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von Marco Behringer Donnerstag, 18. November 2010

castro Reinhard Kleist gehört seit geraumer Zeit unbestritten zur ersten Riege deutschsprachiger Comiczeichner. Mit Veröffentlichungen wie Cash – I See A Darkness hat er in jüngster Vergangenheit seine Ausnahmestellung unterstrichen. Seine von der Kritik und den Lesern gleichermaßen geschätzte Biografie über Johnny Cash ist nicht nur in Deutschland extrem erfolgreich, sondern wurde zudem in zahlreiche Sprachen übertragen und war für einen Eisner Award nominiert.

Aber auch schon lange Zeit, bevor die Graphic Novel salonfähig wurde, hat sich der deutsche Comickünstler durch anspruchsvolle Unterhaltung hervorgetan. Bereits mit seinem Debütcomic Lovecraft konnte Kleist schnell auf sich aufmerksam machen. Durch seine darauffolgenden Titel wie Dorian oder auch seine Berlinoir-Trilogie hat sich der preisgekrönte Comicautor etablieren können.

In seinem neuen Buch Castro beschäftigt sich Kleist mit Kuba, einem der letzten Außenposten des real existierenden Sozialismus. Genauer gesagt mit dem "Maximo Lider" der Revolution: Fidel Castro. Kaum eine Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts wirkte derart polarisierend und kann auf ein so ereignisreiches als auch widerspruchsvolles Leben zurückblicken wie der ehemalige kubanische Revolutionsführer und Staatschef: vom ersten Arbeiteraufstand, den der junge Fidel auf der väterlichen Finca anzuzetteln versuchte, über die siegreiche Revolution gegen das Batista-Regime, die gescheiterte CIA-Invasion in der Schweinebucht und die "Raketenkrise" bis hin zu den Jahrzehnten des Mangels und der Verfolgung politisch Andersdenkender, die zunehmend im Widerspruch zu Castros Idealen zu stehen scheinen.

Gewohnt kunstvoll erzählend nähert sich Reinhard Kleist dem umstrittenen Revolutionär und Politiker und hält dessen bewegtes Leben und seine politischen Ideen und Ideale ebenso facettenreich fest wie deren Folgen für die kubanische Gesellschaft. Dafür hat er die Perspektive des fiktiven Exil-Fotografen gewählt, der seine Heimat 1958 verlässt und nie wieder zurückkehren wird, weil er sich vom ideologisch geprägtem Kampf der kubanischen Revolutionäre um Fidel faszinieren und in den Bann ziehen lässt.

Mit kraftvollem, vitalem Strich präsentiert Kleist eine kontrastreiche, schwarz-weiße Comic-Biografie, deren Zeichenstil am ehesten mit Will Eisners Strich vergleichbar ist. Teilweise wirken die Bilder dramatisiert und zugespitzt, was aber in Ordnung geht. Um die Stimmung vor Ort besser einfangen zu können, unternahm Kleist im Frühjahr 2008 eigens eine Recherchereise nach Kuba, aus der bereits das viel beachtete Reisetagebuch Havanna hervorgegangen ist.

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Immer öfter bieten Comics über die Zeitgeschichte die angenehme Möglichkeit, sich der Historie in unterhaltsamer Form anzunähern. Auch mit Castro kann man ein komplexes Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts in unterhaltsamer Variante nachlesen. Kleist betreibt dabei keine Schönfärberei, sondern zeigt auch die Schattenseiten des Maximo Liders auf. Dass dabei vor allem bis zum Ende hin viele Aspekte der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge verloren gehen, mag man verzeihen. Die Lektüre von Geschichtsbüchern kann und will Castro ja gar nicht ersetzen.

 

Wertung: Gut - 7 von 10 Punkten

Kleist zeigt Castro in kunstvoller Erzählform und dynamischem Strich


Castro
Verlag: Carlsen Comics, Oktober 2010
Text und Zeichnungen: Reinhard Kleist
Seiten, Farben, Umschlag: 280 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 19,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78965-5
Video: Reinhard Kleist erzählt über Castro

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Abbildungen © Reinhard Kleist



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