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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 01. März 2012
Kann man schon einen neuen Boom des Piratencomics ausrufen? Nach den Erfolgen der letzten Zeit mit durchwegs gelungenen Bänden wie Jeronimus, Das Testament des Captain Crown und An Bord der Morgenstern hat sich nun auch Comictausendsassa Jean Dufaux der Piraten angenommen. Und er gibt im Vorwort zu, dass er den Erfolg der Fluch der Karibik-Filme als Anlass genommen hat, seine kindlichen Freuden an den Errol-Flynn-Filmen wieder zu erwecken. Aber er ist sich bewusst, dass schon die Filmtetralogie alle Elemente des Genres vereint hat und mit fantastischen Elementen anreicherte, um nicht nur Klischees zu bieten. Was kann er also noch neues bieten? Dufaux' Strategie ist im Grunde sehr einfach, aber auch sehr geschickt: Er ignoriert eines der zentralsten Themen des Piratengenres. Es wird nämlich nicht geschildert, wie sie zur See fahren, der Fokus wird auf das Geschehen an Land gelegt. Was geschieht, wenn die Jagd erfolgreich war? Wo steuern die Piratenschiffe hin? Wie leben sie? Wie ist ihre Gemeinschaft organisiert?
Geschildert werden die Ereignisse nach einer erfolgreichen Beutefahrt des Schiffes „Barracuda“. Captain Blackdog und seine Männer haben ein spanisches Schiff aufgebracht. Abgesehen von dem spanischen Kapitän werden alle Mitglieder der Besatzung getötet. Nur die Passagiere werden gefangen genommen, um sie später als Sklaven verkaufen zu können. Da wären eine edle spanische Dame, ihre Tochter, ihr Beichtmönch und ein junger Mann, der, um sein Leben zu retten, in Frauenkleider gesteckt wird. Auf dem Sklavenmarkt der Pirateninsel Puerto Blanco wird die Schicksalsgemeinschaft auseinandergerissen. Doch die Fäden des Schicksals der Figuren sind fortan untrennbar miteinander verbunden. Vor allem, da es um die Suche nach einem fluchbeladenen Diamanten geht – und natürlich um Rache.
Es ist schon ungewohnt, dass Barracuda, abgesehen vom Beginn, auf Seefahrerelemente verzichtet. Dadurch kann Dufaux dem Genre aber neue Facetten abgewinnen, die auch nicht sonderlich stark von der historischen Realität abweichen. Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass hier der erste Band einer auf drei Teile angelegten Serie vorliegt, so dass man über die letztendliche Qualität noch nichts Abschließendes sagen kann. Aber der erste Eindruck vom Leben und der Gesellschaftsstruktur der Piraten an Land ist gelungen und weitaus bedrohlicher als in dem Mikrokosmos auf einem Schiff.
Ist dort nämlich der Kapitän der alleinige Herrscher, so lauert an Land überall der Schrecken und die Loyalitäten wechseln. Manches wird nur angerissen, aber der Auftaktband dient vor allem dazu, die Figuren einzuführen und in Stellung zu bringen. Manche werden dabei noch vernachlässigt, was aber durchaus zur Spannung beiträgt. Über den jungen Mann, der als angebliches Mädchen gekauft wird, erfährt man praktisch nichts, das gleiche gilt für seinen Käufer. Die anderen Figuren sind schon etwas schärfer umrissen und zwei der zentralen Charaktere werden auch den Auftakt nicht überleben. So wird sich der narrative Fokus der Folgebände wohl auf die drei Kinder richten. Und deren Positionierung wird es erlauben, das künftige Geschehen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten.
Komplett auf Genrezutaten verzichten will der Autor natürlich nicht. Und, wie bei Dufaux üblich, der schöne Schein einer vermeintlichen Südseeromantik trügt. Es geht düster und blutig zu und Newcomer Jeremy liefert zeichnerisch schöne, glatte und gefällige Zeichnungen ab, wobei keine graphischen Experimente gemacht werden. So hält es eigentlich jeder der Zeichner von Dufaux und das ist natürlich ganz in seinem Sinne. Es geht bei ihm fast immer um die schöne Oberfläche, unter der sich vollkommene Verdorbenheit verbirgt. Das ist bei Jessica Blandy so und bei Barracuda ebenso. Man assoziiert die Graphik mit unschuldigen Kindheitsträumen, welche auf der narrativen Ebene mit historisch korrekten Tatsachen kollidieren: Vergewaltigung, Folter, Mord, Suff, Korruption und die vollkommene Abwesenheit jeglicher Moral.
Wertung: ![]()
Ein gelungener Einstieg in eine Piratenserie, welche den narrativen Fokus verschiebt und zunächst die Figuren in Stellung bringt.
Barracuda 1 - Sklaven
Ehapa Comic Collection, August 2011
Text: Jean Dufaux
Zeichnungen: Jeremy
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3498-5
Leseprobe (PDF)
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection















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Rezensionen




Alles in allem verstörend. So oder so ähnlich würde
ich jemandem antworten, der mich nach einer Beschreibung zu Codex
Angélique fragen würde. Die im französischen Original in drei Alben
veröffentlichte Serie liegt in der Ehapa Comic Collection als All-in-One-Edition vor.
Wie bei einigen dieser Ausgaben zuvor gibt es auch bei dieser Licht
und Schatten zu konstatieren. Leider wird man des anfänglich recht
interessanten Settings recht schnell überdrüssig, spätestens wenn sich
die Handlung komplett in den Wirren von Mystik und Übersinnlichem
verstrickt.
In der Werkausgabe von Jean Dufaux' Jessica Blandy bei Schreiber & Leser liegt mittlerweile der dritte Band vor. Diesmal sind sogar gleich vier Abenteuer enthalten, wobei nur zwei inhaltlich eng zusammen gehören. Alle Stories sind dabei deutsche Erstveröffentlichungen.
Die Piraten sind in Paris eingefallen! Ein Dreimaster gleitet zwischen
den Fassaden des Faubourg Saint-Germain. An Bord und sogar in einer
Spelunke entfesselt Kapitän Scharlach Blitze und heftige Regenschauer.
Alles scheint, als wäre eine von Autor Marcel Schwobs Romanfiguren zum Leben
erweckt worden! Und zwar von Autor David B. und Zeichner
Emmanuel Guibert. Schwob war einer der großen Gelehrten seiner
Zeit. Aber nun wird dieser Marcel Schwob zur Hauptfigur in Kapitän Scharlach.
- 11.06.2010
Mit der Fantasy-Reihe Les Lumières de l'Amalou wurde Zeichnerin
Claire Wendling bekannt und mehrfach preisgekrönt. In den neunziger
Jahren erschienen die ersten drei Alben der fünfbändigen Serie auch auf
deutsch; Teil 1 und 2 als Amalu, Teil 3 als Die Lichter von Amalou.
Obwohl Wendling beim Comic-Salon 2004 mit einer Ausstellung geehrt
wurde, musste man in Deutschland auf die beiden letzten Episoden sehr
lange warten. Nun gibt es also endlich die komplette Serie, mit einem
abermals leicht veränderten deutschen Titel: In der Carlsen-Ausgabe
heißt die Fantasy-Geschichte Die Lichter des Amalu, was auch sinnvoll ist, da es sich bei dem titelgebenden "Amalu" um einen Fluss handelt.
- 21.09.2009