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von Marco Behringer Sonntag, 22. August 2010


Cover von Baker Street 2Eine Holmes-Parodie als Comic - so könnte die Serie Baker Street aus der Feder von Szenarist Pierre Veys (Harry Cover - Die bezaubernde Parodie) und Zeichner Nicolas Barral auf den Punkt gebracht werden. Das Duo hat zuvor bereits bei der Krimi-Satire Die Abenteuer von Philip und Francis zusammengearbeitet, die inhaltlich und stilistisch die Baker Street-Geschichten quasi vorweggenommen hat, aber nach einem Band eingestellt wurde. Der Titel der Holmes-Reihe ergibt sich aus der Londoner Straße, in der sich die Wohnung des berühmtesten literarischen Detektivs befindet.

Im Gegensatz zum Auftaktband "Sherlock Holmes fürchtet sich vor gar nichts" enthält der zweite Band "Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten" keine Sammlung von episodenhaften Kurzgeschichten, sondern eine einzige, längere Handlung. Dabei erweist sich der vielschichtige Fall als überaus verzwickt: Sherlock Holmes und Dr. Watson werden vom nervenzermürbenden Inspektor Lestrade zu fünf verschiedenen Verbrechen hinzugezogen, die vordergründig erst einmal nichts miteinander gemein haben.

Die Abenteuer des Meisters der Deduktion werden in Baker Street zunächst ganz nach dem Vorbild von Arthur Conan Doyle präsentiert: Da ist der unverkennbare Deerstalker als Markenzeichen von Holmes, die ungleiche Männerfreundschaft zwischen dem Detektiv und seinem Chronisten, die bekannten Nebenfiguren wie Inspektor Lestrade aus dem Scotland Yard. Doch neben diesem "Grundgerüst" beziehungsweise neben dieser Hommage entpuppt sich die Serie zugleich als Verballhornung der Vorlage. Denn es kommt durchaus vor, dass sich Holmes irrt oder verheerende Fehler macht wie ein Streichholz in einer Lagerhalle mit hoch entflammbarem Puder zu entzünden. Die Zankereien zwischen den Streithähnen Holmes und Watson werden zuweilen überspitzt und bis zum Äußersten getrieben.

Seite aus Baker Street 2Die Gags funktionieren dabei fast immer. Manchmal aber schießen die Autoren über das Ziel hinaus, übertreiben zuweilen oder warten mit vorhersehbaren Pointen auf. Der Humor, der sich neben der Holmes-Watson-Konstellation vor allem aus der Verachtung für Lestrade und Scotland Yard speist, wird auch durch die cartoonhaften Zeichnungen unterstrichen. Barrals detailierter Strich hebt die markanten Gesichtspartien zur Karikatur hervor. Er benutzt auf gekonnte Weise viele comictypische Stilmittel wie Speedlines oder Sternchen, um eine Szene auf die Spitze zu treiben.

Auch der zweite Band von Baker Street ist eine gelungene Parodie auf Doyles Romane. Es ist gute Genre-Kost mit bisweilen schwankend guten Pointen. Veys und Barral sind ein eingespieltes Team, das sich hervorragend ergänzt. Baker Street 2 ist sicherlich für Holmes-Fans oder Anhänger der Kriminal-Parodie eine Pflichtlektüre. Allen anderen ist aber zunächst ein Blick in das Album zu raten. Ein großes Plus der Reihe ist sicherlich noch die zügige Veröffentlichung: Band drei erschien im Juli, und die Bände vier und fünf  sind für Herbst/Winter 2010 geplant.


Baker Street 2 - Sherlock Holmes und der Club der tödlichen Sportarten
Piredda Verlag, Mai 2010
Szenario: Pierre Veys
Zeichnungen: Nicholas Barral
Hardcover, 48 Seiten, farbig; 13 Euro
ISBN: 9783941279360

Leseprobe auf der Verlags-Website
Geht so

Gelungene Hommage und Parodie mit Semi-Funny-Zeichnungen


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Abbildungen © Nicolas Barral, der dt. Ausgabe Piredda Verlag



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