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von Daniel Wüllner Montag, 25. Januar 2010
Einen Sammelband von Bone als Complete Edition zu veröffentlichen, ist per se eine nette Idee, doch liest sich diese Gesamtausgabe eben nicht wie eine autobiografische Roadmap, sondern eher wie der Wunsch, etwas kohärent zu machen. Dabei wird deutlich, dass Smith zu Beginn als Erzähler sehr wohl seine Probleme hatte und erst lernen musste, mit der Geschwindigkeit seiner Geschichte umzugehen. So erfährt der Leser beispielsweise nicht, wie Fones Vettern, Smiley und Phoney, den ersten Winter im Tal überstanden haben. Man kann einem Gesamtwerk nicht böse sein, da es fast schon per definitionem unter den Tisch fallen lässt, wie steinig der Weg des Selbstverlegers Jeff Smith war. Der musste sich abmühen, um überhaupt genug Interesse bei seinen Lesern zu wecken, damit sein Projekt Beachtung findet. Aus diesem Grund verlagert Smith das erzählerische Moment im zweiten Kapitel "Thorn" ausschließlich auf seinen Sympathieträger Fone und ignoriert dessen Vettern gänzlich. Nur durch die Erläuterung dieser doppelten Arbeit, der Verbindung aus kreativer und organisatorischer Planung, ist die holprige Kontinuität der ersten drei Kapitel zu erklären.
Dennoch hat es natürlich einen Grund, warum Bone zu so einem beliebten und gefeierten Comic wurde und zu Recht die Bezeichnung "für jedes Alter" erhalten hat. In klaren schwarz-weißen Zeichnungen positioniert Smith Gut und Böse so nah nebeneinander, dass vertraute Grenzen zu verschwimmen drohen. Wenn sich neben der Moral und der Freundschaft die kapitalistische Geschäftemacherei eines Phoney Bone im Tal breit macht, dann ist dies kein Zeichen für gekünstelten Humor, sondern von ungeschönter Menschlichkeit. Als dann auch noch die Existenz der Drachen im Dorf die Runde macht, ist Smiths überzeugende Gesellschaftskritik perfekt. Zwar mag der Holzzaun um Barrelhaven primitiv wirken, doch erfüllt er den gleichen Zweck wie unsere modernen Nacktscanner, die bald an jedem Flughafen stehen sollen: Sie täuschen ein Gefühl von Sicherheit
Doch leider absolviert die spartanische Ausstattung der Complete Edition diesen Spagat nicht ganz so gut. Bereits beim ersten vorsichtigen Lesevergnügen kann die oben bereits erwähnte "dumme, dumme" Klebebindung dem Druck von 1332 Seiten nicht standhalten. Exakt in der Mitte des Folianten, auf Seite 672, reißt die Bindung auf. Eine hässliche Furche zeichnet sich auf dem Buchrücken ab. Während die Komplettierung in einem Band sicherlich ein Schmankerl für einen Bone-Fan ist, möchte man sicherlich keinen zerfurchten Ziegelstein im Bücherregal stehen haben, den man aus Furcht vor der Zerfall im Regal stehen lassen muss. Ein Stück Populärkultur wie Bone muss einfach von Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen in die Hand genommen und gelesen werden können.
Bone Complete Edition
Tokyopop, Januar 2010
Text und Zeichnungen: Jeff Smith
Übersetzung: Monja Reichert
1332 Seiten, Softcover, schwarz-weiß; 29,95 Euro
ISBN: 978-3-86719-744-1

Abbildungen © Jeff Smith/Tokyopop
Comicgate-Interview mit Jeff Smith auf der Frankfurter Buchmesse 2007
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Kommentare (4)

geschrieben von Ambro, am 14. Februar 2010 um 22.58 Uhr
"Nur durch die Erläuterung dieser doppelten Arbeit, [...] ist die holprige [Balance] der [Rezension] zu erklären."
