde Botschaft über Eigenständigkeit zu transportieren und dabei gleichzeitig wunderbar zu unterhalten vermag. Dabei driftet er nicht in romantische Schwärmereien ab, sondern bleibt trotz seiner Fantasiewelt in einer angenehmen Weise auf dem Teppich.
Naifeh ist aber ebenso auch ein begnadeter Zeichner, der mit sicherem und trotzdem anmutigen Strich seine liebevoll in Szene gesetzten Figuren präsentiert und dabei mitunter geschickt mit den Schwarzflächen spielt.
Wer Tim Burtons Stil oder Emily The Strange in sein Herz geschlossen hat, der kann hier sowieso bedenkenlos zugreifen. Aber auch alle anderen, die einen Sinn für schwarzen Humor haben und bereit sind, sich in eine etwas andere Welt als unsere zu begeben, sollten mal einen Blick riskieren.
Für mich eine Perle. Absolute Kaufempfehlung!
Courtney Crumrin und die Gilde der Geheimnisse (2. Band der Courtney-Crumrin-Reihe)
Eidalon (achtseitige Leseprobe)
Autor und Zeichner: Ted Naifeh
136 Seiten, schwarz-weiß, Softcover; 9,90 Euro
ISBN: 3936686750

Bildquellen: Comic Combo (Cover), eidalon.de (Probeseite)
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Christophe Bec macht in seiner Fortsetzung von Prometheus genau
da weiter, wo er im Auftaktband „Atlantis" aufgehört hatte. So vermischt
der Autor auch in "Blue Beam Project" Versatzstücke aus der
griechischen Mythologie - der Titel verrät es bereits - mit einer
kinoverdächtigen Blockbusterästhetik zu einer reißerischen
Endzeit-Science-Fiction. Wer sich bei der Lektüre der Serie unweigerlich
an die Filme von Roland Emmerich (Independence Day, 2012)
oder James Cameron (Titanic) erinnert fühlt, hat die
"Vor-Bilder" der Serie bereits entlarvt.
- 09.04.2010
Alles in allem verstörend. So oder so ähnlich würde
ich jemandem antworten, der mich nach einer Beschreibung zu Codex
Angélique fragen würde. Die im französischen Original in drei Alben
veröffentlichte Serie liegt in der Ehapa Comic Collection als All-in-One-Edition vor.
Wie bei einigen dieser Ausgaben zuvor gibt es auch bei dieser Licht
und Schatten zu konstatieren. Leider wird man des anfänglich recht
interessanten Settings recht schnell überdrüssig, spätestens wenn sich
die Handlung komplett in den Wirren von Mystik und Übersinnlichem
verstrickt.
Es passiert nicht mehr oft, dass junge deutschsprachige
Comic-Enthusiasten ihre eigenen Projekte auf eigene Faust als Heftserie
veröffentlichen. Jetzt haben zwei Österreicher diesen Schritt gewagt: Frank (oder, wie es in der Originalschreibweise heißt:
Im bereits achten Band der Reihe von Hellboy lässt sich Mike
Mignolas Schöpfung erstmals komplett in Farbe bestaunen. Bislang setzte man ja
ganz auf die unberührten Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was sicherlich einen besonderen Reiz
der deutschen Ausgabe ausmachte. Immerhin kommen Mignolas Bilder dabei einfach
unverfälschter rüber und die s/w-Kontraste, die Mignola sehr gezielt einsetzt,
entfalten ihre volle Wirkung. Im neuen Band "Die Troll-Hexe" beließ man
es nicht nur bei den Gastzeichnern Richard Corben und P. Craig Russel bei der
Kolorierung des US-Originals, sondern auch Mignolas Geschichten behielten ihren
Farbanteil. Somit hat man als Leser jetzt den direkten Vergleich zwischen Farb-
und s/w- Version.
Zum zwanzigsten Jubiläum der Sandman-Reihe hat P. Craig Russell
(Batman, Die Zauberflöte) Neil Gaimans "Traumjäger" adaptiert.
Ursprünglich war "Traumjäger" kein Comic, sondern eine illustrierte
Kurzgeschichte, die Gaiman zusammen mit dem Illustrator Yoshitaka Amano
umgesetzt hat. Nun liegt bei Panini Comic mit dem leicht abgewandelten
Titel "Die Traumjäger" also Russels Comicinterpretation vor. Russel hat
bereits fünfmal mit Gaiman zusammengearbeitet, darunter Coraline.
- 02.09.2010