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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 24. März 2011


Chauvel und Le Saec setzen ihre Geschichte des organisierten Verbrechens in New York mit „Murder Inc." fort. Aufgrund ihres „True Crime"-Charakteristikums ist die Reihe sehr faszinierend. Schließlich werden hier reale Fälle und Personen behandelt, die heute zumeist hinter popkulturellen Arbeiten wie Filmen, Romanen und anderen Comics kaum mehr zu entdecken sind. Was ist Mythos und was Realität? Die ganze Reihe Cosa Nostra ist ein historisches Sachbuch in Comicform. Und das hat als bebildertes Geschichtsbuch über Verbrechen seinen Reiz, weil es die Mythen ignoriert.

Manche Mängel des Bandes liegen im Genre selbst begründet. Die Gesichter etwa sind von Erwan Le Saec sehr verwechselbar gezeichnet und nur durch kleinste Kleinigkeiten auseinanderzuhalten (was durch die kleinen Panels zusätzllich erschwert wird). Nun will es schon die Natur eines Geschichtscomics, dass viele Personen und viele Namen vorkommen. Hier droht der Leser den Überblick zu verlieren. Wenn man dann noch nicht einmal die Personen auseinanderhalten kann, braucht es schon eine gehörige Portion Konzentration.

Ermüdend wirkt Cosa Nostra auch dadurch, dass manche wichtigen Elemente der Vorbände hier nicht mehr auftauchen. Der soziokulturelle Kontext, also warum zu dieser Zeit in dieser Situation diese Personen als Verbrecher aufsteigen konnten, wird vernachlässigt. Das ist insofern bedauerlich, da die Murder Inc. in zehn Jahren 3000 Menschen ermordete! Da bräuchte man schon detailliertere soziokulturelle Einsichten, um diesen „Erfolg" zu erklären und nicht eine endlose Aneinanderreihung von Namen, Daten und Fakten, in der sich vieles wiederholt. Warum die Organisation so lange unbehelligt blieb, wird auch nicht richtig klar. Was die Lektüre noch zusätzlich erschwert, ist der mangelnde rote Faden. Die ganze Geschichte hat keine Struktur. Bei einer Biografie wäre es der Lebensfaden, aber bei einer Organisation mit so vielen Figuren ist kein Faden, sondern eher ein Knäuel vorhanden. Oder, für den Autor, ein gordischer Knoten.

Graphisch ist auch der fünfte Band im realistischen frankobelgischen Stil gehalten. Leider fallen Le Saec keine besonderen Bilder ein. Waren im Vorgängerband noch schön versteckt Symbole eingearbeitet, fallen hier nur einige gewagte Perspektiven und die sehr gelungene Farbgebung auf. Die Verwendung von Zooms, also das schrittweise Annähern von einer Totalansicht bis hin zu Details, welches den Leser quasi in den Bodensatz der Stadt führt, ist zwar gelungen, geschieht aber zu häufig. Auch dieser Mangel an graphischen Ideen führt zu Ermüdungserscheinungen beim Leser.

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Wertung: 6 von 10 Punkten

Historisch faszinierend, ist der fünfte Band der epochalen Serie leider recht einfallslos geraten und hat keinen roten Faden. Einer der schwächsten Bände der Reihe.

 

Cosa Nostra 5 - Murder Inc.
Schreiber& Leser noir, Januar 2011
Text: David Chauvel
Zeichnungen: Erwan Le Saec
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-55-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser



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