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von Jons Marek Schiemann Samstag, 02. Juli 2011

Cover Clockwerx 1

Im London des Jahres 1897 geschehen im Hafen merkwürdige Dinge. Ein riesiges Maschinenwesen greift Arbeiter an. Ein verdeckt ermittelnder ehemaliger Polizist stößt auf zwei gegnerische Gruppen, die einander mit Riesenrobotern, den „Clocks“, bekämpfen. Das Ziel beider Parteien ist eine neue Energiequelle, wobei ein Industriekonglomerat diese Quelle benutzen will, um die Weltherrschaft zu erlangen.

Die zweiteilige Serie vom Autorenduo Jason Henderson und Tony Salvaggio lässt sich ganz gut an; der erste Band enthält einerseits genügend Informationen um dem Leser eine Ahnung davon zu geben, worum es hier geht, andererseits bleiben ausreichend Aspekte offen und erhalten die Spannung auf den zweiten Band. Erst in diesem wird wirklich deutlich, worum es geht. Im Grunde aber ist das nicht viel.

Die dürftige Handlung dient nur als Gerüst für Action, die Figuren bleiben leider fast alle recht blass und dass sich einer der Bösen auf einmal wandelt und die Guten unterstützt, ist ziemlich unglaubwürdig. Die Mischung aus Iron Man und Historiencomic ist zwar etwas krude, aber die für ein Debüt sehr guten Zeichnungen von Jean-Baptiste Hostache machen einiges wett.

Seite aus Clockwerx 2 Clockwerx ist ein typischer Vertreter des „Steampunk“. Dass dieses Genre meist im viktorianischen Zeitalter angesiedelt ist, liegt nahe: Einerseits war England, besser: das britische Empire, noch sehr in Traditionen verhaftet und gab sich nach außen hin sehr prüde, andererseits pflegte man einen erheblichen Fortschrittsglauben, der durch einen Hang zum Spiritismus kontrastiert wurde. Die kulturelle Hochblüte besonders in der Literatur (wie etwa durch Dickens, Wilde, Stoker, Austen, Collins, Conan Doyle oder Stevenson) war geprägt von nach außen zivilisiertem Betragen und von wilden Leidenschaften im Herzen. Dadurch kann ein Werk wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde als Paradebeispiel für eine ganze Epoche gelten.

Beide Aspekte, der Fortschrittsglaube und der Traditionalismus, finden sich auch in Clockwerx. Die Technik wird glorifiziert, sie ist der Motor der Geschichte, gleichzeitig wird sie dämonisiert: Die Energiequelle, nach der alle jagen, trägt den Namen „Luzifernium“ (von Luzifer, also der Teufel), was zugegebenermaßen ziemlich platt ist. Die technische Entwicklung gilt also einerseits als Heilsbringer (Luzifer bedeutet auch „der Lichtbringer“), andererseits als möglicher Weg in den Untergang (der Missbrauch durch skrupellose Geschäftsleute: der teuflische Aspekt). Dieser Dualismus spiegelt sich auch in den Titeln der Einzelbände wider: „Genesis“ und „Sintflut“, Schöpfung und Zerstörung. So richtig wollen diese Titel aber nicht passen, da inhaltlich kaum biblische Anspielungen vorkommen. Das Teuflische in der Serie ist eher an Prometheus aus der griechischen Sage denn an den christlichen Teufel angelehnt, wobei die Wissenschaftler ihre Opfer bringen müssen.

Cover Clockwerx 2 Die Zeichnungen wechseln irritierenderweise von detaillierter Ausführung zu einer sehr flächigen Gestaltung und wieder zurück. Besonders in den Hintergründen ist diese nicht gerade einheitliche Linie festzustellen. Die Actionszenen geraten paradoxerweise sprunghaft und gleichzeitig undynamisch. Besonders im Finale wird es unübersichtlich, da bei der vielen Action die Zeichnungen ineinander verschwimmen. Das Setting und die Stimmung ist Hostache jedoch hervorragend gelungen, die tolle Kolorierung vermag es, die Atmosphäre des Gaslichtzeitalters sehr gut einzufangen.

Auch wenn die Serie jetzt beendet ist, haben sich die Macher die Option offen gehalten, sie mit einem weiteren Zyklus fortzusetzen. Wenn die ersten beiden Bände aber als Maßstab gelten, wird der Kampf der Roboter gegen ein industrielles Konglomerat nur in einem anderen Land fortgeführt werden. Mehr gibt die Story bislang eigentlich nicht her.

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Wertung: 6 von 10 Punkten

Gute Zeichnungen überdecken leidlich eine doch recht dürftige und sprunghafte Story.


Clockwerx
Splitter Verlag
je 56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: je 13,80

Band 1: Genesis
März 2011
Text: Jason Henderson, Tony Salvaggio
Zeichnungen: Jean-Baptiste Hostache
ISBN: 978-3-86869-210-5
Leseprobe

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Band 2: Sintflut
Juni 2011
Text: Izu, Jason Henderson, Tony Salvaggio

Zeichnungen: Jean-Baptiste Hostache
ISBN: 978-3-86869-211-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag



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