JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Benjamin Vogt Sonntag, 04. März 2007

Blaue PillenAuf einer Party begegnet Frederik Peeters zum ersten mal Cati, die Frau, an die er zukünftig öfter denken muss, obwohl er sie höchstens einmal im Jahr wieder sieht. Nach einiger Zeit kommen sich die beiden schließlich doch näher und Cati offenbart ihm, dass sie und ihr Sohn HIV-positiv sind. Frederik rasen tausende Gedanken durch den Kopf, bevor er sich entschließt, weiter an ihrer Seite zu bleiben und die Beziehung zu vertiefen. Ihr gemeinsames Leben wird fortan von der Krankheit überschattet, was Frederik und Cati jedoch wenig Trübsal blasen lässt.

Der Genfer Zeichner Frederik Peeters beweist mit dem Album Blaue Pillen wieder einmal eindrucksvoll, wie kraftvoll und emotional autobiografische Comics sein können. Peeters hat den Comic (immerhin 192 Seiten) in nur drei Monaten fertig gestellt und ist damit seinem Drang nach einer schnellen Nacherzählung seiner Liebe nachgekommen. Natürlich macht die AIDS-Erkrankung das übergreifende Motiv aus und lässt die Geschichte aus der Sicht eines unmittelbar Betroffenen zusätzlich zu etwas Besonderem werden. Aber das Geschick des Autors beweist sich vielmehr in der Darstellung kleiner Begebenheiten, die leicht, humorig und nachdenklich aufs Papier übertragen wurden. Vermehrt finden sich spezielle Kernpunkte, die punktgenau und optisch entsprechend bedacht vor des Lesers Auge thematisiert werden. So erleben wir Peeters durch seine Erinnerung an den Zeitpunkt, an dem Cati ihm zögerlich von der Krankheit berichtet, als für Sekunden paralysierten Mann, der an einem Wende- und Entscheidungspunkt in seinem Leben steht.

 Auch weitere bestimmte Situationen werden zum Symbol eines spezifischen Gefühls, oder besser gesagt einer neu definierten Beziehungsebene. Die Beziehung zu Cati, zu ihrem Schuldgefühl oder der Angst beim Sex ist stetig in der Entwicklung. Vertrauen verdrängt Unsicherheit, Aufklärung räumt Befürchtungen aus. Als eines Nachts das Kondom platzt, wenden sie sich panisch an ihren Arzt. Wundervoll wird diese und die nächsten Passagen, in denen das Verhältnis Arzt-Patient vorkommt, dargestellt, indem ein Nashorn die Figuren als metaphorischer Restzweifel begleitet. Auch Frederiks Beziehung zu Catis Kind durchläuft verschiedene Phasen und lässt schlussendlich erkennen, dass Frederik zu einer festen, emotionalen Bezugsperson, wenn nicht gar neuer Vater geworden ist.

Am Ende ist der Autor dann sogar auf einem sich selbst hinterfragenden Erkundungstrip zu sehen, bei dem er sich imaginär mit einem Mammut unterhält. Wie gesagt finden in diesem Band viele Symbole ihre Anwendung, die bestimmte Situationen verdeutlichen sollen. Was Blaue Pillen letztlich so bezaubernd macht, ist die lockere Art, die zwischen den vielen ernsten Szenen durchscheint. Der Comic ist sehr hinterfragend und aus der subjektiven Sicht des Machers sehr offenherzig, geht aber spielend mit Krankheit und Problemen des Alltags um, indem er immer die positive Seite, die Liebe, die Hoffnung aufrechterhält. Auch dadurch konnte der Genfer Künstler seiner hauptsächliche Intention, die Liebesgeschichte zu Cati zu erzählen, vorzüglich nachkommen.


Blaue Pillen
Reprodukt; Dezember 2006
Text und Zeichnungen:
Frederik Peeters
192 Seiten, s/w, 24 x 17 cm, Klappenbroschur; 20,- Euro
ISBN 978-3-938511-62-6

herrlich gefühlvoll, unbedingt reinschauen


a1

a2



Trackback(0)
Kommentare (1)Add Comment
0
...
geschrieben von felix, am 27. März 2007 um 08.38 Uhr
eine tolle geschichte, die von peeters handwerklich gut umgesetzt und realisiert wurde. philosophische gedanken und expressive zeichnungen ergänzen sich gut, aber manchmal ist mir persönlich sein stil ein bisschen zu altbekannt, erinnert mich zu fest an craig thompson.

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Ein Zoo im Winter
     Im Jahr 1966 kündigt der junge Künstler Hamaguchi seinen Job in einer Textilfabrik, zieht nach Tokio und und wird einer der Assistenten des renommierten Mangakas Kondo. Doch auch im Atelier des Sensei ist die Arbeit für einen Mangaverlag nicht unbedingt der große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen. - 13.07.2010
  • Paying For It (US)

    Chester Brown lässt die Hosen runter – im wahrsten Sinne des Wortes. Sein „comic-strip memoir about being a john“ (so der Untertitel) ist das autobiographische Bekenntnis eines Comiczeichners, regelmäßiger Kunde von Prostituierten zu sein. Und zwar nicht von irgendeinem Comiczeichner!

    - 13.04.2012
  • Gott höchstselbst

    Was wäre, wenn Gott wirklich existierte? Und wenn er sich auf der Erde blicken lassen würde, nicht wie beim ersten Mal in Jesus Christus, sondern höchstpersönlich? Welchen Medienrummel würde er auslösen? Welche Zweifel an seiner Authentizität wecken, welchen Zuspruch hervorrufen, welche Gegnerschaft auslösen? Marc-Antoine Mathieu wirft diese Fragen auf und zeichnet einen genauso kurzweiligen wie intelligenten Comic. Auf höchst raffinierte Weise kultiviert Mathieu einen feinen ironischen Humor, der die Lektüre durchgängig zum Vergnügen macht. Und mich mit Spannung warten ließ, wie diese Geschichte wohl enden soll ...

    - 19.04.2011
  • Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens
    teaser_heuteist.jpgEs ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein langes, rationales Abwägen, "Jetzt oder nie" heißt die Devise. Das gilt auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt, man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld, ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip, der mit dem Wort "Abenteuer" nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als 20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher Hinsicht zum Staunen bringt. - 24.12.2009
  • Spam
     Wer kennt sie nicht, die unerwünschten E-Mails, die man Tag für Tag in seinem Spam-Ordner (oder, schlimmer, direkt im Posteingang) findet. Meistens sind sie nur lästig, manchmal bergen sie aber auch unfreiwilligen Humor in sich. Nicolas Mahler schafft es wie kein zweiter, das Absurde und Komische an Spam-Mails herauszuschälen und legt mit SPAM ein Buch vor, das aus realen Betreffzeilen und realen Absendernamen kleine Miniaturen macht, die umwerfend komisch sind. Und ganz nebenbei gelingt ihm eine tragische Geschichte vom Abenteuer Penisvergrößerung. - 24.03.2009