JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Benjamin Vogt Samstag, 09. Januar 2010

Der umfangreiche Einzelband Canoe Bay ist canoe1.jpg ein typisches Beispiel für einen Comic, bei dem sich der Leser anschließend wohl noch lange an die faszinierenden Bilder, dafür umso weniger an die seichte Story erinnern wird. Das ist umso bedauerlicher, da dieser Band mit einer entsprechend nachhaltigen Erzählung durchaus das Zeug zu einem der Topalben der letzten Jahre gehabt hätte.

Verantwortlich für die Textarbeit ist Tiburce Oger (u.a. Gorn), der in Canoe Bay die Geschichte eines kleinen Jungen zur Kolonialzeit erzählt. Im 18. Jahrhundert herrscht gerade die Fehde zwischen Franzosen und Briten auf dem nordamerikanischen Kontinent und indianische Stämme bekämpfen oder unterstützen die eine oder die andere Seite. Gefangengenommen und als Schiffsjunge auf einem britischen Schiff eingesetzt, gerät der Waisenjunge Jack unvermittelt in eine vom Piraten John Place angezettelte Meuterei. Fortan auf der Flucht vor den eigenen Landsmännern, begibt sich die abtrünnige Gruppierung auf die Suche nach einem legendären Schatz.

 Die Idee, die sich hinter dieser Handlung verbirgt, ist sicherlich nicht übel. Und auch die Umsetzung funktioniert für eine stringente Piratenstory. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass man das alles irgendwie in ähnlicher Form bereits kennt: die Perspektive durch die Augen eines unschuldigen Kindes, ein kauziger Pirat, das große Abenteuer auf einem Segelschiff. Nicht, dass diese Elemente, auch gerne in Kombination, per se unantastbar für einen guten Comic wären, aber leider gelingt es Tiburce Oger hier nicht wirklich, dem Leser viel zu vermitteln. Vielmehr ebbt die Geschichte so flau ab wie sie begann und weiß keine übermäßige Spannung zu erzeugen. Canoe Bay kratzt an der Oberfläche, an den Gefahren der Neuen Welt Amerika, an einer historischen Thematik, die leicht konfus rübergebracht wird und deren Herausarbeitung  im Zuge der allzu aufgesetzten Schatzsuche stecken bleibt.

Das alles müsste man aber ehrlich gesagt gar nicht mit so kritischem Auge sehen, wenn die zeichnerische Qualität nicht so hervorstechen würde. Im Zusammenspiel mit den aquarellfarbenen Gemälden von Patrick Prugne verblasst die Story schlichtweg. Selten gab es in einem Comic auf diese Weise so spektakuläre Bilder. Wenn scheue Rehe in einer Waldlichtung Nahrung suchen und die Melancholie dieser Szene durch einen heranstürmenden Menschen gebrochen wird, als Kulisse ein unnachahmliches Farbenspiel aus Grün und Braun, das den Wald noch lebendiger erscheinen lässt, dann ist das ganz großes Kino. Und das ist nur die Inhaltsbeschreibung der ersten Seite, man kann sich also vorstellen, in welch euphorischen Zustand man bei weiteren Seiten noch so geraten mag. Prugne versteht es perfekt, Landschaften für sich zu vereinnahmen, aber auch das Leben der Ureinwohner Amerikas hat er prägnant getroffen und porträtiert es auf beeindruckende Weise. Voller Anmut schreiten sie durch die Natur oder erspähen schon von weitem ankommende Schiffe. Die Farbpalette, die hier innerhalb eines Panels zum Einsatz kommt, scheint schier unendlich. Und trotz weiter, offener Kolorierung wurden die agierenden Personen stets mit ganz feinen Konturen gezeichnet und in das Gesamtbild stimmig eingefügt.

 Ganze 25 Bonusseiten in diesem Album sind dann auch der großen Kunst von Patrick Prugne gewidmet, gefüllt mit Skizzenmaterial und Erläuterungen. Dabei bekommt man auch nochmal einen tieferen Einblick in den Entstehungsprozess von Canoe Bay und darf weitere Bilder des Zeichners, teils skizziert, teils fertig koloriert, bestaunen.

Was bleibt, ist ein Album, das optisch ungemein imposant ist, von dem man aber nicht die innovativste oder bestgestrickte Handlung erwarten sollte. Für das Lesen zwischendurch ist Canoe Bay aber allemal gut.

Canoe Bay
Splitter, Dezember 2009

Autor: Tiburce Oger

Zeichner: Patrick Prugne

104 Seiten, farbig, HC, 22,80 Euro

ISBN 978-3-86869-082-8
 

zeichnerisch brillant, inhaltlich harmlos

Jetzt bei ComicCombo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Splitter Verlag



Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Die Lichter des Amalu
     Mit der Fantasy-Reihe Les Lumières de l'Amalou wurde Zeichnerin Claire Wendling bekannt und mehrfach preisgekrönt. In den neunziger Jahren erschienen die ersten drei Alben der fünfbändigen Serie auch auf deutsch; Teil 1 und 2 als Amalu, Teil 3 als Die Lichter von Amalou. Obwohl Wendling beim Comic-Salon 2004 mit einer Ausstellung geehrt wurde, musste man in Deutschland auf die beiden letzten Episoden sehr lange warten. Nun gibt es also endlich die komplette Serie, mit einem abermals leicht veränderten deutschen Titel: In der Carlsen-Ausgabe heißt die Fantasy-Geschichte Die Lichter des Amalu, was auch sinnvoll ist, da es sich bei dem titelgebenden "Amalu" um einen Fluss handelt. - 21.09.2009
  • Miss Endicott 1: Die Vergessenen
     Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds: Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt. - 06.11.2009
  • Tanatos 2
    Schade eigentlich. Mit dem vorliegenden zweiten Zyklus von Didier Convards und Jean-Yves Delittes' Tanatos verspielt die Serie aus meiner Sicht den Kredit des ersten Zyklus zu einem erheblichen Teil. Tanatos, ein schurkisches Meistergenie, terrorisiert im frühen 20. Jahrhundert weiterhin Frankreich und halb Europa, nachdem er im ersten Band den Ausbruch des 1. Weltkrieges forcierte. Mithilfe eines übergelaufenen Professors hat er es auf eine Waffe von nie da gewesener Zerstörungskraft abgesehen. - 04.10.2011
  • Auto-Bio
    teaser_autobio.jpgCyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko. Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als Öko gestoßen ist. - 27.07.2009
  • Auf der Suche nach Peter Pan
     Bei Cross Cult ist die Neuauflage von Coseys Auf der Suche nach Peter Pan erschienen.
    Christopher und Benjamin besprechen in einer Dialog-Rezension den für diesen Verlag eher ungewöhnlichen Comicband - denn hier geht es weniger um Action, sondern um den Seelenzustand eines Autoren sowie die wunderbare verschneite Landschaft der Walliser Alpen. - 01.05.2009