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von Benjamin Vogt Freitag, 06. Januar 2006

Der Gedanke war folgender: Man tausche drei deutsche Comicautoren gegen drei israelische Künstler und lässt sie für ein paar Wochen das jeweilige Gastland erkunden. So sollten schließlich Comicreportagen mit dem ganz persönlichen Eindruck der Kreativen entstehen, fernab von politischen oder historischen Beziehungen der Länder.

Wie bemerkenswert die Umsetzung dieser vom Goethe-Institut und der Kulturstiftung des Bundes unterstützten Idee gelang, davon kann man sich im Comicalbum "Cargo" aus dem Avant-Verlag überzeugen. Die sechs darin abgedruckten Geschichten der drei deutschen (Tim Dinter, Jan Feindt und Jens Harder) und der drei israelischen Autoren (Rutu Modan, Guy Morad und Yirmi Pinkus) könnten kaum unterschiedlicher sein, was mal wieder sehr schön zeigt, über welche Vielfalt an Interpretationen und Darstellungsformen das Medium Comic verfügt, um ein und dieselbe Thematik zu behandeln.

Während Tim Dinter in seiner Story beispielsweise den Weg wählt, sich als Neuankömmling in Tel Aviv die Probleme der dort ansässigen Kunstschaffenden anzuhören, verschafft sich sein deutscher Kollege Jan Feindt als einer, der das Land schon besser kennt, einen Einblick in die soziale Struktur der Stadt. Jens Harder dagegen interessiert mehr die Geschichte der Religionen in Jerusalem und wie Christen, Moslems und Juden dort in Koexistenz miteinander leben.

Recht ungewöhnlich und stilistisch komplett unterschiedlich kommen die drei Erzählungen der Gastautoren, die Deutschland besuchten, daher. Rutu Modan lässt ihre Eindrücke von unserem Land einfach in ganzseitigen, unkommentierten Illustrationen stehen, Yirmi Pinkus untermalt mit Bildern aus Deutschland Paul Celans Gedicht "Todesfuge", bzw. helfen ihm die Verse in diesem Fall, seine Geschichte zu transportieren, und Guy Morad erzählt in einer melancholischen Episode mit Hilfe eines fiktiven Charakters von Liebe, Alleinsein und Freundschaft vor zeitgeschichtlichen Hintergründen.

"Cargo" ist insgesamt äußerst bemerkenswert geraten. Die Autoren setzten jeder für sich und unbefangen das Gesehene oder Erlebte um. Der Leser des Albums erhascht dadurch lediglich kleine Einblicke in beide Länder, aber gerade diese kleinen großen Begegnungen in die alltäglichen Probleme der Menschen sagen sehr viel über das Leben in Deutschland und Israel zur momentanen Zeit aus.

Zu diesem Band gibt es übrigens parallel auch eine englischsprachige Version, ebenfalls beim Avant-Verlag.



Cargo: Comicreportagen Israel - Deutschland
Avant-Verlag
144 Seiten; zweifarbig; 20x28 cm; 19,95 €
ISBN: 3-9809428-7-2






Bildquelle: www.avant-verlag.de




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