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von Jons Marek Schiemann Sonntag, 10. Februar 2013
Wie der Titel schon vermuten lässt, ist "Abschiedstournee" der zweite und letzte Band der kleinen, dem Jazz huldigenden Serie Bourbon Street. Und das wunderschöne Cover spiegelt alles wider, was in diesem Album zu finden ist und was ein Titelbild auch häufiger leisten sollte. Es macht nicht nur neugierig auf den Inhalt, zeigt nicht nur, was den Leser erwarten sollte, sondern gibt auch die jeweiligen Themen und Grundstimmungen vor. Dieses Cover verströmt Geheimnis, Sinnlichkeit, Freude, Erotik und Verführung (auch der Musik), ist aber aufgrund der großen Schwärze auch melancholisch, unheilvoll und bedrohlich.
Wenn sich nun die wiedervereinigte Band der alten Männer auf eine Tournee begibt, so ist das nicht nur rührend, weil sie ihren Traum erfüllen wollen, sondern auch traurig, wenn es nicht so klappt, wie es sollte. Mal wird die Band nicht bezahlt, mal fällt ein Auftritt wegen Trunkenheit aus und ein anderes Mal sind sie musikalisch auf dem komplett falschen Dampfer. Können die Männer das noch manchmal mit Humor nehmen, wiegen die auferweckten Erinnerungen doch sehr viel schwerer und drohen die Musiker in den Abgrund zu zerren.
Wenn man von der Zukunft wenig zu erwarten hat, allein schon aufgrund seines hohen Alters, schält sich immer mehr die Vergangenheit aus der Schwärze hervor und holt einen ein. Der erste Band war in dieser Hinsicht noch etwas verhalten und konnte nicht hundertprozentig überzeugen. Was vor allem daran lag, dass der Leser nur bedingt emotional eingebunden war. Diesmal ist es aber so, als ob man mit alten Freunden in ihren Tourbus steigt – von Beginn fühlt manan mit den Figuren und wünscht ihnen, dass sie sich ihren Traum erfüllen können.
Generell handelt Bourbon Street viel von Träumen. Und der Traum alter Männer ist es häufig, einstmals verlorene Träume und Ziele wieder zu beleben und damit auch ihre Jugend wieder zu gewinnen. Nur kommt einem da häufig die Vergangenheit selber in die Quere. So wird der Swing zum Blues. Manche Träume werden wahr, manche scheitern. Zudem wird sehr schön gezeigt, wie Musik Vergangenheit aufruft und Erinnerungen lebendig werden, sobald man eine bestimmte Melodie hört.
Zeichner Alexis Chabert arbeitet mit geradezu filmischen Überblendungen und verschiebt die Zeitebenen ineinander. Da gerät es zum Vorteil, dass sich die Männer im Alter zeichnerisch kaum von ihren jungen Alter Egos unterscheiden. Erinnerungen und Vergangenheit sind in der Musik ewig und eins. Trotz der schönen Überblendungen und der geschickten Zeitsprünge kann man dem Comic auch eine gewisse Härte und Abgeklärtheit nicht absprechen. So etwa, wenn das harte Tourleben und die Vergangenheit die Musiker einholt, und die Enttäuschungen und unerfüllten Hoffnungen sich immer weiter breit machen. All diese Widrigkeiten bestärken jedoch die Romantik des Tourneelebens, der Musiker und nicht zuletzt der Musik an sich. Und dieses Lebensgefühl, den Zauber, welchen die Musik ausübt, um allen Widrigkeiten zu trotzen, kann die "Abschiedstournee" wunderschön vermitteln.
Wertung: ![]()
Im Gegensatz zu dem ersten Band hat dieser deutlich mehr Handlung und versteht es, den Leser emotional einzubinden.
Bourbon Street 2 - Abschiedstournee
Ehapa Comic Collection, November 2012
Text: Philippe Charlot
Zeichner: Alexis Chabert
Übersetzung: Horst Berner
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3551-7
Abbildung aus der frz. Originalausgabe: © Grand Angle















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Rezensionen



Im Jahr 2006 entstand in Frankreich Sable Noir, ein gemeinsames
Projekt des Buchverlags J'ai Lu, der Spartensender Jimmy und CinéCinéma
und der Produktionsfirma Cartel. Eine Reihe von Schriftstellern wurde
beauftragt, kurze Horror- oder Mystery-Geschichten zu schreiben, die
alle in dem kleinen Dorf Sable Noir spielen sollten, welches einmal im
Jahr von einem bösen Fluch belegt wird. Diese Novellen wurden als Buch
veröffentlicht und parallel als Miniserie fürs Fernsehen umgesetzt. Das
Experiment war erfolgreich, ein paar Jahre später kam die Fortsetzung Vampyres: Sable Noir,
bei der Vampire eine tragende Rolle spielen sollten. Diesmal nahm man
als drittes Medium den Comic mit ins Boot: Die sechs Vampir-Novellen
wurden nicht nur als halbstündige Filme fürs Fernsehen, sondern auch als
24-seitige Comics umgesetzt.
- 15.09.2010
Unter dem schlichten wie eindeutigen Titel Dracula verbirgt sich nichts weniger als eines der, ja vielleicht sogar das schönste und ambitionierteste Comicprojekt über den wohl berühmtesten aller Vampire.
Vor mehr als acht Jahren hatten die Macher des „ältesten und innovativsten Comic(umsonst)magazins im deutschsprachigen Raum“, die Männer von Moga Mobo, die grandiose und doch so simple Idee, nicht nur ein Meisterwerk der Weltliteratur, sondern gleich hundert davon als Comic zu adaptieren. Zu bewerkstelligen war dieses ambitionierte Vorhaben mit dem mehr als treffenden Titel 100 Meisterwerke der Weltliteratur nur, indem man sich Grenzen setzte. Die Regeln für die hundert Künstler waren klar: Jede Adaption durfte nur 8 Panels haben und Worte waren nicht erlaubt. Und die vorwiegend deutschen Comic-Künstler kamen in Scharen. Die Erfolgsgeschichte wurde schließlich 2002 durch den Max-und-Moritz-Preis gekrönt. Nun hat sich das Trio mit dem Ehapa Verlag zusammengesetzt und eine Neuauflage des Klassikers der Klassiker ausgearbeitet.
Mit Comics zu bekannten Filmen und TV-Serien ist es ja immer so eine Sache. Nur in den seltensten Fällen erreichen sie eine ähnliche Qualität wie ihre Vorlage, meist sind sie uninteressant und uninspiriert, weil die kreativen Grenzen, in denen sich Autoren und Zeichner bewegen müssen, allzu eng gesteckt sind. Dass ausgerechnet ein Comic zur Muppet Show hier eine Ausnahme darstellen würde, stand nicht zu erwarten.
Ursprünglich war der Band Aus
dem Leben eines Fantastilliardärs von Ehapa als Antwort auf Don Rosas Comicbiografie Sein Leben, seine Milliarden angekündigt. „Dagobert Duck im Original“, so lautete
die frühe Ankündigung. Immerhin läge es ja nahe, dass man alle Geschichten von Übervater
Carl Barks, auf die sich Rosa stark bezieht, nun selbst in einem Band
versammelt.
- 24.09.2010