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von Andreas Völlinger Montag, 16. Mai 2011

batmanrobin Die genretypische Verfolgungsjagd zu Beginn des Bandes signalisiert gleich die Veränderung: Das Batmobil, das den flüchtigen Gangstern im Nacken sitzt, hat nicht nur ein schnittiges Neu-Design, sondern fliegt – und im Inneren weist ein grimmiger Robin einen auffallend gesprächigen und relaxten Batman zurecht.

Klar, haben wir es hier doch nicht mehr mit der langjährig gewohnten Besetzung zu tun, denn schließlich hieß es im Zuge des Mega- und Meta-Crossovers "Final Crisis" dank Steinfratze Darkseid 'Bye-Bye, Bruce Wayne' und somit ist eine neue Fledermaus in der Stadt: Ur-Robin und nun Ex-Nightwing Dick Grayson stülpte sich in Folge die Spitzohrmaske übers Haupt. Ihm zur Seite steht als mittlerweile fünfter Robin der Sohn seines verblichenen Mentors und Thalia al Ghuls: Damian Wayne. Und den als schwierigen Fall zu bezeichnen ist so ziemlich untertrieben.

Der im Labor ausgetragene Damian, Enkelsohn von A-Klasse-Schurke Ras al Ghul, wurde von kleinauf in Kampfkünsten trainiert und aufs Töten abgerichtet und verschafft dem neuen Batman, den er für eine schwache Imitation seines Vaters hält, ein gehöriges Autoritätsproblem. Diese auf den Kopf gestellte Dynamik zwischen dem selbstbewussten, knallharten Juniorpartner und dem an sich und seiner neuen Rolle zweifelnden Heldenmentor ist es, die Grant Morrisons' Batman & Robin das besondere Etwas gibt. Besonders genug, um die ersten sechs Ausgaben der Serie noch einmal in gesammelter Album-Form auf den Markt zu schmeißen.

batmanrobin_1 Natürlich schadet es nicht, dass die Zeichnungen der ersten drei Geschichten in diesem Band von Morrison-Spezi Frank Quitely stammen, der trotz einer gelegentlichen Faulheit in Sachen Hintergründe einige unheimlich starke Panels liefert – vor allem eine Reihe wunderbar ikonischer ganzseitiger Bilder. Quitely versteht es auch, den neuen Batman schmaler und akrobatischer als seinen Vorgänger zu inszenieren sowie die kompromisslosen, knallharten Kampfszenen aus Morrisons Skript so rüberzubringen, dass es beim Zuschauen wehtut. Und mit dem neuen Bat-Gegenspieler Professor Pyg ist dem Kreativduo wohl einer der verstörendsten und unangenehmsten Schurken aller Zeiten gelungen. Die Bilder, in denen Pyg seine Opfer in Menschenpuppen verwandelt – oder besser umoperiert – sind harter Tobak nah am Saw- und Hostel-Level und lassen den Joker beinahe harmlos wirken.

batmanrobin_2 Gegenüber Quitelys Finesse kann Philip Tan, der die Umsetzung des zweiten Dreiakters "Die Rache des Red Hood" zu verantworten hat, dann nur den Kürzeren ziehen. Tan ist beleibe kein mieser Comickünstler, aber direkt im Anschluss an Quitely werden die schwankende Qualität und die vorhandenen Schwachpunkte seiner Arbeit relativ deutlich. Und Tuscher Jonathan Glapion
hat hier mit extrem schwerem Strich oft zuviel des Guten getan. Auch Autor Morrison geht im zweiten Teil des Comicbandes erzähltechnisch ein wenig die Puste aus. Das neue Bat-Duo mit dem mittlerweile recht durchgeknallten Ex-Robin Jason Todd, der als Red Hood im Punisher-Style Jagd auf Verbrecher macht, zu konfrontieren, ist eine wirklich feine Idee; die Umsetzung des Ganzen wirkt dann aber trotz gelungener Spannungsmomente etwas uninspiriert. Der hier zusätzlich auftretende, wie weiland Dr. Lecter Gesichter abhäutende und verspeisende Schurke Pink Flamingo hat zudem außer einem scheußlich-langweiligen Kostüm und überbordenden Gewaltexzessen als Antagonist so gar nichts Spannendes zu bieten.

Aber trotz der Kritikpunkte ist auch "Die Rache des Red Hood" noch immer überdurchschnittliche Superheldencomic-Lektüre mit gelungen-düsterer Thriller-Atmosphäre, die nur im Vergleich zum fulminanten Auftakt etwas abfällt. Letztendlich ist Morrison und Co. die Einführung des neuen Bat-Teams so gut gelungen, dass man sich wünscht, die unvermeidliche (und mittlerweile bereits stattgefundene) Rückkehr von Bruce Wayne hätte noch etwas auf sich warten lassen.

 

Wertung8 von 10 Punkten 

Morrison lässt für das neue Bat-Duo gekonnt die (Mörder-)Puppen tanzen – leider mit sinkendem Niveau in der zweiten Hälfte


Batman & Robin 1 - Batman Reborn
Panini Comics, März 2011
Text: Grant Morrison
Zeichnungen: Frank Quitely, Philip Tan
156 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3862011452
Leseprobe

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Abbildungen © DC, der dt. Ausgabe: Panini




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