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von Jons Marek Schiemann Dienstag, 16. Februar 2010

 In der Comicadaption der Geschichte der Cosa Nostra Amerikas der Zwanziger und Dreißiger Jahre wird ein neues Kapitel aufgeschlagen.

1931: Lucky Luciano hat es geschafft. Er ist jetzt einer der mächtigsten Männer New Yorks. Nicht nur hat er seine Konkurrenten ausgeschaltet, er ist auch in der Riege der Bosse respektiert. Seine Ratschläge, um anderen aus Problemen herauszuhelfen und somit Verbündete zu gewinnen, sind dort durchwegs willkommen. Nach der Ermordung eines einflussreichen Konkurrenten ist er in die hohen Ränge der Cosa Nostra aufgestiegen und beginnt seinen Einflussbereich auszudehnen. Das verschafft ihm allerdings mit dem Boss der Bosse, Maranzano, einen gefährlichen Gegner. Zudem wird der rivalisierende Bandenboss Dutch Schultz immer unberechenbarer. Dass New Yorks neuer Staatsanwalt und der neue Bürgermeister mit ihrem Kampf gegen das Verbrechen Ernst machen, merken alle Gangster der Stadt ziemlich deutlich. Die Hetzjagd beginnt.

Über die Zeit der großen Verbrecher Amerikas wurde im Laufe der Jahre so viel geschrieben und so viele Filme gedreht, dass sich deren Biographien verselbstständigten und ein Mythos um die Gangster geschaffen wurde. Dies begann schon zu ihren Lebzeiten, wobei ein paar Findige an ihrer Legende selber mitschrieben. Vor allem Al Capone scheute die Öffentlichkeit nicht und umgab sich mit einem Nimbus der Unbesiegbarkeit. John Dillinger gab sich als moderner Robin Hood, der er nun wahrlich nicht war. Legs Diamond überlebte so viele Mordanschläge, dass die Leute anfingen zu glauben, er sei unverwundbar. Aber indem er begann, an seinen eigenen Mythos zu glauben, unterzeichnete er sein Todesurteil.

 Dass Legs Diamond zu Unrecht eine legendäre Gestalt wurde, wird in diesem Comic anschaulich geschildert. Eine der größten Stärken der Reihe Cosa Nostra ist die Mischung aus Comic und Historienbuch, aber zugleich ist dies auch eine ihrer Schwächen. Durch die Faktentreue des Comics geht im dramaturgischen Bereich einiges an Dynamik verloren. Autor David Chauvel versucht möglichst viele Tatsachen unterzubringen, was auf Kosten einer strafferen Erzählweise geht. In der Verknüpfung mehrerer unterschiedlicher Biographien (die von Luciano, aber auch von Dutch Schultz, Thomas E. Dewey und Legs Diamond), werden diverse Zeitsprünge in Kauf genommen, die dem Leser einiges an Konzentration abverlangen, bis man wieder am eigentlichen Erzählstrang angekommen ist.

Dies verhindert einen stringenten dramaturgischen Spannungsaufbau, der die (Erzähl-)Geschichte vorangetrieben hätte. Zum Beispiel wird an der Stelle, an der die beiden Rivalen Lucky Luciano und Dutch Schultz in Konflikt  geraten, die Handlung abgebrochen und mit einem neuen Kapitel zunächst die Lebensgeschichte von Schultz erzählt. Erst danach wird der Faden wieder aufgenommen und die eigentliche Handlung fortgeführt.

Als Geschichtsbuch ist der Comic mit seinen historischen Fakten sehr spannend. Allerdings führt die nicht-lineare Erzählweise dazu, dass es ein bisschen unübersichtlich wird. Sehr positive Aspekte sind die historische Authentizität und vor allem sehr gute Montageszenen. Wie zum Beispiel gleich im ersten Panel, wo man eine Häuserfront durch ein Sektglas hindurch sieht. Hervorragend gestaltet ist auch die Szene, in der eine Intrige während eines Zoobesuchs gesponnen wird. Während im Hintergrund zwei Löwen miteinander kämpfen, verbünden sich zwei Gangster, um den Tod eines Dritten zu besiegeln. Bei der enormen Fülle von Charakteren und Namen verschwimmen die Zeichnungen der Gesichter allerdings etwas im Auge des Betrachters und sind nicht immer gut voneinander zu unterscheiden. 

 

Cosa Nostra 4 - Die Hetzjagd
Alles Gute, Verlag Schreiber & Leser, Januar 2010
Text: David Chauvel
Zeichnungen: Erwan Le Saec
Hardcover, 144 Seiten, farbig,
22,80 Euro
ISBN: 9783941239265

Gut
Ein spannendes Kapitel der Geschichte, sehr gut umgesetzt. Nur wirken die Vielzahl von Namen und Charakteren relativ schnell ermüdend.

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Abbildungen © Schreiber & Leser



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