Oder um es anders zu sagen: Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll gewesen wäre, Smiths sehr klassisch und vor allem sympathisch liebevoll erzählte Geschichte in ihren Stilmitteln und Strukturen nochmal hier auszubreiten, aber ein wenig mehr davon und ein kleines bisschen weniger Fokus auf eine miserable Klebebindung, die zumindest bei der mir vorliegenden Ausgabe gar nicht auftrat, hätte der Rezension sicher gut getan. Zumindest bei mir entsteht der Eindruck, dass von einem Kauf definitiv abzuraten sei, dabei würde ich gerade die "Complete Edition" meinen zukünftigen Kindern (und auch sonst allen anderen) wärmstens ans Herz legen, da das aufwändige Organisieren von und das lästige Hantieren mit Einzelausgaben entfällt und man sich ohne Unterbrechung in die Bone-Welt begeben kann. Dafür nähme ich auch ein paar lose Seiten in Kauf, wenn es da tatsächlich nur ein Bruch im Buchrücken sein sollte, erst recht... der darf sich bei einer derart hohen inhaltlichen Qualität gerne in meinem Bücherregal breit machen. Übrigens finde ich auch die anfänglich sehr stark auf Fone Bone konzentrierte Erzählweise recht reizvoll, immerhin kann die Geschichte so im Verlauf weiter ausfächern, weshalb der Leser mit der Komplexität der Geschichte wächst, was gerade für jüngere oder unerfahrenere Leser die Sache einfacher machen dürfte. Zum anderen erzählt Smith sehr graphisch, aber auch sehr stringent. Im Grunde erfährt man auch nicht wie Fone Bone selbst den Winter übersteht, der Winter kommt und Smith erlaubt sich einen elementaren Zeitsprung, der Fone Bone einfach in einer im Winter etablierten Situation zeigt. Das WIE wird auch hier nicht geklärt, was IMO aber nicht problematisch ist, da man sich so nicht in zwar schmückenden aber langsamen Details verheddert. Warum genau dies dann für seine Vettern geklärt werden müsste, ist mir nicht ganz schlüssig, aber sicher auch eine Frage des eigenen Geschmacks.
Grüße
Ambro!
Oder um es anders zu sagen: Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll gewesen wäre, Smiths sehr klassisch und vor allem sympathisch liebevoll erzählte Geschichte in ihren Stilmitteln und Strukturen nochmal hier auszubreiten, aber ein wenig mehr davon und ein kleines bisschen weniger Fokus auf eine miserable Klebebindung, die zumindest bei der mir vorliegenden Ausgabe gar nicht auftrat, hätte der Rezension sicher gut getan. Zumindest bei mir entsteht der Eindruck, dass von einem Kauf definitiv abzuraten sei, dabei würde ich gerade die "Complete Edition" meinen zukünftigen Kindern (und auch sonst allen anderen) wärmstens ans Herz legen, da das aufwändige Organisieren von und das lästige Hantieren mit Einzelausgaben entfällt und man sich ohne Unterbrechung in die Bone-Welt begeben kann. Dafür nähme ich auch ein paar lose Seiten in Kauf, wenn es da tatsächlich nur ein Bruch im Buchrücken sein sollte, erst recht... der darf sich bei einer derart hohen inhaltlichen Qualität gerne in meinem Bücherregal breit machen. Übrigens finde ich auch die anfänglich sehr stark auf Fone Bone konzentrierte Erzählweise recht reizvoll, immerhin kann die Geschichte so im Verlauf weiter ausfächern, weshalb der Leser mit der Komplexität der Geschichte wächst, was gerade für jüngere oder unerfahrenere Leser die Sache einfacher machen dürfte. Zum anderen erzählt Smith sehr graphisch, aber auch sehr stringent. Im Grunde erfährt man auch nicht wie Fone Bone selbst den Winter übersteht, der Winter kommt und Smith erlaubt sich einen elementaren Zeitsprung, der Fone Bone einfach in einer im Winter etablierten Situation zeigt. Das WIE wird auch hier nicht geklärt, was IMO aber nicht problematisch ist, da man sich so nicht in zwar schmückenden aber langsamen Details verheddert. Warum genau dies dann für seine Vettern geklärt werden müsste, ist mir nicht ganz schlüssig, aber sicher auch eine Frage des eigenen Geschmacks.
Grüße
Ambro!
geschrieben von Marco, am 22. Februar 2010 um 18.21 Uhr
Ich habe mir vor längerer Zeit die englische Ausgabe über Amazon bestellt, für ca. 15€ ein absolutes Schnäppchen. Da ich Bücher generell sehr vorsichtig lese und z.B. nicht umgekehrt aufgeklappt hinlege, hatte ich auch keinerlei Probleme mit der Bindung. Inhaltlich ist das Buch Gold wert und bereitet viele Stunden Lesevergnügen.
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Habe den Sammelband auch und mich sehr auf das Durchlesen gefreut. An die Furche habe ich zuletzt denken müssen bei der Lektüre.