JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Christopher Bünte Samstag, 21. Oktober 2006

cash Spätestens seit Walk The Line im Kino lief, kann man guten Gewissens von »Cashmania« reden. Franz Dobler, Autor der Cash-Biographie The Beast In Me, verwendet diese Vokabel in seinem Vorwort zu Reinhard Kleists Comicbiographie Cash - I see a darkness. Cashmania. Ein Ausdruck für die allgemeine Begeisterung, die Johnny Cash posthum zuteil wird. Der schwarze Highwayman, Mister Ring-of-Fire, hat es in die Popkultur geschafft. Fast möchte man von Kult sprechen, wäre das Wort nicht so abgegriffen.



Bei Carlsen taucht nun die Lebensgeschichte von Johnny Cash als Comic auf. Neuerdings scheint sich die Comiclandschaft für die Musikszene zu interessieren. Comics über Bob Marley und Frank Zappa stehen bei Ehapa auf dem Programm. Bei Edition 52, die bereits Werke von Kleist veröffentlicht haben, soll im März 2007 eine limiterte und signierte Luxusausgabe von Cash - I see a darkness erscheinen. Mit CD, Hardcover und einem eigenen Titelbild. In Berlin lädt die Galerie Knoth und Krüger ein. Sie stellt in der Oranienstraße 188 die Kleistschen Originalseiten des Comics aus und lädt am 3.11. zu Digger Barnes aus Hamburg mit seinem VJ Pencil Quincy ein. Ob man wohl mit Cowboystiefeln zur Vernissage erscheinen darf?


Kleists Cash - I see a darkness scheint also einen Trend zu treffen. Ist ja auch nicht schwierig. Man nehme: einen bekannten, aber nicht allzu abgegriffenen Musiker. Dazu rühre man seinen Lebenslauf und ein paar seiner Songtexte. Vermische knackige Zitate mit ein wenig Lebensweisheit, Zeitgeist und Fakten - und fertig ist die Biographie!

Sicher, so würde ein Trendprodukt gemacht werden. Zum Glück ist Cash - I see a darkness keines, Reinhard Kleist sei Dank!

Der Zeichner geht mit hartem, aber sehr feinem und kontrolliertem Strich zu Werke. Ganz in Schwarz und Weiß, wie es für Johnny Cash nicht anders sein könnte. Musik, Drogen, June Carter und Folsom Prison - alles, was zu Johnny gehört, ist da. Zwischen die bekannten Fakten mischen sich Untertöne, die tiefer und an den schlichten Ereignissen vorbei blicken lassen. Johnny Cash auf dem Baumwollfeld mit seinem Bruder, familiäre Szenen, die Schlussequenz, in der ein ganzes Leben rekapituliert wird.


Was Reinhard Kleist dem Leser da sehr behutsam mitteilen möchte, hat mit dem Gefühl zu tun, ein Gefangener zu sein. Immer die eigenen Grenzen sehen, gegen sie anstürmen, sie überwinden, bloß, um eine Weile Ruhe zu finden und sich eigentlich doch nicht vom Fleck zu bewegen. Cash fühlte sich eingesperrt. Zunächst im ländlich-armen Milieu seiner Kindheit, dann in seiner Ehe, zuletzt auf der Bühne und im Drogensumpf. Deshalb konnte er in Folsom Prison singen und dazugehören, obwohl er selbst niemals im Knast gesessen hat.


Als auf den letzten Seiten die Geschichte von Glen Sherley zu Ende erzählt wird - einem jungen Inhaftierten, den Cash aus dem Gefängnis in seine Show geholt hat -, ahnt der Leser einen Bruch. Cash, von der Freiheit besessen, erlebte, wie der aus Folsom befreite Sherley draußen an seiner eigenen Freiheit zugrunde ging. Vielleicht hat es geholfen, dass Cash sich zum Ende seiner Tage nicht mehr ganz so gefangen und eingegrenzt in der Welt fühlte.
Denn vielleicht gibt es Vögel, die für den Käfig geboren wurden, und Vögel, die fliegen. Und wer möchte schon in den engen Grenzen eines vergänglichen Trends gefangen sein? Reinhard Kleist offensichtlich nicht.


