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von Benjamin Vogt Donnerstag, 31. Januar 2013
Hinter dem schlichten Titel „Berlin“ verbirgt sich die Comic-Trilogie des belgischen Künstlers Marvano (i.e. Mark van Oppen), die im Original in drei Einzelalben veröffentlicht wurde, bei Ehapa jedoch mittlerweile in einem umfangreichen Komplettband erschien. Berlin ist hier nicht nur als Ort des Geschehens der Dreh- und Angelpunkt der miteinander verbundenen Stories, sondern überhaupt erst der Grund für das Werk von Marvano.
Porträtiert wird die deutsche Hauptstadt in drei Etappen, die für historisch turbulente Zeiten stehen: 1943, inmitten des Zweiten Weltkrieges, fliegen unentwegt britische Flieger von Südengland aus Angriffe auf deutsche Städte. Unter ihnen ist David Auberson, der als Teil der Staffel mit dem Namen „Snowwhite" Bomben abwirft. Auberson bekommt von einem Mädchen eine Puppe als Glücksbringer, kurz danach wird er vermisst. Jahrzehnte später wird sich das Schicksal, das den Piloten ereilte, schließlich aufgeklärt.
1948 steht Roy Stuart, das letzte Mitglied der Snowwhite, zwischen den Fronten des geteilten Berlins. Die Allierten Mächte stehen sich gegenüber, Westberlin wird durch die Sowjetische Blockade isoliert. Durch die Luftbrücke versorgt auch Stuart die Stadt schließlich auf dem Flugwege mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Aber er lässt sich überdies auch als Schmuggler anheuern, für versprochenes Nazi-Gold und die heimliche Ausreise seiner geliebten Helena.
1961 steht der Bau der Berliner Mauer kurz bevor. Roy Stuart hat Helena aus den Augen verloren, aber weiß, dass sie sich in der DDR aufhalten muss. Daraufhin versucht er sie in den Westen zu holen.
Die drei Geschichten in diesem Band bauen, wie man der der Inhaltbeschreibung unschwer entnehmen kann, lose aufeinander auf. Verbunden sind sie durch persönliche Biografien der britischen Piloten, zuerst David Auberson, dann Roy Stuart. Da beide der siebenköpfigen Snowwhite-Staffel angehörten, teilen sie ähnliche Erlebnisse. Gerahmt werden ihre Erlebnisse durch die zeitgeschichtlichen Umwälzungen rund um Berlin.
Marvano benutzt für jede der drei Stories eine eigene Erzählstruktur. Das vergrößert die Perspektive, mit der der Leser auf das Geschehen blickt, zum anderen wird damit eine umspannende Kontinuität erschaffen. So wird die erste Geschichte teilweise über den Abdruck eines Briefes erzählt, die dritte Story benutzt hierfür Tonbänder und berichtet noch indirekter über die eigentlichen Hauptprotagonisten. Der zweite Teil verzichtet auf die retrospektive Parallelhandlung, dafür blendet Marvano immer wieder Artikel ein, die aus heutiger Sicht über den historischen Gesamtkontext Aufschluss geben.
Alles in allem ist das von dem belgischen Künstler sehr ambitioniert gestaltet. Da überrascht es nur, warum Marvano seinen Zeichenstil nach dem ersten Teil so radikal geändert hat. Der Band beginnt mit sehr feinen Linien, vielen Details und matten Farben (ganz so wie in Marvanos Der ewige Krieg), die beiden weiteren enthaltenen Alben warten mit einer wesentlich groberen und leider auch etwas zu glatten Bebilderung auf. Hier hätte ich mir einen einheitlichen Stil gewünscht, der die Atmosphäre des Comics besser unterstützt.
Wertung: ![]()
Eine starke Trilogie, die auf eindringliche Weise deutsche Geschichte thematisiert
Berlin
Ehapa Comic Collection, September 2012
Text und Zeichnungen: Marvano
Übersetzung: Bernd Leibowitz
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 30 Euro
ISBN: 978-3-7704-3600-2
Leseprobe (PDF)
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection















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