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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 01. März 2012

Cover Barracuda 1 Kann man schon einen neuen Boom des Piratencomics ausrufen? Nach den Erfolgen der letzten Zeit mit durchwegs gelungenen Bänden wie JeronimusDas Testament des Captain Crown und An Bord der Morgenstern hat sich nun auch Comictausendsassa Jean Dufaux der Piraten angenommen. Und er gibt im Vorwort zu, dass er den Erfolg der Fluch der Karibik-Filme als Anlass genommen hat, seine kindlichen Freuden an den Errol-Flynn-Filmen wieder zu erwecken. Aber er ist sich bewusst, dass schon die Filmtetralogie alle Elemente des Genres vereint hat und mit fantastischen Elementen anreicherte, um nicht nur Klischees zu bieten. Was kann er also noch neues bieten? Dufaux' Strategie ist im Grunde sehr einfach, aber auch sehr geschickt: Er ignoriert eines der zentralsten Themen des Piratengenres. Es wird nämlich nicht geschildert, wie sie zur See fahren, der Fokus wird auf das Geschehen an Land gelegt. Was geschieht, wenn die Jagd erfolgreich war? Wo steuern die Piratenschiffe hin? Wie leben sie? Wie ist ihre Gemeinschaft organisiert?

Geschildert werden die Ereignisse nach einer erfolgreichen Beutefahrt des Schiffes „Barracuda“. Captain Blackdog und seine Männer haben ein spanisches Schiff aufgebracht. Abgesehen von dem spanischen Kapitän werden alle Mitglieder der Besatzung getötet. Nur die Passagiere werden gefangen genommen, um sie später als Sklaven verkaufen zu können. Da wären eine edle spanische Dame, ihre Tochter, ihr Beichtmönch und ein junger Mann, der, um sein Leben zu retten, in Frauenkleider gesteckt wird. Auf dem Sklavenmarkt der Pirateninsel Puerto Blanco wird die Schicksalsgemeinschaft auseinandergerissen. Doch die Fäden des Schicksals der Figuren sind fortan untrennbar miteinander verbunden. Vor allem, da es um die Suche nach einem fluchbeladenen Diamanten geht – und natürlich um Rache.

Seite aus Barracuda 1 Es ist schon ungewohnt, dass Barracuda, abgesehen vom Beginn, auf Seefahrerelemente verzichtet. Dadurch kann Dufaux dem Genre aber neue Facetten abgewinnen, die auch nicht sonderlich stark von der historischen Realität abweichen. Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass hier der erste Band einer auf drei Teile angelegten Serie vorliegt, so dass man über die letztendliche Qualität noch nichts Abschließendes sagen kann. Aber der erste Eindruck vom Leben und der Gesellschaftsstruktur der Piraten an Land ist gelungen und weitaus bedrohlicher als in dem Mikrokosmos auf einem Schiff.

Ist dort nämlich der Kapitän der alleinige Herrscher, so lauert an Land überall der Schrecken und die Loyalitäten wechseln. Manches wird nur angerissen, aber der Auftaktband dient vor allem dazu, die Figuren einzuführen und in Stellung zu bringen. Manche werden dabei noch vernachlässigt, was aber durchaus zur Spannung beiträgt. Über den jungen Mann, der als angebliches Mädchen gekauft wird, erfährt man praktisch nichts, das gleiche gilt für seinen Käufer. Die anderen Figuren sind schon etwas schärfer umrissen und zwei der zentralen Charaktere werden auch den Auftakt nicht überleben. So wird sich der narrative Fokus der Folgebände wohl auf die drei Kinder richten. Und deren Positionierung wird es erlauben, das künftige Geschehen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten.

Seite aus Barracuda 1 Komplett auf Genrezutaten verzichten will der Autor natürlich nicht. Und, wie bei Dufaux üblich, der schöne Schein einer vermeintlichen Südseeromantik trügt. Es geht düster und blutig zu und Newcomer Jeremy liefert zeichnerisch schöne, glatte und gefällige Zeichnungen ab, wobei keine graphischen Experimente gemacht werden. So hält es eigentlich jeder der Zeichner von Dufaux und das ist natürlich ganz in seinem Sinne. Es geht bei ihm fast immer um die schöne Oberfläche, unter der sich vollkommene Verdorbenheit verbirgt. Das ist bei Jessica Blandy so und bei Barracuda ebenso. Man assoziiert die Graphik mit unschuldigen Kindheitsträumen, welche auf der narrativen Ebene mit historisch korrekten Tatsachen kollidieren: Vergewaltigung, Folter, Mord, Suff, Korruption und die vollkommene Abwesenheit jeglicher Moral.

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Wertung: 8 von 10 Punkten

Ein gelungener Einstieg in eine Piratenserie, welche den narrativen Fokus verschiebt und zunächst die Figuren in Stellung bringt.

 

Barracuda 1 - Sklaven
Ehapa Comic Collection, August 2011
Text: Jean Dufaux
Zeichnungen: Jeremy
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3498-5
Leseprobe (PDF)

 

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection



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