Cash - I see a darkness
Text und Zeichnungen: Reinhard Kleist
Carlsen , Oktober 2006
207 Seiten, Softcover, schwarz-weiß; 14,- Euro
ISBN 3551768374

eric2



a1

 

a2




Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Faust - Der Tragödie erster Teil
     Noch bevor Flix mit Held und dessen Nachfolgebänden seinen Durchbruch als Comiczeichner schaffte, hatte er bereits einen Comic bei Eichborn veröffentlicht, der mittlerweile längst vergriffen ist: Who the Fuck is Faust?, seine parodistische Version des großen deutschen Literaturklassikers. Im letzten Jahr kehrte Flix zurück zu diesen Wurzeln und widmte sich noch einmal dem Faust. Für die FAZ entstand ein 80-teiliger Fortsetzungscomic, der von Juli bis Dezember 2009 lief und nun als leicht überarbeitete Buchausgabe bei Carlsen vorliegt. - 21.07.2010
  • Havanna - Eine kubanische Reise
     Reinhard Kleist zählt wohl zu den bedeutendsten deutschsprachigen Comiczeichnern derzeit. Ncht zuletzt dank seiner Biografie über die Musiklegende Johnny Cash, Cash - I See a Darkness, fand Kleists über die Jahre stetig verbesserter Stil in letzter Zeit viel Beachtung. Für seinen aktuellen Comicband Havanna nahm sich Kleist vor, Kuba nach dem kürzlichen Rückzug Fidel Castros zu porträtieren und in Comicform aufzubereiten.  - 26.11.2008
  • Ganz allein

    Woche für Woche fährt ein kauziger älterer Seemann mit einem kleinen Boot raus aufs Meer, stellt zwei Kisten vor dem Felsen eines anonymen Leuchtturms ab und fährt wieder zurück. Der Grund dafür liegt in einem Versprechen begründet, das der Seemann vor langer Zeit den ehemaligen Wärtern des Leuchtturms gab: Nach deren Tod solle er für die Versorgung ihres Sohnes sorgen, der seitdem allein dort lebt.

    - 17.01.2012
  • Die Lichter des Amalu
     Mit der Fantasy-Reihe Les Lumières de l'Amalou wurde Zeichnerin Claire Wendling bekannt und mehrfach preisgekrönt. In den neunziger Jahren erschienen die ersten drei Alben der fünfbändigen Serie auch auf deutsch; Teil 1 und 2 als Amalu, Teil 3 als Die Lichter von Amalou. Obwohl Wendling beim Comic-Salon 2004 mit einer Ausstellung geehrt wurde, musste man in Deutschland auf die beiden letzten Episoden sehr lange warten. Nun gibt es also endlich die komplette Serie, mit einem abermals leicht veränderten deutschen Titel: In der Carlsen-Ausgabe heißt die Fantasy-Geschichte Die Lichter des Amalu, was auch sinnvoll ist, da es sich bei dem titelgebenden "Amalu" um einen Fluss handelt. - 21.09.2009
  • RG 2 - Bangkog-Belleville

    RG ist die Abkürzung für „Renseignements Généraux“, welche die geheimdienstliche Abteilung der Nationalen Polizei Frankreichs ist. Sie ist direkt dem Innenministerium unterstellt. Auch wenn ihre Aufgaben bis 2008, als sie mit einer anderen Abteilung verschmolzen wurde, vorrangig darin bestanden, Informationen zu sammeln und das Ministerium direkt zu informieren, scheinen ihre Mitgleider doch auch generelle Polizeiarbeit erledigt zu haben. Zu ihren Aufgaben zählte Terrorismusbekämpfung ebenso wie Undercoverermittlungen. Das legt jedenfalls dieser Comicband nahe. Die Reihe RG, deren zweiter Band nun vorliegt, ist eine Mischung aus Fiktion und Reportage.

     

    - 12.06.2011